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Thorsten Schäfer-Gümbel: "Ich spiele nie auf Platz"

Kaum jemand kennt den hessischen SPD-Spitzenkandidaten - dennoch rechnet er sich Chancen aus.

Thorsten wer? Schäfer-Gümbel muss sich noch bekannt machen.
Thorsten wer? Schäfer-Gümbel muss sich noch bekannt machen.
Foto: ap

Herr Schäfer-Gümbel, sind Sie so überrascht wie wir, dass Sie Spitzenkandidat der hessischen SPD werden?

Ja, obwohl ich es ein paar Stunden vor Ihnen wusste.

Andrea Ypsilanti wollte nicht mehr antreten, Manfred Schaub hat abgewunken - sind Sie dritte Wahl?

Nein, ich bin der Kandidat der nächsten Generation und damit der Kandidat fürs Durchstarten und für den nächsten Anlauf, Roland Koch abzulösen.

Wie macht sich ein unbekannter Kandidat, der gegen Roland Koch antritt, innerhalb von zweieinhalb Monaten bekannt?

Durch extrem viel harte Arbeit und durch die Unterstützung der gesamten Partei. Das ist sicherlich eine schwere Aufgabe, aber keine unlösbare.

Spielen Sie gegen den hohen Favoriten Koch auf Sieg?

Ich spiele nie auf Platz.

Wie wollen Sie Ihre Partei motivieren, die tief frustriert ist?

Wir werden sicherlich noch eine Zeitlang brauchen, bis wir alle Ereignisse vom vergangenen Montag verarbeitet haben. Es gibt aber auch von vielen die Rückmeldung: Jetzt erst recht. Auf diesen Effekt setze ich. Das, was am vorigen Montag passiert ist, war nicht Ausdruck einer Flügel-Auseinandersetzung in der hessischen SPD, sondern ein unredliches Verhalten von Vieren gegen den Rest. Das ist Vergangenheit, ich kümmere mich um die Zukunft.

Welche Rolle spielt Andrea Ypsilanti in Ihrem Wahlkampf?

Andrea Ypsilanti ist Landes- und Fraktionsvorsitzende. Sie hat mir zugesichert, dass sie mich in diesem Wahlkampf unterstützt. Darüber bin ich froh, weil es ohne sie nicht gehen würde. Andererseits bietet das Personalangebot Thorsten Schäfer-Gümbel die Möglichkeit durchzustarten. Ich werde eigene personelle Vorschläge und eigene inhaltliche Akzente setzen. Das ist das Prä, das ich als Spitzenkandidat habe und auch wahrnehmen werde: Ich beabsichtige, meine eigenen Fußstapfen zu hinterlassen.

Sie haben eng mit Frau Ypsilanti zusammengearbeitet. Stehen Sie nicht genau so für ihren Wortbruch, was ein Bündnis mit den Linken betrifft?

Das Thema Wortbruch trifft die ganze Partei, es gilt für alle Abgeordneten, weil alle mit Ausnahme von Dagmar Metzger entschieden haben, dass wir diesen schwierigen Weg gehen. Von dieser Entscheidung kann sich niemand frei machen. Ich auch nicht, denn das wäre unredlich. Dabei sind auch Fehler gemacht worden. Ziel der Attacken war es, Andrea Ypsilanti kaputtzumachen. Das muss man so hart sagen. Ich bin sehr sicher, dass es den Versuch geben wird, dasselbe Spiel mit mir zu spielen. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir noch entschlossener sagen: Jetzt ist Schluss.

Wie halten Sie es mit der Linkspartei nach der Wahl?

In Anlehnung an James Bond sage ich: Sag niemals nie. Ich glaube, dass wir da alle schlauer geworden sind. Es geht darum, das Maximum an sozialdemokratischen Inhalten umzusetzen. Welche Konstellation das am Ende ist, kann ich Ihnen nicht sagen. Das entscheiden zunächst die Wählerinnen und Wähler. Ich glaube, dass der rot-grüne Koalitionsvertrag eine gute Grundlage ist für den Politikwechsel in Hessen. Daran will ich ausdrücklich anschließen.

Ist eine große Koalition mit Roland Koch ausgeschlossen?

Ich habe es schon gesagt: Sag niemals nie. Aber ganz sicher hat eine große Koalition nicht meine erste Priorität.

Wählen Sie die gleichen Schwerpunkte wie Ypsilanti: Bildung, Umwelt, Soziales?

Unser Programm war sehr überzeugend. Es hat die Bedürfnisse der Menschen angesprochen. Die Themen Bildungsgerechtigkeit, gute Arbeit und Energiewende sind weiterhin brandaktuell. Es wird aber sicherlich Ergänzungen geben. Wir müssen vor allem eine Antwort geben auf die drohende Wirtschaftskrise.

Welches Ergebnis halten Sie für erreichbar bei der Landtagswahl?

Spekulationen helfen uns im Moment nicht weiter, deswegen werde ich dazu keinen Tipp abgeben. Wer allerdings glaubt, dass wir schon erledigt sind, der täuscht sich. Wir lassen uns nicht unterbuttern.

Interview: Pitt von Bebenburg

Datum:  10 | 11 | 2008
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