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Thorsten Schäfer-Gümbel: Vordenker im Hintergrund

Der bislang kaum bekannte Landtagsabgeordnete Thorsten Schäfer-Gümbel gilt als enger Ratgeber von Andrea Ypsilanti

Der 39-jährige Politikwissenschaftler Thorsten Schäfer-Gümbel gehörte in den vergangenen Monaten zu den Ratgebern der hessischen SPD-Chefin Andrea Ypsilanti - und er hatte gewichtigen Anteil an ihrem Wahlerfolg im Januar. Jetzt soll er selbst einen Wahlsieg einfahren.

Als Ypsilanti Anfang 2007 mit dem Wahlkampf begann, war es Schäfer-Gümbel, der eine Kampagne für sie entwickelte. Es ging darum, Mitglieder für die SPD zu werben, denn in seinem Bild von Politik (und in ihrem) sollen viele Menschen mitreden. Er will, wie Ypsilanti, eine Mitgliederpartei SPD. Schäfer-Gümbel setzte auf den Kontrast zwischen CDU und SPD in Hessen und vor allem auf den Gegensatz zwischen Ypsilanti und ihrem Kontrahenten Roland Koch. Jetzt ist Koch Schäfer-Gümbels eigener Gegenspieler.

Der Landtagsabgeordnete aus Gießen ist verheiratet und hat drei Kinder. Er zählt zu den Vordenkern im Hintergrund, den es nun in die vorderste Linie verschlagen hat. So trieb Schäfer-Gümbel das Konzept für eine Internationale Bauausstellung im Rhein-Main-Gebiet voran, die sich Ypsilanti auf die Fahnen schrieb. Eine stärkere Zusammenarbeit in der Region ist dem Mann aus Mittelhessen ein besonderes Anliegen.

Ypsilanti und Schäfer-Gümbel arbeiten eng zusammen und sind miteinander befreundet. Dritter im Bunde ist Gernot Grumbach, ebenfalls ein Ypsilanti-Freund und Vorsitzender des SPD-Bezirks Hessen-Süd. Sein Stellvertreter ist Schäfer-Gümbel. Deshalb nennt die CDU ihn jetzt einen "Jünger" Ypsilantis.

Ein Brückenbauer

In der Tat gilt der Spitzenkandidat als Vertreter des linken Parteiflügels, doch er hat auch sichtbar gemacht, dass er Brücken bauen will. So traf er Ende August mit Vertretern des rechten Parteiflügels zusammen, um sich gegen Angriffe von CDU und FDP auf Ypsilanti zu verwahren. Pikanterweise zählte zu den sechs Unterbezirks-Vorsitzenden, die damals unterzeichneten, auch die spätere SPD-Abweichlerin Carmen Everts.

Schäfer-Gümbel gehört dem Landesparlament erst seit gut fünf Jahren an. In den Koalitionsverhandlungen mit den Grünen wurde sichtbar, dass er noch nicht zur allerersten Garde zählte - denn er gehörte nicht zur neunköpfigen Gruppe der SPD-Vertreter. Umso überraschender kam für Freunde wie Gegner seine Nominierung.

Auch in Ypsilantis Ministerriege hätte der Wirtschafts- und Technologie-Politiker keinen Platz gehabt. Stattdessen strebte er zunächst den Fraktionsvorsitz an - und als dieser Posten für Gernot Grumbach gebucht wurde, der kurzfristig aus dem Ministerkarussell gefallen war, bemühte sich Schäfer-Gümbel um den Job des parlamentarischen Geschäftsführers.

Dafür musste Thorsten Schäfer-Gümbel allerdings deutlich machen, dass er nicht nur dem linken Flügel zuzurechnen war - und demonstrierte gute Kontakte zum wirtschaftsfreundlichen Teil der Partei. Dass er dabei durchaus Erfolg hatte, zeigten die Reaktionen auf seine Nominierung am Wochenende. Gerrit Richter und Nancy Faeser, die Sprecher der "Netzwerker"-Gruppe in der hessischen SPD, lobten den neuen Spitzenkandidaten als "integrativen Kommunikator". Das muss der Mann mit der markanten Brille nun beweisen - weit über seine eigene Partei hinaus.

Autor:  PITT VON BEBENBURG
Datum:  10 | 11 | 2008
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