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Uniklinik Gießen-Marburg: Zu wenig Zeit für Medizin-Studenten

Die Kritiker der Klinik-Privatisierung sehen sich von Urteil des Wissenschaftsrat bestätigt - die Befürworter ebenfalls. Von Jutta Rippegather

Die Privatisierung der Uniklinik Gießen-Marburg war nach Auffassung von Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) richtig. Dies habe die Anfang der Woche veröffentlichte Stellungnahme des Wissenschaftsrats bestätigt. Anders liest Notruf 113 das Papier - eine Bürgerinitiative, die über die Folgen der Konzernmedizin aufklären will. Ihr Fazit: So positiv ist das Urteil nicht.

Vor vier Jahren hatte das Land Hessen die beiden fusionierten Kliniken an den Rhön-Konzern verkauft. Sei der bundesweit ersten Privatisierung einer Uniklinik sind immer wieder Klagen über Qualitätsmängel bei der Patientenversorgung zu hören. Studenten hatten der FR berichtet, dass die Ärzte wegen der hohen Arbeitsbelastung auch zu wenig Zeit für sie hätten.

Kein Wunder, meint Notruf 113. Der Wissenschaftsrat habe einen auffälligen Anstieg an Studierenden pro Professor konstatiert. 41,2 Studenten auf einen Lehrenden. Bis 2008 habe das Verhältnis noch bei 27,1 gelegen, der Bundesdurchschnitt 2004/2005 bei 21. Dies erkläre das "äußerst negative Ergebnis" beim CHE-Ranking der Unikliniken. Der Wissenschaftsrat sehe die Leistungsverdichtung als "Gefahr für die wissenschaftliche Arbeit" an. Auch kritisiere er, dass der Rhön-Konzern bei der Personal-Bedarfsplanung in einem Benchmarking sein nicht-universitäre Haus in Frankfurt/Oder als Vergleich herangezogen habe. "Ausdrücklich stellt der Wissenschaftsrat einen Eindruck der Willkür fest, der zur Verunsicherung der Mitarbeiter beigetragen habe", so Notruf 113.

Ministerin und Klinikleitung hingegen heben in einer Pressemitteilung das Lob des Gremiums für die Investitionen hervor, zu denen sich Rhön im Kaufvertrag verpflichtete. Geschäftsführer Josef Rohrer sieht sich bestätigt, dass die Arbeitsverdichtung mit der an anderen Unikliniken vergleichbar sei. Ein "hervorragendes Zeugnis" jubelt Rhön-Vorstandschef Wolfgang Pföhler, der gerne weitere (Uni-)Kliniken hinzukaufen würde. "Das zeigt, dass das Zusammenspiel von Wissenschaft, guter Medizin und Ökonomie gelingt", so Pföhler.

Der Wissenschaftsrat hatte freilich betont, dass es noch zu früh für eine abschließende Stellungnahme sei. Frühestens in fünf Jahren soll es die nächste Begutachtung geben. Auch ändert sich im nächsten Jahr einiges: Vom 1. Januar an sind betriebsbedingte Kündigungen möglich, muss die Klinik die Bauinvestitionen selbst erwirtschaften.

Autor:  Jutta Rippegather
Datum:  14 | 5 | 2010
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