kalaydo.de Anzeigen

Versorgungsmängel am Rhön-Klinikum: Allein mit dem Schwerkranken

Die betroffene Edith Becker über Folgen des Personalmangels am Rhön-Klinikum Marburg.

Edith Becker (72) erlebte bei der Behandlung ihres Mannes Versorgungsmängel im Rhön-Klinikum.
Edith Becker (72) erlebte bei der Behandlung ihres Mannes Versorgungsmängel im Rhön-Klinikum.
Foto: privat

Mein Mann war schwer herzkrank und litt unter Blutarmut. Bei einer Untersuchung stellte der Arzt einen Darmtumor fest. Weil wir kein Vertrauen zu dem Marburger Rhön-Universitätsklinikum haben, entschieden wir uns für eine Operation am Klinikum Frankfurt-Höchst. Die erfolgte am 31. Januar 2008. Einen Monat später wurde mein Mann entlassen. Wir waren mit der Behandlung dort sehr zufrieden.

Am 25. Februar klagte mein Mann abends über extreme Bauchschmerzen. Später musste er auch erbrechen. Am Morgen wies der Notarzt ihn ins Marburger Universitätsklinikum ein, wo wir gegen 10 Uhr ankamen. Derjenige, der uns zuerst betreute - es stellte sich dann heraus, dass es ein Pfleger war - fragte uns, nachdem er den Brief angeschaut hatte: "Warum sind Sie denn jetzt nicht nach Frankfurt gefahren?"

Dann bekam mein Mann zwei Infusionen Novocain, ein starkes Schmerzmittel, um den Bruch ohne Operation zu behandeln. Zwei Ärzte versuchten vergeblich, den Darm zurückzudrücken. Während der Infusion und der gesamten Zeit in der Notaufnahme, war ich mit meinem Mann alleine in einem Behandlungsraum. Er hat sehr stark erbrochen. Als ich im Flur einen Pfleger um Hilfe bat, bekam ich Brechschalen und Papier in die Hände gedrückt. Da war eine Mordshektik. Ansonsten kümmerte sich niemand um uns. Etwa um 13.30 Uhr bekam mein Mann eine Magensonde gelegt.

Anschließend wurde sehr schnell die Operation angesetzt. Der Pfleger bat mich, ihm beim Umziehen und den anderen Vorbereitungen zu helfen, da er alleine mit meinem Mann war. Später habe ich auf Bitten des Pflegers auch die Sachen meines Mannes auf die Station gebracht, auf die mein Mann nach der OP kommen sollte. Dort bekam ich nur die Zimmernummer genannt. Den Krankenstuhl brachte ich dann, so wie gebeten, in die Notaufnahme wieder zurück.

Am Tag nach der Operation besuchte ich meinen Mann am frühen Nachmittag. Er saß zitternd in einem Stuhl. Er sagte, man habe ihm gesagt, er sollte etwa eine halbe Stunde sitzen. Zwischenzeitlich waren fast 2 Stunden vergangen, obwohl Mitpatienten die Schwestern erinnert hatten.

Mein Mann hatte weder seine Brille noch seinen Zahnersatz zu diesem Zeitpunkt. Ich konnte ihn auch nicht per Waschlappen erfrischen. Gegen 11 Uhr war er von der Intensivstation auf die Station verlegt worden. Doch aus Zeitmangel war das Personal erst gegen 18 Uhr in der Lage, seine persönlichen Dinge von der Intensivstation eine Etage höher zu holen. Und das auch nur, nachdem meine Tochter das sehr energisch gefordert hatte.

An diesem Tag hatte mein Mann morgens in der Intensivstation bereits ein leichtes Frühstück (Brei und Joghurt) bekommen. Zum Mittagessen bekam er auf der Station nichts zu essen, da, wie man ihm sagte, er noch nichts essen dürfe. Am nächsten Tag war ich etwa gegen 18 Uhr bei ihm, als Fieber gemessen wurde. Eine Schwester - es stellte sich heraus, eine Praktikantin - maß nur zwei Patienten in dem Vierbettzimmer. Sie hatte keine Unterlagen, keine Kurven dabei.

Temperatur nicht überwacht

Mein Mann fragte, ob bei ihm nicht gemessen würde, zumal er mittags 38 Grad gehabt hatte. Die Antwort der Pflegerin: "Ach, Sie sind das." Es wurde also bei einem Frischoperierten nicht die Temperatur überwacht.

Erstaunt waren wir auch, dass mein Mann am vierten Tag nach der Operation entlassen wurde, zumal der Arzt bei der ersten Visite nach der Operation die Entlassung frühestens für Anfang der folgenden Woche in Aussicht gestellt hatte. Mein Einwand, dass mein Mann ein 80-Jähriger und doch sehr geschwächt und keine 20 mehr sei, kommentierte eine Ärztin mit dem Satz: "Auch wenn wir Ihren Mann noch zehn Tage hierbehalten, wird er nicht wieder 20."

Im vergangenen Herbst starb mein Mann. Der Tod hat nichts mit dem Klinikum zu tun.

Aufgezeichnet von Jutta Rippegather

Datum:  26 | 10 | 2009
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Regionale Startseite
Ressort

Von Wiesbaden über Frankfurt bis Hanau - Die Stadt und die Region auf einen Blick


Nachrichten aus Frankfurt und Rhein-Main

Spezial
Beschäftigte des Druckmaschinen-Herstellers Manroland demonstrieren vor der Allianz-Niederlassung in Frankfurt. Allianz und MAN haben dem angeschlagenen Konzern den Geldhahn zugedreht.

Offenbach bangt um einen großen Arbeitgeber: Die Krise beim insolventen Druckmaschinen-Hersteller Manroland.

Anzeige

Top Stellenangebote

Anzeige

 

Staumelder

Staumelder 92 Staus mit einer Gesamtlänge von 447km
Zu den Staumeldungen
Social Media
Unser Twitter-Ticker für Frankfurt und Rhein-Main.

 

Facebook | Twitter überregional | Google+
Was bedeutet das hier? FR@Social Media!
Glosse
        

Da steht sie auf ihrem Brunnen in der Klappergasse.

Jeden Tag gibt's nun eine kurze Glosse zu unglaublichen Geschichten aus dem Frankfurter Alltag zu lesen.

 

Eintracht Frankfurt
Im März 2010 war Bastian Oczipka von Bayer zum FC St. Pauli ausgeliehen.
Linksverteidiger 
Turkish Airlines ist als Sponsor im Gespräch.
Eintracht Frankfurt 
        

In seinen Hochzeiten auch Eintracht-Kapitän: Chris.
Eintracht Frankfurt 
Eintracht Frankfurt zieht Bilanz 

Frankfurter Rundschau im Abo