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US-Wahlen: John Updike und seine Romanhelden

Der US-Schriftsteller John Updike spricht im Interview über seine Vorliebe für Obama und warum es ihm schwer fallen würde, eine Figur zu erfinden, die für McCain ist.

Ich bin so sehr für Obama ...
"Ich bin so sehr für Obama ..."
Foto: dpa

Wie würde Ihr Romanheld Rabbit Angstrom, der ja aus dem wichtigen Swing State Pennsylvania kommt und sich vom überzeugten Demokraten zum Ronald-Reagan-Anhänger wandelte, den derzeitigen Wahlkampf beurteilen?

Ich bin so sehr für Obama, dass es mir ausgesprochen schwer fallen würde, eine Figur zu erfinden, die für McCain ist. Rabbit würde wohl McCains gute Seiten erkennen. Er könnte sehr gut nachvollziehen, dass McCain unter seinen Kriegserlebnissen leidet und welche Schwierigkeiten er mit dem rechten Flügel seiner eigenen Partei hat. Rabbit, der selbst ein großes Freiheitsbedürfnis hat, würde sehen, welchen Zwängen McCain ausgesetzt ist. Von den beiden Kandidaten scheint Obama der Freiere zu sein. Aber zum Glück schreibe ich nicht mehr über Rabbit, also muss ich auch nicht mehr darüber nachdenken, wie er sich verhalten würde. Pennsylvania ist interessant, weil es eine Menge Wahlmännerstimmen stellt. Bis ich von dort wegzog, war mir übrigens nicht klar, wie konservativ Pennsylvania wirklich ist. Meine Generation hat sich damals nicht viele Gedanken gemacht und unterstützte das Abtreibungsverbot und alle möglichen anderen Hinterwäldler-Ideen. Aber vielleicht trifft das auch mehr auf den Westen des Staates zu und nicht so sehr auf den Osten, wo ich herstamme.

Bei Ihnen zuhause war man demokratisch eingestellt und unterstützte Roosevelt und seinen New Deal, stimmt das?

Richtig. Mein Großvater gehörte noch zu den Demokraten, die gegen Lincoln waren. In Pennsylvania gab es diese sehr ländliche Ausprägung von Demokraten, ganz im Geiste von Andrew Jackson. Mein Vater dagegen stammte aus New Jersey und war Republikaner, wählte dann aber, als er arbeitslos und arm war, Roosevelt. Meine Eltern haben dann stets die Demokraten gewählt, und ich tat es ihnen mehr oder weniger nach. Für mich sind die Demokraten diejenigen, die zumindest versuchen, das Gleichgewicht zu erhalten, auch wenn das nicht immer möglich ist. Aber ich glaube, dass sie mehr Verständnis haben für die Benachteiligten einer Gesellschaft, und die meisten von uns sind mehr oder weniger benachteiligt.

Ich glaube, Sie haben mal gesagt, dass Bill Clinton wirklich auf die Leute persönlich eingehen konnte und ihnen das Gefühl vermittelte, jeden einzelnen so zu sehen und zu akzeptieren, wie er ist. Hat Barack Obama, der ja eher etwas distanzierter wirkt und fast ein bisschen an Kennedy erinnert, eine ähnliche Qualität?

Ich glaube schon. Natürlich hat er einen anderen Hintergrund; er ist in den schwarzen Vierteln von Chicago aufgewachsen. Aber ich glaube, er kann sich gut in andere Menschen hineinversetzen und ist ein sehr vielseitiger Mann. Wir lesen viel über ihn und darüber, wie er während seiner Zeit als Leiter der Harvard Law Review sich den Konservativen gegenüber offen gezeigt hat. Ich glaube, er ist ein sehr offener Mensch, der wirklich wissen will, was und wie andere Menschen denken. Das merkwürdige Kunststück, das Reagan vollbrachte, bestand darin, dass er einem relativ armen Mann das Gefühl gab, reich zu sein und dass auch er von der wirtschaftsliberalen Politik profitieren könne, und so konvertierten damals viele zu den Republikanern. Jetzt ist es schwer, das wieder rückgängig zu machen. Ich bin natürlich wie alle gespannt, was bei der Wahl herauskommen wird. Unser Land hat eine konservative Seite und auch eine rassistische Seite, die Obama, für den in meinen Augen viel Positives spricht, vielleicht noch ein Bein stellen könnte.

Interview: Sam Tanenhaus

Das Interview übersetzte Andrian Widmann.

Datum:  4 | 11 | 2008
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