Im Frühjahr hat sie ihre erste Pilgerfahrt nach Mekka gemacht. Ja, sie ist gläubige Muslima, sagt Selma Sucukcuoglu. "Aber das bin ich für mich." Die studierte Betriebswirtschaftlerin und Inhaberin eines Getränkemarkts in Bornheim kam als Kind 1966 mit ihren Eltern aus der Türkei nach Deutschland. Erste Station: Friedberg. "Da gab es keine Islamschule. Ich hab nie die religiösen Regeln gelernt, nie die Gebete." Ein Ziel, das sie sich als erwachsene Frau gesteckt hat, mit der Pilgerfahrt nach Mekka ist sie ihm ein Stück nähergekommen. Auch mit den Begegnungen mit Muslimen aus aller Welt, die alle nur ein Ziel haben: die Nähe zu Gott erleben.
Das habe nichts eiferndes, sagt sie. Nach wie vor trägt sie kein Kopftuch, wählt Kleidung ausschließlich nach ihrem Geschmack und hat keine Berührungsangst mit anderen Religionen. Im Gegenteil. "Meine Welt ist offen, international, ich habe Freunde, die Christen, Juden oder Muslime sind." Den Streit um den Moscheebau in Hausen verfolgt sie zwar, bedauert auch, dass es noch so viel Unkenntnis, Vorurteile und Ängste gibt, dass Islam und Islamismus gleichgesetzt werden, viele gleich an Terror denken oder in jedem Imam einen potenziellen "Kaplan von Köln" sehen.
Ihr Leben, ihre Gefühle berührt das alles jedoch nicht. Sie hätte auch kein Problem damit, dass in Sichtweite gegenüber eine russisch-orthodoxe Kirche steht. Für sie gibt es auch keine Hierarchie der Religionen. "Ich akzeptiere jede Religion." Auch eine Haltung, die der Koran lehre, sagt sie. "Wer an den Koran glaubt, glaubt auch an die Bibel." Und kein gläubiger Muslim würde sich hierzulande an Kirchenglocken stören.
Dass in Frankfurt Kirchen verkauft werden, bedauert sie. "Jedes Mal wenn ich an der Matthäuskirche zwischen den Bankentürmen vorbeigelaufen bin, hat sie mir richtig leid getan, dass sie verkauft werden soll." Man sollte die Christen aufrütteln, ermuntern gleichfalls für ihre Kirchen zu spenden, wie es alle Muslime traditionell in hohem Maße täten.
Sie selbst war in Frankfurt noch in keiner Moschee, dafür aber mit einer jüdischen Freundin und einer streng gläubigen Muslima vor kurzem im Dom. Alle drei haben sich in in ihren Herkunftssprachen in das Gästebuch eingetragen, erzählt Selma. Alle drei haben sie gebetet. Für die Bornheimerin ein ergreifender Moment. "Am liebsten wäre es mir, wenn alle Gläubigen gemeinsame Gotteshäuser hätten und niemand schauen würde, ob jemand mit gefalteten Händen betet oder die Handflächen nach oben reckt." Ein Traum, der ihrem pluralistischem Alltag nahekäme: "Religion spielt sich doch nur im Kopf ab. Christen sagen Amen, wir Amin."
ana

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