Nein, glücklich wirkt Konrad Elsässer nicht. "Unser Ziel, den modernen Querriegel durch die alte Frankfurter Großmarkthalle zu verhindern, haben wir nicht erreicht", sagt der Neffe des großen Architekten der 20er Jahre, nach dessen Entwurf das Gebäude entstanden war. Nach monatelangen Verhandlungen zwischen den Erben Martin Elsaessers, der Stadt Frankfurt und der Europäischen Zentralbank (EZB) zeichnet sich jetzt aber ein Kompromiss ab.
Er soll die Urheberrechts-Klage der Familie gegen die Pläne für das neue EZB-Quartier im Frankfurter Osten aus der Welt schaffen. Die Sache ist derzeit beim Europäischen Gerichtshof anhängig.
"Die Anwälte verhandeln gerade letzte Details", so Konrad Elsaesser. Viel Geld ist jetzt plötzlich im Spiel. 100 000 Euro soll die Stadt an die Familie überweisen. Mit dem Geld wollen die Erben eine Elsaesser-Stiftung in Frankfurt gründen und in der Stadt ein Elsaesser-Archiv einrichten.
"Wir werden den überall verstreuten Nachlass von Martin Elsaesser in Frankfurt konzentrieren und der Öffentlichkeit zugänglich machen", verspricht der Neffe. Schon, weil das jetzt gelungen sei, habe die Auseinandersetzung mit der Sadt Frankfurt und der Europäischen Zentralbank "Sinn gehabt".
Die Stiftung soll noch in diesem Jahr gegründet werden. 2009 ist dann eine Austellung zu Leben und Werk Martin Elsaessers im Deutschen Architekturmuseum (DAM) in Frankfurt geplant. Die EZB gibt 25 000 Euro dazu, die Stadt will 50 000 Euro beisteuern.
Im OB-Büro wird der Kompromiss im Detail bestätigt, offiziell Stellung beziehen will zu den vertraulichen Verhandlungen niemand. Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) erklärt den internationalen Journalisten, die am Dienstag in den Limpurgsaal zur Überreichung der städtischen Baugenehmigung an die Bank gekommen sind: "Die Rechtsstreitigkeiten zwischen der Stadt, den Elsaesser-Erben und der EZB sind auf gutem Wege, beigelegt zu werden."
EZB-Präsident Jean-Claude Trichet nimmt immerhin in seiner Rede den Namen von Martin Elsaesser in den Mund. Er billigt der denkmalgeschützten Großmarkthalle "eine Schlüsselrolle" im künftigen Quartier der Europäischen Zentralbank zu. Man habe "in zwei Jahren Tausende von Stunden darauf verwandt, den Zustand des Gebäudes zu ermitteln". Darüber hinaus gibt es auch von der Seite keine Stellungnahme. Zu erfahren ist im Römer noch, dass der Direktor des DAM, Peter Cachola Schmal, die Ausstellung mit den Erben vorbereitet. jg

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