Die Thüringische Landeszeitung (TLZ) in Weimar ist klein, etwa 41000 Auflage, aber rotzfrech. Manchmal ist sie auch eine Spur zu laut. Ihren Chefredakteur, Hans Hoffmeister (60), kann man beim besten Willen nicht missverstehen. Seine Wochenendkolumne "Das Schlüsselloch" ist zwischen Weimar und Erfurt berüchtigt bis gefürchtet.
Hoffmeister schreibt so, wie andere Leute gerne schimpfen würden. Wenn sie könnten. Hoffmeisters grundsätzliche Sympathie für Ministerpräsident Dieter Althaus und dessen CDU ist schon vor einiger Zeit in Entsetzen umgekippt, was er nicht verschweigt: Der fade Wahlkampf der Althaus-Union mit Schlagersängerin Gerda Gabriel auf der Bühne unter Verzicht auf politische Inhalte ekelt ihn offenbar geradezu an. Althaus wiege und wälze sich im Rennsteiglied. Unangenehm auch, wie Althaus-Freund Dieter Thomas Heck auf der Bühne damit kokettiere, dass er die Althausens duze, Katharina und Dieter.
Die Junge Union habe eine "Anti-Wessi-Schmuddelkampagne" gestartet, CDU-Landesgeschäftsführer Andreas Minschke sei ein "Kampf- und Schmuddelkommandant", schreibt Hoffmeister und nennt das althaussche Thüringen nur noch spöttisch die "Jaaa-toll-Republik".
Nun hat er die Quittung bekommen. In Tolles Thüringen, einer Postille, eine Million mal verteilt und von der Opposition als ebenso plumpe wie verdeckte CDU-Wahlwerbung eingestuft, konnte Hoffmeister auf Seite neun nachlesen, wie die in Umfragen sinkende Althaus-Union wohl die thüringische Presselandschaft einschätzt: TLZ, Thüringer Allgemeine und Ostthüringer Zeitung, alle Teil des Essener WAZ-Konzerns, hätten "aus Sicht politischer Beobachter" die SPD bevorzugt. Viele Leser hätten ihre Abos daher gekündigt.
Und dann wörtlich: "Existenziell gefährlich ist das für die TLZ. Es gibt Mutmaßungen, deren Chefredakteur Hans Hoffmeister arbeite so, damit die TLZ, wenn er aus Gesundheitsgründen abtritt, kaum noch Leser hat." Hoffmeister hat mit Mühe zwei Schlaganfälle überstanden.
So geht es zu in Thüringen, wo Zeitungen und Landtagsopposition sich nach Althaus schlimmem Skiunfall, der eine Frau das Leben kostete, zurückhielten. "Das kommentiert sich doch wohl von selbst", sagt Hoffmeister.