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Ursula Jungherr: Die Unnahbare

Die unterlegene Ursula Jungherr hatte offenbar die Nähe zu den Menschen auf der Straße verloren. Sie regierte nur aus dem vierten Stock, warfen ihr Kritiker vor.

Hat am 18. September 2009 ihren letzten Arbeitstag als OB von Bad Homburg: Ursula Jungherr.
Hat am 18. September 2009 ihren letzten Arbeitstag als OB von Bad Homburg: Ursula Jungherr.
Foto: Schick

Sie trug sie auch an diesem Abend - die Brosche, die ihr Vater bei einem Goldschmied für sie hat anfertigen lassen. Ein Schmuckstück für die Tochter zu jedem Ereignis auf der Karriereleiter.

Abitur, juristisches Staatsexamen, Doktorarbeit. Das war die Form der Anerkennung von hervorragenden Leistungen im Heidelberger Haushalt der Familie Jungherr. Von dort aus brach die heute 62-Jährige nach einem Intermezzo als Richterin in Baden Württemberg auf, die Bad Homburger Stadtpolitik zu erobern.

Wie bei Frauen ihrer Generation üblich, folgte sie zunächst dem Berufsweg des Ehemannes in die Kurstadt und zog zwei Söhne groß. Die sind längst erwachsen und studieren. 1989 fing Jungherr an, sich in der CDU - zunächst als Stadtverordnete, später als deren Vorsteherin ehrenamtlich zu engagieren. Sie wurde zur Stadträtin gewählt, später zur Kämmerin, am 18. Dezember 2003 per Direktwahl zu Oberbürgermeisterin der Stadt.

Dabei konnte sie taktisch geschickt nutzen, dass die Wahl ihres von außerhalb in die Stadt geholten Vorgängers Reinhard Wolters für ungültig erklärt worden war. Damals erhielt sie bei vier Gegenkandidaten bereits im ersten Wahlgang 51,7 Prozent der Stimmen.

Die politische Welt schien also aus Sicht der 61 Jahre lang dominierenden CDU in bester Ordnung. Jungherr galt und gilt als genaue Kämmerin, sie hatte und hat die Finanzen der Stadt fest im Griff. Keine Schulden, immer flüssig für große Investitionen. Die Kulturliebhaberin machte auch in der Region an der Seite von Parteifreundin Petra Roth immer eine repräsentable Figur.

Doch immer mehr verlor sie offenbar die Nähe zu den Menschen auf der Straße, in den Stadtteilen. Sie regiere nur aus dem vierten Stock, sagten Kritiker. Bürgerinitiativen nahm sie, die Juristin, die an dem für einmal für richtig empfundenen eisern festhielt, nicht früh genug ernst. Der 18. September wird nun also ihr letzter Arbeitstag im Rathaus sein.

Autor:  Martina Propson-Hauck
Datum:  12 | 5 | 2009
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