Islamabad/Teheran · Der pakistanische Innenminister Aftab Ahmed Khan Sherpao berichtete, bei Ausschreitungen in der ostpakistanischen Stadt Lahore seien zwei Demonstranten getötet worden. Augenzeugen sagten, ein Wachmann einer Bank habe das Feuer auf eine gewalttätige Menge eröffnet. Nach dem Vorfall hätten Randalierer ein Restaurant einer US-Imbisskette angezündet. Außerdem seien mehrere Büros in Geschäftsgebäuden, Räume im Provinzparlament und zahlreiche Fahrzeuge verwüstet oder in Brand gesteckt worden.
In Lahore hatten sich etwa 15 000 Menschen versammelt. Demonstranten riefen "Nieder mit Dänemark" und "Nieder mit den USA". Auch in der Hauptstadt Islamabad, wo rund 6000 Menschen demonstrierten, setzte die Polizei Tränengas und Schlagstöcke ein. Die Demonstranten stürmten das Diplomatenviertel, nachdem sie mehrere Polizeisperren durchbrochen hatten.
Deutsche Botschaft angegriffen
In der iranischen Hauptstadt Teheran skandierten dutzende Demonstranten vor der deutschen Botschaft "Ihr seid Faschisten und willfährige Diener des Zionismus". Sie warfen Steine und Feuerwerkskörper auf das Gebäude. Die meisten der Demonstranten waren Studenten einer religiösen Hochschule.
Für Schäden an Botschaften müssen nach den Worten des UN-Generalsekretärs Kofi Annan die jeweiligen Staaten aufkommen, in denen die Übergriffe stattgefunden hätten. "Die Regierungen haben die Verantwortung, solche Dinge zu verhindern. Sie hätten sie stoppen müssen, nicht nur in Syrien und in Iran, sondern überall, sagte Annan am Montag dem US-Sender CNN.
Barroso betont Meinungsfreiheit
EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso äußerte sich erstmals direkt zu dem Karikaturen-Streit. Er sagte der dänischen Zeitung Jyllands-Posten, die die Zeichnungen als erste veröffentlicht hatte, die Meinungsfreiheit sei ein "fundamentaler Wert" in Europa. "Es ist besser, zu viel zu veröffentlichen, als keine Freiheit zu haben."
Die auflagenstärkste iranische Zeitung Hamschahri forderte die dänische Presse auf, sich an ihrem Karikaturen-Wettbewerb zum Holocaust zu beteiligen. "Sowohl die dänische Tageszeitung, die unseren Propheten beleidigt hat, als auch andere dänischen Zeitungen können an unserem Karikaturen-Wettbewerb teilnehmen, um ihre Sünde zu vermindern", sagte Chefredakteur Mohammed-Resa Saeri. Hamschahri befindet sich im Besitz der Stadt Teheran. dpa/rtr