Wiesbaden. So etwas will der hessische Ministerpräsident Roland Koch nicht vor großem Fernsehpublikum erleben. Am Mittwoch griff SPD-Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel ihn, den CDU-Routinier, im hessischen Landtag munter an. Koch führe sich in Sachen Opel auf wie "der letzte Arbeiterführer", habe in der Schulpolitik die zentralen Herausforderungen "nicht gelöst" und so weiter. Koch keilte zurück: "Sie brauchen entweder eine neue Politik oder Sie brauchen weiterhin die Stimmen der Kommunisten."
Es war so etwas wie das erste Duell der beiden Spitzenleute. Doch im Fernsehen wird es ein solches Duell diesmal nicht geben.
Der Hessische Rundfunk hatte sich eine Sendung mit den beiden Spitzenkandidaten kurz vor der Wahl gewünscht. Die SPD sagte zu. Die CDU lehnte ab - "nicht nur, aber auch aus Rücksichtnahme auf die FDP", wie Kochs Generalsekretär Michael Boddenberg an HR-Chefredakteur Alois Theisen schrieb. Schließlich gehe es "um Mehrheitskonstellationen".
Welche anderen Gründe sich hinter dem "nicht nur" verbergen, verriet der CDU-Mann nicht. Man kann sie sich leicht denken. Für einen unbekannten Herausforderer ist ein solcher Auftritt eine Chance, für einen etablierten Amtsinhaber ein Risiko. Koch berichtet seit langem von Menschen, die ihm erklärten, er sei in Wirklichkeit viel sympathischer als im Fernsehen. Schäfer-Gümbel unkte im Landtag, man mache zwar keine Neuauflage von "Germany's next Topmodel". Er sei aber sicher: "Diesen Wettbewerb würde ich gegen Herrn Koch gewinnen."
Die SPD reagierte verärgert auf Kochs Absage. "Der Verweis auf die FDP ist dummes Zeug und soll nur die wahren Motive verschleiern", empörte sich SPD-Generalsekretär Norbert Schmitt. Koch meide die Auseinandersetzung, weil er "mit seiner alten Politik gegen den Neuanfang, den Thorsten Schäfer-Gümbel verkörpert, nicht punkten" könne.
Vor einem knappen Jahr hatte sich Koch noch auf ein Duell eingelassen. Es war das erste TV-Duell in der hessischen Geschichte, das mit bundesweit 1,5 Millionen Zuschauern eine gute Resonanz fand. Damals hieß Kochs SPD-Herausforderin Andrea Ypsilanti. Die konnte mit ihrem Auftritt punkten und fuhr eine Woche später ein überraschend gutes Wahlergebnis ein.
Nun wird es nach HR-Angaben zwei Runden am 8. und 15. Januar geben, an denen sich die Spitzenvertreter aller fünf Landtags-Parteien beteiligen können. Beim vorigen Mal waren daran nur vier Parteien beteiligt. Nach dem Einzug der Linken in den Landtag lädt der Sender auch deren Vertreter ein.
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung handhabt das anders. Sie lädt zu ihren vier öffentlichen Foren vor der Landtagswahl alle Parlamentsparteien außer der Linken ein. Man habe sich "vom linken wie vom rechten Rand" immer distanziert, sagte Peter Lückemeier, einer der beiden FAZ-Lokalchefs, zur Begründung. Seine Zeitung entscheide selbst, wen sie zu sich ins Haus einladen wolle. Linken-Landeschef Ulrich Wilken sprach von einer "Ausgrenzungspolitik", die er "skandalös" finde.

Die Stadt und Region auf einen Blick: unsere neue Übersichtsseite für Frankfurt und Rhein-Main - das Pflicht-Lesezeichen für alle Hessen.
Berichte aus Bad Homburg, Hochtaunus | Bad Vilbel, Wetterau | Darmstadt | Frankfurt | Kreis Groß Gerau | Hanau, Main-Kinzig | Main-Taunus | Mainz | Offenbach | Kreis Offenbach | Wiesbaden.
Von Wiesbaden über Frankfurt bis Hanau - Die Stadt und die Region auf einen Blick
Offenbach bangt um einen großen Arbeitgeber: Die Krise beim insolventen Druckmaschinen-Hersteller Manroland.
Facebook | Twitter überregional | Google+