Steinmeiers Familien-Frau bleibt beim ersten Auftritt zaghaft - wohl aus Angst. Manuela Schwesig tut sich schwer in der Wahlkampfkontroverse. Sie hat eine starke Kontrahentin. Eine Analyse von Vera Gaserow
Hoffnungsträgerin in Steinmeiers Schattenkabinett: Manuela Schwesig.
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Hoffnungsträgerin in Steinmeiers Schattenkabinett: Manuela Schwesig.
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Berlin. Sicher, es nicht ganz fair, als Jüngste eines Teams gegen die Stärkste der gegnerischen Mannschaft ins Rennen geschickt zu werden. Aber es könnte ja auch ein clevererer Schachzug sein. Und immerhin hat sie freiwillig Ja gesagt, als Parteifreund Frank-Walter Steinmeier (SPD) sie anrief.
Manuela Schwesig ist mit 35 Jahren in Mecklenburg-Vorpommern Deutschlands jüngste Ministerin und im Team des SPD-Kanzlerkandidaten so etwas wie die sozialdemokratische Antwort auf Ursula von der Leyen (CDU).
Der Kandidat und seine Entdeckung: Steinmeier und Manuela Schwesig.
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Der Kandidat und seine Entdeckung: Steinmeier und Manuela Schwesig.
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Nun steht die frische SPD-Hoffnungsträgerin am Mittwoch erstmals in Berlin vor großer bundespolitischer Medienrunde - und erwischt dabei ausgerechnet den Tag, an dem ihre Partei in einer Umfrage auf blanke 20 Prozent plus O abstürzt. Manuela Schwesig, die junge Senkrechtstarterin im Schweriner Kabinett, lächelt tapfer gegen einen Berg von eigener Anspannung an, als sie sich Händedruck um Händedruck bei den Journalisten vorstellt.
Und dann fällt fast unvermeidlich gleich in der ersten Frage der Name Ursula von der Leyen. Manuela Schwesig muss klarstellen, dass sie sich nicht über die CDU-Familienministerin definiert, auf deren Amt sie nach der Bundestagswahl sozialdemokratischen Anspruch erhebt.
Sie sollen's richten: Das SPD-Schattenkabinett
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Sie sollen's richten: Das SPD-Schattenkabinett
Innenpolitik: Thomas Oppermann, SPD-Fraktionsgeschäftsführer , würde sich unter einer SPD-geführten Regierung um die Belange des Innenministeriums kümmern.
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Bildung: Die stellvertretende SPD-Vorsitzende Andrea Nahles soll für Bildungspolitik zuständig sein und CDU-Ministerin Schavan herausfordern.
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Verteidigung: Die Vorsitzende des Bundestags-Verteidigungsausschusses, Ulrike Merten, übernimmt den Bereich Verteidigungspolitik.
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Familie: Mecklenburg-Vorpommerns Ministerin für Soziales und Gesundheit, Manuela Schwesig (hier bei ihrer Ernennung im Oktober 2008) , ist für Familie zuständig und soll sich vor allem des Themas Kinderarmut annehmen.
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Finanzen und Wirtschaft: , Peer Steinbrück (62) ist seit 2005 nicht nur Bundesfinanzminister, sondern auch der stellvertretende Vorsitzende der SPD. Zuvor war der gelernte Volkswirt unter anderem Ministerpräsident sowie Finanz- und Wirtschaftsminister in NRW und Minister für Wirtschaft, Technologie und Verkehr in Schleswig-Holstein.
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Entwicklungshilfe: Heidemarie Wieczorek-Zeul (66), gelernte
Lehrerin, ist als Ministerin für den Bereich Entwicklungshilfepolitik verantwortlich. Zuvor engagierte sie sich im Außenwirtschaftsausschuss im Europäischen Parlament und als Mitglied im Bundestag. Zwischen 1993 und 2005 war die gebürtige Frankfurterin stellvertretende Vorsitzende der SPD.
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Umwelt: Dasselbe gilt für den amtierenden Umweltminister Sigmar Gabriel.
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Verkehr: Wolfgang Tiefensee (54), gelernter Ingenieur, leitet
derzeit das Ministerium für Verkehr-, Bau- und Stadtentwicklungspolitik. Zudem engagiert er sich seit 2005 als Beauftragter der Bundesregierung für die neuen Bundesländer. Vor seinem Ministerposten war er Oberbürgermeister der Stadt Leipzig.
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Arbeit und Soziales: Olaf Scholz (51), Rechtsanwalt, war nach
seiner kurzen Zeit als Innensenator Hamburgs zunächst SPD-Generalsekretär und Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion. Seit 2007 ist er Bundesarbeitsminister.
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Justiz: Brigitte Zypries (55) ist Justizministerin in der großen Koalition. Zuvor arbeitete sie unter anderem im Bundesinnenministerium, im Niedersächsischen Ministerium für Frauen, Arbeit und Soziales sowie als Staatssekretärin.
