Für Brigitte Sassin von der Fachstelle für Stadtkirchenarbeit und ihre 25-köpfige Gruppe beginnt der Tag der offenen Moschee an diesem 3. Oktober um 10 Uhr. Die erste Station ist die Ditib-Moschee an der Münchener Straße. Dort informieren sich Teilnehmer unter anderem über die muslimischen Gemeinden am Main. Dann geht's weiter zur Valide Sultan Camii an der Kriegkstraße im Gallus, wo der Bildungs- und Kulturverein (VKV) seine Räume hat. "Der Gebetsraum hier ist viel schöner", sagt eine Frau aus der Gruppe. Das liege an der Farbe, die im Raum dominiere. Die Fayencen mit Blumenornamenten, der Teppichboden und auch die Wände sind in Blautönen gehalten. "Alles wirkt hell und freundlich", sagt sie.
Den Besuch der Moscheen hat Brigitte Sassin, Referentin für christlich-islamischen Dialog, erstmals im Programm. Die Hälfte der Teilnehmer sind Lehrer, sie können sich diesen Tag als Lehrerfortbildung anrechnen lassen. Dass die Gruppe neugierig ist, bekommt VKV-Vorstandmitglied Yusuf Çolak schnell mit.
Hintergründe zum Streit um die geplante Moschee im Spezial.
Pflicht zur Spende
Immer wieder gibt es Fragen aus dem Kreis der Besucher. Ein längeres Gespräch löst unter anderem das Thema "Spenden" aus. Zu einer der fünf Säulen des Islam gehört es, ein Vierzigstel seines Vermögens an Bedürftige abzugeben. Das sei eine Pflicht, erklärt Çolak. Dann dürfe das aber nicht mit "Almosen" übersetzt werden, merkt eine Lehrerin ein. "In Schulbüchern ist es im Kapitel über den Islam mit Almosen übersetzt", erklärt sie.
Ein eher stiller Beobachter des Vortrags ist an diesem Morgen Jean Claude Diallo. Der Streit um den Moscheebau in Hausen beschäftigt ihn, und mit Sorge beobachtet er, dass der Islam als eine der drei monotheistischen Religionen dieser Tage in Frankfurt massiver Kritik ausgesetzt ist. "Das ist sehr gefährlich", sagt Diallo. Der offene Brief an die Oberbürgermeisterin zum Moscheebau sei "erschreckend", das Verhalten der Unterzeichner zeige, "wie verzweifelt sie sind. Wir müssen ihnen helfen, wieder auf dem Boden der Realität anzukommen." Womöglich ist der 3. Oktober ein guter Tag für dieses Ziel. Vor elf Jahren hatten muslimische Verbände sich bewusst auf diesen, für Deutschland historischen Tag verständigt, um die Moscheen zu öffnen.
Kinder besuchen die Moschee
Es ist nicht nur der Streit um den geplanten Bau eines muslimischen Gemeindezentrums am Industriehof, mit dem das Interesse von Besuchern am Tag der offenen Moschee zu erklären ist. Es ist auch die Neugier auf die Religion von Menschen, "die man kennt, aber mit denen man kaum private Kontakte hat", die die Besucher in die Moscheen führt. Das Ehepaar Stevenson etwa möchte seinen Kindern die Möglichkeit geben, eine Moschee zu sehen.
Ihre Türen hat am Mittwoch auch die Hazrat-Fatima-Gemeinde in Griesheim geöffnet. Etwa 20 Männer beginnen gegen 13.30 Uhr ihr Mittagsgebet, lassen sich nicht stören von Besuchern. Später rezitiert Imam Hamza Göleli aus dem Koran, dann spricht der Generalsekretär der Gemeinde, Ünal Kaymakçi - auch über das Bauprojekt in Hausen. Seit Wochen wirbt die schiitische Gemeinde für ihr Vorhaben. Skeptiker und Kritiker sind in der "Hinterhofmoschee" nicht anzutreffen. Vielmehr sind Menschen gekommen, die ihre Neugier stillen oder Solidarität mit der Hazrat-Fatima-Gemeinde bekunden. "Schade, dass die Gegner des Moscheebaus nicht kommen", sagt eine Besucherin. Wer das Gebetshaus in einem ehemaligem Gewerbebetrieb sehe, der verstehe, dass die Gemeinde schönere Räumehaben möchte.
CDU fordert anderen Termin
Die hessische CDU steht dem Tag skeptisch gegenüber. Der bundesweite "Tag der offenen Moschee" solle nicht am "Tag der Deutschen Einheit" veranstaltet werden. Der Vorsitzende der CDU- Landtagsfraktion, Christean Wagner, nannte die Terminwahl am Mittwoch in einer Pressemitteilung "unsensibel" und "unpassend".

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