kalaydo.de Anzeigen

Studentenproteste in Mainz: "RAF"-Flugblatt schlägt hohe Wellen

Ein Studentenulk sorgt für heftigen Streit zwischen CDU und SPD im Mainzer Landtag. Und jetzt schaltet sich auch noch das Satiremagazin "Titanic" ein.

Entführung a la Mainz: Studenten fordern Lösegeld für eine Schreibmaschine, die sie am Tag zuvor bei der CDU-Fraktion im Landtag entführt haben.
Entführung a la Mainz: Studenten fordern Lösegeld für eine Schreibmaschine, die sie am Tag zuvor bei der CDU-Fraktion im Landtag "entführt" haben.
Foto: ddp

Ein bei den Studentenprotesten in Mainz verteiltes satirisches Flugblatt sorgt für Streit zwischen SPD und CDU im rheinland-pfälzischen Landtag. Die Handzettel spielen auf eine 1977 von der Roten-Armee-Fraktion (RAF) verbreitete Aufnahme des entführten und später ermordeten Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer an. Die CDU, die bereits am Donnerstag mit Empörung reagiert hatte, forderte am Freitag den Rücktritt von SPD-Fraktionvize Carsten Pörksen. Dieser hatte zuvor die Kritik der CDU an den Studentenprotesten als überzogen zurückgewiesen und dabei den Verfassern des Flugblatttextes attestiert, sie hätten zumindest "Humor".

Das Flugblatt zeigt unter dem RAF-Logo anstelle Schleyers eine alte Schreibmaschine. Eine solche war am Mittwoch aus einer Ausstellung der CDU gestohlen worden, als Studenten kurzzeitig das Abgeordnetenhaus besetzt hatten. Unter der Bildmontage steht der Text: "Zur Freigabe dieser wertvollen DDR-Schreibmaschine fordern wir alles. Und zwar sofort! Wird unsere Forderung nicht eingehalten, können wir nicht länger für das Wohlergehen ihrer Schreibmaschine garantieren."

"Geschmacklos und zynisch"

Der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU-Fraktion, Hans-Josef Bracht, kritisierte am Freitag die Äußerungen von SPD-Fraktionsvize Pörksen zu dem Flugblatt als "geschichtsvergessen, geschmacklos und an Zynismus kaum zu überbieten". Pörksen sei als Mitglied der Führung einer großen Landtagsfraktion untragbar. Daher müsse er aus dem SPD-Fraktionsvorstand zurücktreten. Wer diesem Pamphlet Humor bescheinige, trete auch die Gefühle der Angehörigen des Ermordeten mit Füßen, betonte der CDU-Politiker.

Die Parlamentarische Geschäftsführerin der SPD, Barbara Schleicher-Rothmund, wies die Rücktrittsforderung zurück. Pörksen habe "zu keinem Zeitpunkt" das aufgefundene Flugblatt mit der Ermordung Schleyers "in Verbindung gebracht oder dies intendiert". Der CDU warf sie vor, sie versuche "den Sachverhalt für ihre Zwecke unangemessen aufzubauschen".

Der Chefredakteur des Satiremagazins "Titanic", Leo Fischer, bezeichnete das Flugblatt als "witzig, originell und charmant". Die RAF und ihre Verbrechen dürften kein Tabuthema für Satire sein. Als Teil deutscher Geschichte und Identität müsse deren Geschichte auch "satirisch aufgearbeitet" werden. In der "Titanic" sei das Schleyer-Bild schon einmal auf der Titelseite gezeigt worden. Dabei habe man Schleyer durch den damaligen Fußball-Nationaltrainer Berti Vogts ersetzt.

Unterdessen hat das Eindringen ins Abgeordnetenhaus ein polizeiliches Nachspiel. Die Polizei ermittelt nach Angaben des Landtags bereits wegen Hausfriedensbruch. Eine Strafanzeige sei daher nicht mehr notwendig. Ob darüber hinaus wegen der Sachbeschädigungen ein Strafantrag gestellt werde, werde der Ältestenrat des Landtags in der kommenden Woche mit den Fraktionen erörtern. Bei dem Vorfall war nicht nur die Schreibmaschine gestohlen, sondern zudem Wände beschmiert, Toilettenpapier ausgerollt und ein Portemonnaie aus einem Abgeordnetenbüro entwendet worden. (ddp)

Datum:  19 | 6 | 2009
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Regionale Startseite
Ressort

Von Wiesbaden über Frankfurt bis Hanau - Die Stadt und die Region auf einen Blick


Nachrichten aus Frankfurt und Rhein-Main

Spezial
Beschäftigte des Druckmaschinen-Herstellers Manroland demonstrieren vor der Allianz-Niederlassung in Frankfurt. Allianz und MAN haben dem angeschlagenen Konzern den Geldhahn zugedreht.

Offenbach bangt um einen großen Arbeitgeber: Die Krise beim insolventen Druckmaschinen-Hersteller Manroland.

Anzeige

Top Stellenangebote

Anzeige

 

Staumelder

Staumelder 12 Staus mit einer Gesamtlänge von 57km
Zu den Staumeldungen
Social Media
Unser Twitter-Ticker für Frankfurt und Rhein-Main.

 

Facebook | Twitter überregional | Google+
Was bedeutet das hier? FR@Social Media!
Glosse
        

Da steht sie auf ihrem Brunnen in der Klappergasse.

Jeden Tag gibt's nun eine kurze Glosse zu unglaublichen Geschichten aus dem Frankfurter Alltag zu lesen.

 

Eintracht Frankfurt
Im März 2010 war Bastian Oczipka von Bayer zum FC St. Pauli ausgeliehen.
Linksverteidiger 
Turkish Airlines ist als Sponsor im Gespräch.
Eintracht Frankfurt 
        

In seinen Hochzeiten auch Eintracht-Kapitän: Chris.
Eintracht Frankfurt 
Eintracht Frankfurt zieht Bilanz 

Frankfurter Rundschau im Abo