Es sieht aus wie ein Schulflur. Auf einem Schild steht aber: "Dining Area / Essensraum". Tische und Bänke stehen bereit, eine Theke, ein Stapel Teller. Trotzdem ist es ein Schulflur - aber ein verwandelter. Am Mittwoch hat die Deutsche Turnerjugend die Schule am Ried in Bergen-Enkheim übernommen.
Zehn Tage lang hält sie hier ihr Internationales Jugendlager (IJL) ab. Am Donnerstag kamen die ersten Gäste - insgesamt 320 Jugendliche aus Deutschland und aller Welt. Der frühe Beginn zwei Tage vor dem Festauftakt ist nicht etwa ein Fehlstart. "Was wir vorhaben kann man nicht an sieben Tagen erreichen, wir brauchen zehn", sagt Kerstin Schneider.
Die 29-jährige Ärztin ist im Vorstand der Deutschen Turnerjugend zuständig für die Jugendarbeit und Internationales. Beim Jugendlager kommt beides zusammen. Das Ziel: Ein umfassender Austausch der Kulturen. "Dazu müssen wir Orte schaffen, die das ermöglichen", sagt Schneider. Also wuseln die 48 Helfer und zwölf Teamleiter aus allen Teilen der Republik eifrig durch das Schulhaus und richten es gemütlich her. Mit Fähnchen und Flaggen, Turnmatten und Tüchern.
Kein Wunder, dass sich die Gäste auf Anhieb wohl fühlen. Eine Turngruppe aus dem slowakischen Skalica ist schon am frühen Morgen mit dem Bus angekommen. 22 Mädchen und ein Junge haben ihr Matratzenlager eingerichtet und feilen nun an ihren Tanz-Choreografien, die sie auf dem Turnfest vorführen werden. Für die anderen Camp-Teilnehmer haben sie zudem einen HipHop-Tanz-Workshop vorbereitet.
Die 17-jährige Barbara freut sich schon auf das große Kennenlern-Fest am Abend. Ihr erstes Gespräch mit der Frankfurter Presse meistert sie mit Hilfe ihrer Freundinnen, die ihr Vokabeln zurufen. "Es ist eine tolle Erfahrung, in andere Länder zu fahren und neue Leute zu treffen", sagen die Mädchen. Im vergangenen Jahr waren sie schon bei einer ähnlichen Zusammenkunft in Frankreich.
Auch da hat es manchmal mit der Sprache gehakt. Was aber niemanden stört. Wem die Vokabeln ausgehen, der lacht oder verständigt sich mit Händen und Füßen. Damit kennen sich Turner bestens aus.
"Es gibt eine gemeinsame Schnittmenge", findet auch Bernd Anich, der sich um die Pressearbeit des Jugendcamps kümmert. Er ist Turnfest-Veteran, war schon bei fünf Jugendlagern dabei. Anich hat auch Turnfestfreundschaften geschlossen und ist zum Gegenbesuch nach Mexiko gereist. "Der Austausch ist tiefgehender, man hat einen anderen Blickwinkel als ein Tourist."
Zwei Abende sollen die Campbewohner darum bewusst zusammen begehen. Dann steht die Gemeinschaft. "Sie verabreden sich und ziehen gemeinsam los", sagt Kerstin Schneider über das große Fest mit all seinen Programmpunkten. "Turnfest und Schlaf sind zwei Dinge die nicht zueinander passen", sagt dazu einer der Helfer im Vorbeieilen. Irgendetwas Spannendes sei immer zu sehen, findet auch Kerstin Schneider.
Die 14-köpfige Gruppe Amerikaner, die ebenfalls am Morgen eingetroffen ist, bekommt das mit dem Schlaf ganz gut hin. Selig ratzen sie auf ihren Luftmatratzen - Jetlag. Nur Brian ist wach geblieben. Der 22-Jährige sitzt vor der Tür und paukt Deutsch-Vokabeln. "Ich möchte nach der Richtung fragen können oder wo der Zug abfährt", erzählt er.
Brian ist ein bisschen hibbelig. "Ich freue mich, neue Türen zu öffnen, Menschen aus anderen Kulturen zu treffen", erzählt er und seine Augen leuchten. In Amerika ist die Truppe, die sich der Circus-Artistik verschrieben hat, schon weitgereist. Nun möchten sie "weltgewandt werden." Zuhause ist es eben zu normal auf Dauer.
Zumal Brians Heimat, eine Kleinstadt in Illinois, tatsächlich "Normal" heißt. Den Namen hat der Ort von seiner Universität, eine ehemalige "normal-school" - eine Schule die Lehrer ausbildet, also mit Normen ausstattet.
Offener Abend - das Jugendcamp lädt am Montag, 1. Juni, von 20 Uhr an in die Turnhalle der Schule am Ried, Barbarossastraße 65, ein.
Die Orte des Turnfests
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