Gerd Becker wirkt hinter den Kulissen. In seinem kleinen Büro im ersten Stock des Jugend- und Sozialamtes an der Eschersheimer Landstraße soll der 55 Jahre alte Sozialarbeiter vorantreiben, was in Zukunft immer wichtiger werden wird: Die Teilnahme der Bürger an den Entwicklungsprozessen in ihrer Stadt. Bürgerkommune oder stolpriger formuliert Partizipation sind Zeichen der Zeit. Nicht von ungefähr luden kommunale Spitzenverbände im Mai zu einem Fachkongress "Bürger für Bürger - Engagement in Kommunen stärken."
Gerd Becker, seit Januar mit einer Halbtagsstelle für Partizipationsprozesse in den Bereichen Soziales und Jugend zuständig, hörte auf der Berliner Tagung eine vertraute Stimme. OB Petra Roth (CDU) mahnte dort, Bürgern die Möglichkeit "aktiver Mitgestaltung des örtlichen Gemeinwesens" einzuräumen: "Noch immer gibt es zu starke Seilschaften der Profis, die ein Einbinden der bürgerschaftlichen Mitarbeit verhindern."
Hier ist Gerd Becker gefragt. Der gemütlich wirkende Saarländer hat das erste Forum "Älter werden in Frankfurt " organisiert, das am Mittwoch Bürger aus Bornheim und dem Nordend aus Ostend, Altstadt und Innenstadt einlädt, darüber zu sprechen, wie sie im Alter leben möchten. Becker, seit 1977 im Jugend- und Sozialamt aktiv, weiß: "Nimmt man die Bürger ernst, kann man keine einsamen Entscheidungen fällen, sondern muss sie einbeziehen. Das wird schwieriger und dauert länger, aber je besser die Beteiligung je qualifizierter auch das Ergebnis." Ein gutes Beispiel dafür in Frankfurt ist die Verkehrsplanung im Nordend. Aus einem "sehr partizipativen Prozess mit Bewohnern" entstand eine "tolle Wegeplanung".
Beckers Feld ist seine eigene Generation, die 220.000 Frankfurter, die älter als 50 Jahre sind. Er möchte experimentieren, um die Auseinandersetzung zwischen Verwaltung, Bürgern und politischen Entscheidungsträgern, den ehrenamtlichen Stadtverordneten, in Gang zu setzen. Als ein Themenfeld, das bei der älteren Generation auf hohes Interesse stößt, hat Becker Wohnen identifiziert. 15 000 Bürger hat das Sozialdezernat dazu befragt, beim Bürgerforum am Mittwoch sollen erste Ergebnisse vorgestellt werden.
Becker möchte Ältere, die noch im Berufsleben stehen, ansprechen, aber er weiß: "Einige werden das noch nicht so an sich heranlassen." Besonders aktiv, was freiwilliges Engagement angeht, ist die Gruppe der 61 bis 70-Jährigen. Becker ist überzeugt, dass gerade diese Gruppe für die Themen des Forums Wohnen, Pflege und Gesundheit, Freizeit und Partizipation offen ist. Möglicherweise stellen sich während des Forums "Trends heraus, die das Sozialrathaus aufgreifen kann", oder es bilden sich Initiativen oder Gesprächskreise zu einzelnen dieser Themen. Auch bei Menschen im Ruhestand habe das klassische Ehrenamt "an Attraktivität verloren", sagt Becker. Die Generation 60 plus verfolge vielmehr eine Zeitlang bestimmte Interessen und Ziele, die sie dann abschließe, um sich Neuem zuzuwenden.
Gerd Becker wird sich nicht nur auf die Partizipation Älterer beschränken. Zu seinem Auftrag zählt auch, etwa mit Menschen mit Behinderungen oder Familien, neue Beteiligungsmodelle auszuprobieren. Die Maxime, weg vom Obrigkeitsstaat hin zur Bürgerkommune gilt. In Frankfurt tagte seit Sommer zwei Mal ein Runder Tisch, an dem Vertreter verschiedener Ämter zusammenkamen, die die Bürgerbeteiligung in der Stadt fördern wollen. "In immer mehr Ämtern öffnet man sich für solche Prozesse", stellt Becker fest. Geduld brauche man für den Prozess der Beteiligung. Eine Eigenschaft, die auch Elefanten nachgesagt wird. Ein prachtvoller gemalter Dickhäuter hängt in Beckers Büro. "Ich sammel doch Elefanten", sagt Becker. "Sie können sich über sehr große Entfernungen verständigen und sind sehr sozial."

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