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Standpunkte zur Neuen Mitte: "Es fehlt an Bürgerbeteiligung"

Architektin Claudia Höcker-Brüggemann spricht im FR-Interview über den geplanten Umbau der Bad Vilbeler Innenstadt und den Streit um die Mediathek.

Fordert einen städtebaulichen Wettbewerb für Bad Vilbel -  Claudia Höcker-Brüggemann.
Fordert einen städtebaulichen Wettbewerb für Bad Vilbel - Claudia Höcker-Brüggemann.
Foto: FR/Schick

Frau Höcker-Brüggemann, Sie sind Mitinitiatorin des Bürgerbegehrens zur Verhinderung des Baus einer Büchereibrücke. Gibt es in Bad Vilbel ein Demokratiedefizit?

Es wäre zu einfach, alles darauf zu schieben, dass es jetzt schon so viele Jahre eine Allein-Regierung der CDU gibt. Ich glaube, dass es grundsätzlich ungesund ist, wenn keine Notwendigkeit mehr besteht, dass man sich überparteilich inhaltlich verständigen muss und gemeinsam an der Sache arbeitet. Das ist die eine Ebene der Politik. Die andere ist die fehlende Bürgerbeteiligung, die zu Frustration führt, da die Bürger sich in einer Situation sehen, in der sie nichts bewirken können.

Braucht Bad Vilbel überhaupt die Neue Mitte?

Bad Vilbel braucht eine Erneuerung in der Stadtmitte. Deshalb ist es unser Anliegen in der Initiative für ein Bürgerbegehren, dass es nicht zu einem Stopp oder einer Blockade kommt, sondern dass neue Wege in der Planung beschritten werden.

Was war der Anlass für Sie, sich der Initiative für ein Bürgerbegehren anzuschließen?

Ich habe mich geärgert, dass eine Planung konkret werden soll, von der noch niemand richtig weiß, wie sie aussieht. Als festgelegt wurde, dass die Stadtverordnetenversammlung zur Frage der Überbauung einen Beschluss fassen sollte, hatte noch niemand die aktuellen Pläne gesehen. Ich wollte die nächsten Jahre nicht in die Stadt gehen und mich ärgern, dass ich die Dinge nicht noch mal hinterfragt habe.

Der Bürgermeister sagt, ein erfolgreiches Bürgerbegehren "hätte eine unabsehbare Schädigung der Stadt zur Folge". Warum unterstützen Sie es dennoch?

Ich mache es aus mehreren Gründen. Zum einen, weil mir die Planungsgrundlage nicht ersichtlich und zu wenig durchsichtig ist. Es ist nicht klar, was dort genau entsteht und ob die Stadt es in der Form braucht. Zum anderen habe ich gemerkt, dass ich mit meinen Zweifeln nicht alleine stehe. Egal wo das Thema aufkam, gab es Kritik und Ablehnung. Die wenigen Stimmen, die sich dafür aussprachen, sagten: "Besser es passiert irgendwas als nichts." Ich möchte aber etwas, was dauerhaft eine positive Wirkung für das Stadtbild und die Stadtentwicklung schafft und von den Menschen angenommen wird.

Was wäre das?

Ich will jetzt keine Gegenvorschläge machen, denn die sind genügend geäußert worden.

Die alle von der regierenden CDU verworfen wurden, zumindest wenn es um Alternativstandorte für die Mediathek ging.

Was aber auch nicht anders zu erwarten ist - wenn allein der darüber entscheidet, der ausschließlich eine andere Variante bevorzugt. Dabei hat die CDU auch frühere eigene Pläne verworfen, beispielsweise mit einer Mediathek auf dem Hallenbadgelände, wie es sogar im Leitbild beschrieben war. Das ist heute kein Thema mehr.

Aber als Architektin, die die Stadt kennt, werden Sie doch einen Alternativstandort im Kopf haben, wo eine Mediathek besser passen könnte?

Den werden Sie mir jetzt nicht entlocken, das ist nicht Kern der Sache. Es geht darum, in einem anderen Verfahren, wie im Rahmen eines städtebaulichen Wettbewerbs oder einem vergleichbaren Verfahren mit Bürgerbeteiligung, Ideen für einen Standort zu entwickeln.

Was halten Sie denn von den Alternativplänen des Architekten Karl-Heinz Groll?

Dazu möchte ich mich überhaupt nicht äußern. Ich will auch weg von der Diskussion um den Entwurf von Fred Angerer.

Der nach Meinung der CDU ein "Geniestreich" ist.

Der Entwurf wirft Fragen auf. Es ist erstaunlich, dass sich Herr Angerer, als Städtebauer, darauf eingelassen hat, ihn nur an der vorgegebenen Stelle zu platzieren.

Warum ist das erstaunlich?

Weil ich erwartet hätte, dass er sich dieses Themas mehr annimmt, als sich nur auf diese eine Stelle zu beschränken. Schließlich bieten Standorte, wie der für das geplante Parkhaus oder der des Hallenbades mindestens genau so viel Platz. Außerdem stellt sich die Frage: Wie viel Platz brauchen wir tatsächlich für eine moderne Mediathek? Gibt es durch geschickte Planung nicht doch die Möglichkeit, eine solche im Bereich der Frankfurter Straße unterzubringen? Diese Fragen zeigen, warum es so wichtig ist, für diesen Bereich endlich ein planerisches Gesamtkonzept zu erarbeiten, das über das Leitbild hinausgeht.

Was halten Sie von Herrn Angerers Idee eines Nidda-Florenz?

Wenn er von der Ponte Vecchio in Florenz spricht, sind das völlig andere Dimensionen, sowohl vom Städtebau her wie auch von der Größe der Flüsse.

Die Stadt argumentiert, eine Mediathek über der Nidda sei als Alleinstellungsmerkmal nötig, um sich von anderen Städten abzuheben. Ginge es auch ohne oder mit einem Merkmal woanders?

Das ist genau der Punkt. Wenn wir ein Alleinstellungsmerkmal an anderer Stelle finden, wäre das eine großartige Sache. Man darf bei einem Alleinstellungsmerkmal aber nie vergessen, dass es in die Umgebung eingefügt sein muss und sich nicht völlig aus den vorhanden Strukturen heraushebt.

Das tut die Mediathek nicht?

Wir haben in Bad Vilbel mit dem Kurpark und der Nidda etwas ganz Besonderes im Zentrum der Stadt, eine Mediathek an dieser Stelle wird beiden nicht gerecht.

Interview: Ben Reichardt

Datum:  9 | 1 | 2010
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