Die Schieflage der Diskussion, die sich rund um die Salzburger Eröffnungsrede von Daniel Kehlmann entzündet hat, zeigte sich gestern Abend auch in Andreas Ammers Festspiel-Dokumentation "Die Kunst, die Hysterie und ein wenig Schmäh". Zu kulturüblich nachtschlafender Zeit war sie in der ARD zu sehen. Wer darauf wartete, konnte stundenlang Fußball gucken und sich mit Wortwitz aus dem Bereich Auto ("Ulla Schmidt steigt aus, Schumi steigt ein") traktieren lassen.
Als "Die Kunst " angefangen hatte, verging zuerst einige Zeit mit Ben Becker als Jedermann-Tod und den Hüftproblemen von Peter Simonischek als Jedermann selbst. "Die Leute sagen: Sie hatschen ja", sagte Simonischek gemütlich. Schauen Sie hierzu bei Bedarf in Ihren Duden. Christian Stückl als Jedermann-Regisseur zeigte sich begeisterungsfähig, gab allerdings zu Protokoll: "Aber alt werden will ich nicht mit dem Jedermann."
Und erst nachdem die Zuschauer weit länger gewartet hatten als Sie jetzt, gab es einen Ausschnitt aus der Kehlmann-Rede. Man hörte schön, wie es im Publikum auflachte, als der Schriftsteller das Beispiel mit dem ständigen Spaghettiessen auf der Bühne brachte. Als es um das "Gezucke und routiniert hysterische Geschrei" im Regietheater ging, zeigte Andreas Ammer einige Bilder aus Sebastian Nüblings Salzburger "Judith"-Inszenierung, die soeben Premiere hatte: Das, so Ammer, sei aber das einzige Mal, dass es bei den Festspielen diesmal "Gezucke und Geschrei" gebe. Später gab es Probenbilder von Mozarts "Così fan tutte" unter der Regie von Claus Guth. Von Regietheater keine Spur, erklärte Ammer nun ironisch beruhigend. Das Bühnenbild sei zudem so schick, dass es wohl genau dem entspreche, was sich die Salzburger unter Moderne vorstellten.
Freund und Feind