Wir schreiben das Jahr 1959: Am Rhein kommen sich zwei Schwestern näher; Mainz und Wiesbaden gründen einen gemeinsamen Städteausschuss.
In dem Ausschuss planen Mitarbeiter und Politiker beider Kommunen gemeinsame Projekte. Zudem klären sie Fragen, die durch die Sondersituation der ehemaligen Mainzer Stadtteile Amöneburg, Kostheim und Kastel (AKK) entstehen. Am heutigen Montag jährt sich die erste Sitzung des Ausschusses zum 40. Mal.
"Die späten 60er waren die Zeit der Städtepartnerschaften und Eingemeindungen - eine visionäre Zeit, in der die Kommunalpolitik noch glaubte, die Zukunft auf wissenschaftlicher Basis präzise planen zu können", sagt der Geschäftsführer des Ausschusses, Hans Schiller. Erst die Öl- und Wirtschaftskrisen hätten diesen Glauben genommen. Analog dazu scheiterten anfangs die großen Entwürfe in dem Ausschuss wie ein gemeinsames Konzept für den Verkehr oder für die Wirtschaft.
Trotzdem. Ein wenig von dieser Visionärszeit wünscht sich der Wiesbadener Oberbürgermeister Helmut Müller (CDU) heute wieder: "Zu oft sind die Sitzungen bloße Erörterungstermine, in denen die Punkte einfach nur abgehandelt werden." Der Ausschuss müsste mehr eigene Ideen für die Zukunft beider Städte entwickeln.
Seit dem Jahr 2000 hat sich der Ausschuss gerade drei Mal getroffen. In der Sitzung im März 2008 ging es unter anderem um den Neubau der Schiersteiner Brücke, den Verkauf von Wohnbau-Wohnungen in AKK und um Fernwärme-Leitungen. Wiesbaden soll an das Mainzer Netz angeschlossen werden. Ein weiteres Thema war die gemeinsame Bewerbung zur Bundesgartenschau. "Ich bin zwar kein großer Anhänger der Buga", sagt Müller. Immerhin bringe es die Städte dazu, an einer gemeinsamen Gestaltung beider Rheinufer zu arbeiten.
Der Wert des Ausschusses lasse sich ohnehin nicht in Projekten oder Zahlen ausdrücken, meint der Mainzer Oberbürgermeister Jens Beutel (SPD). Die Treffen würden helfen, sich auszutauschen, Interessen für den Nachbarn zu wecken und neue Ideen anzuregen: "In jedem Fall bringt die Arbeit im Städteausschuss immer wieder die Erkenntnis, dass andere Städte die gleichen oder zumindest vergleichbare Themenstellungen haben."
Vor allem für die Fragen zu AKK sei der Ausschuss wichtig, meinen beide Oberbürgermeister. Mainz gehören in seinen ehemaligen Stadtteilen noch viele Grundstücke und Gebäude. Zum Beispiel die Ortsverwaltung Kostheim. "Ich habe Verständnis dafür, dass Mainz nicht viel Interesse hat, Geld nach Wiesbaden zu tragen", sagt Müller. Daher saniert die hessische Landeshauptstadt jetzt das Gebäude, erhält dafür aber Erbbaurecht. Die Kasteler Fußballer bekommen beim Bau eines Kunstrasenplatzes von beiden Städten Geld.
Die Zeichen für die künftige Zusammenarbeit stehen auf Besserung. "Wir haben als Oberbürgermeister ein sehr gutes Verhältnis zueinander", sagt Müller, der Streit ums Kraftwerk schweiße zusammen. Die komplexe Lage des Projekts habe die beiden Stadtchefs häufiger zusammen gebracht als üblich.

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