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Stichwahl-Kampf: Im Korwisi-Mobil mit wehenden Fahnen

Nach der Wahl ist vor der Wahl: Die OB-Wahlkampfstände auf der Louisenstraße rücken näher zusammen. Von Martina Propson-Hauck

Die Wahlplakate von gestern werden morgen überklebt. Auf den 36 offiziellen Werbeflächen für die OB-Wahl, die im gesamten Stadtgebiet verteilt sind, werden in den nächsten Tagen aus drei Kandidaten zwei. Und siehe da - beide werben nun mit dem gleichen Slogan. "Jetzt gilt's" heißt es auf den bereits gedruckten Exemplaren der Plakate von Michael Korwisi (Unabhängiger/Grüner) und Ursula Jungherr (CDU) mit dem jeweiligen Hinweis auf die Stichwahl am 10. Mai.

Auch in der Fußgängerzone sind sich beide Kandidaten gestern ein wenig nähergerückt. Pünktlich um 9.30 Uhr stand Jungherr vor der Filiale der Deutschen Bank, in Blickweite von Korwisi, der seit Wochen vor Feinkost Lautenschläger wirbt, Symbole kurstädtischen Wohlstands, Finanzkraft und Champagnerluft.

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Fünf Jahre lang haben die beiden im Rathaus zusammengearbeitet. Seine Verwaltungserfahrung als Stadtrat will Korwisi jetzt noch stärker in die Waagschale werfen. Gestern zog er vor Journalisten eine Bilanz seiner Amtszeit unter der schwarz/grünen Koalition in der Stadt. "Überall standen Kräne, wurde gebaut, ich war der Vorgesetzte von 400 Mitarbeitern", sagte Korwisi. Und auch, dass er zuversichtlich sei, am 10. Mai zu gewinnen. Er ist so gut gelaunt, wie man es wohl nur als unerwarteter Sieger des ersten Wahldurchgangs sein kann. Seine Wähler seien "sehr motiviert" die Resonanz am Wahlstand "riesig".

Anzug gegen orangenen Schal

Den Satz von der Zuversicht sagt auch Jungherr derzeit jedem, der sie nach dem Wahlausgang fragt. Ihr orangener Wahlkampfschal war gestern im Nieselregen für die leicht fröstelnde OB nicht nur Zierrat, sondern willkommener Wärmespender.

Korwisi geht im Anzug strahlend durch die Fußgängerzone, redet mit den Passanten und verschenkt weißen Duftsteinrich, der die schon verblühten blauen Vergissmeinnicht der ersten Wahlkampfwochen ersetzt hat. Das Verbot seiner Plakate in den Gärten seiner Unterstützer hält er für eine Wahlkampfposse.

Er will nun in einem noch nicht näher definierten "Gefährt" mobil in der Stadt unterwegs sein, "auch nach Einbruch der Dunkelheit". Denn das unterliege schließlich nicht der "Gefahrenabwehrverordnung".160 Fähnchen sollen zudem an den privaten Autos seiner Unterstützer wehen. Was während der Fußball-WM Ausdruck kollektiver Begeisterung war, will sich der Wahlkämpfer zu eigen machen. Nicht in schwarz-rot-gold, sondern in blau, der Farbe des Stadtwappens.

"Politik muss mehr unter die Leute gehen", sagt er. Nicht nur um sich bekannt zu machen, sondern um "die Meinung des Souveräns kennenzulernen". Dieses Unter-die- Leute-gehen kann er gut, unzweifelhaft sehr viel besser als die Amtsinhaberin, die man sich nur schwerlich mit wehenden Wimpeln durch die Stadtteile brausend vorstellen kann.

Beide werden nun versuchen, auch die Nichtwähler vom vergangenen Sonntag zu erreichen, mit fast 59 Prozent die große, schweigende Mehrheit. Erfahrungen bei Direktwahlen in großen Städten Hessens haben gezeigt, dass mehr als 50 Prozent Wahlbeteiligung nicht drin sind. Bei Stichwahlen noch weniger. "Viele denken, die Wahl sei gelaufen", sagt Korwisi.

Autor:  MARTINA PROPSON-HAUCK
Datum:  28 | 4 | 2009
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