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Kultur: In Steinmeiers Team als Beauftragte für Kulturpolitik: Christina Rau, die Witwe des ehemaligen Bundespräsidenten Johannes Rau.
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Mit dabei ist auch die bisherige Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Karin Evers-Meyer.
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Mittelstand: Harald Christ (37), gelernter Industriekaufmann, hat
bei der Deutschen Bank gearbeitet und die HCI Capital AG an die Börse
gebracht. Seit 2003 ist er Inhaber und Chairman der Christ Capital Aktiengesellschaft, seit 2008 Inhaber und Vorsitzender des Vorstandes der CUSTODIA Treuhand und Vermögensverwaltung. Er wurde schon mal als Berliner Finanzsenator gehandelt.
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Landwirtschaft: Udo Folgart (53) ist seit 2006 Vizepräsident des Deutschen Bauernverbands (DBV). 2004 zog der parteilose Politiker für die SPD in den Landtag von Brandenburg ein.
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Neue Medien: Hubertus Heil gehört als Generalsekretär seit November 2005 zur SPD-Spitze. Heil sorgte zuletzt für Schlagzeilen, weil er die RTL-Super-Nanny Katharina Saalfrank für den SPD-Wahlkampf verpflichtete.
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Gesundheitsministerin Ulla Schmidt wird dem Schattenkabinett unter Steinmeier zunächst nicht angehören. Zuletzt hatte eine Dienstwagen-Affäre die Ministerin geschwächt.
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Der Kanzlerkandidat: Frank-Walter Steinmeier hat sein Schattenkabinett zusammen. Knapp zwei Monate vor der Bundestagswahl stellt er sein "Kompetenzteam" vor.
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Familienpolitik anders, sozialer, besser machen
Aber power-voll zupackend wirkt es nicht, wie die SPD-Schattenfamilienministerin da nach der politischen Macht und dem Möchtegern-Posten greift. Leise, in Gestik und Mimik nur auf Standby, versucht Schwesig zu erklären, was sozialdemokratische Familienpolitik anders, sozialer, besser machen will als die populäre amtierende Unions-Vorzeigefrau.
"Wir wollen uns vor allem um die Kinder kümmern, die schon da sind", wendet sie sich dagegen, allein auf Geburten-Statistiken zu starren. Und dann folgen - erstens, zweitens, drittens, viertens - die Punkte aus dem SPD-Wahlprogramm, die für Familien mit Kindern gut sind: Geld, gute Betreuungs- und Bildungsinfrastruktur, Zeit für die Familie und was noch? Ach ja, Punkt vier, familienfreundliches Klima und Arbeitsplätze. Fast hätte man das überhört, weil es schon so oft gesagt wurde. Und weil Manuela Schwesig das SPD-Konzept so artig und mit so wenig kämpferischem Impetus vorträgt.
Sie will nichts falsch machen bei ihrem ersten Auftritt auf rutschigem Berliner Parkett und so klingen ihre Antworten wie von der Festplatte. Erst wenn sie auf ihre ostdeutsche Biographie zu sprechen kommt, hört man die lebhafte Mutter heraus, die mit nur sechsjähriger SPD-Mitgliedschaft bereits eine erstaunliche Karriere hinter sich hat und nun einen gehörigen Sprung nach vorn gemacht hat.
Sichere Unverfänglichkeiten
Aber sie tut sich schwer in der Wahlkampfkontroverse. Zu erklären, wo die wahlentscheidenden Unterschiede liegen zwischen Union und SPD etwa beim Teilzeit -Elterngeld, der geplanten Verlängerung der Vätermonate oder der Gleichstellungspolitik, gelingt ihr nicht gerade mit Verve.
Und auch bei ihrer Position zur umstrittenen Sperrung von Kinderporno-Seiten im Internet gerät sie ins Schlingern und flüchtet in sichere Unverfänglichkeiten wie "Kinderpornographie ist ein schreckliches Verbrechen". Immerhin: sie will Frank-Walter Steinmeier - "ein klasse Typ" - in den nächsten Wochen nach Kräften unterstützen. Schwer vorstellbar nach der ersten Vorstellungsrunde, dass sie ihm auch Paroli bieten würde.
Das Kontrastprogramm zu Schwesig liefert wenig später ein gegen die Union polternder Sigmar Gabriel. Der Umweltminister nutzt die Bundespressekonferenz zum Frontal-Wahlkampf pur. Er präsentiert zwei Studien, von ihm punktgenau in Auftrag gegeben, die den Deutschland-Plan des SPD-Kanzlerkandidaten unterfüttern, indem sie vorrechnen, wie allein in der Umweltbranche gut zwei Millionen Jobs geschaffen werden könnten.