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Vorschau auf die Berlinale: Es bleibt politisch

... doch künstlerisch hatte die Berlinale schon mehr zu bieten: Das Festival wird 60 - und die "Bären" gelten international immer weniger. Von Daniel Kothenschulte Interaktive Grafik: Die Berlinale 2010

Im Wettbewerb um die Berlinale-Bären dominieren in diesem Jahr private Themen.
Im Wettbewerb um die Berlinale-Bären dominieren in diesem Jahr private Themen.
Foto: Getty

Der Krieg war kalt, aber Berlin war warm. Die erste Berlinale fand in einem heißen Juni des Jahres 1951 statt, und ihren amerikanischen Erfindern konnte es nicht schnell genug damit gehen. Kaum dass die Pläne für ein Filmfestival bekannt geworden waren, hatte man nämlich im Osten die Weltjugendspiele der FDR angekündigt. Oscar Martary, der US-Filmoffizier, ließ sich ungern überholen. Die Berliner Filmfestspiele, kündigte er an, sollten ein "Gegen-Event werden für die Ostberliner und die Jugend der Ostblockstaaten". Die Menschenmenge, die schließlich vor dem Festivalkino die "Hölle losbrechen ließ", wie eine Journalistin berichtete, dürfte dennoch hauptsächlich aus Berlinern bestanden haben. Sie bejubelten ehemalige Ufa-Stars wie Olga Tschechowa, Winnie Marcus, Theo Lingen und Carl Raddatz. Bürgermeister Reuter sprach das Grußwort und nannte seine Stadt "eine Oase der Freiheit und Unabhängigkeit, umgeben von einem System aus Gewalt und Unterdrückung, das die Kunst zum Zwecke der Propaganda missbraucht". Nur gut, dass man selbst nie auf solche Gedanken gekommen wäre.

Derart fröstelnde Ansprachen wird es bei der 60. Berlinale, die am Donnerstag beginnt, nicht geben, so viel ist sicher. Dafür sprechen heutige Festivaldirektoren ein viel zu gutes Englisch: "Happy Bärsday, Berlinale" ist Dieter Kosslicks Slogan zum Jubiläum. Aus dem einstigen Propaganda-Festival ist ein politisches Filmfest geworden - nicht, weil es das musste, sondern weil die Macher es wollten. In diesem Jahr wirkt das Politische möglicherweise etwas weniger als sonst, im Wettbewerb dominieren private Themen - aber warten wir ab.

Viel hat sich getan seit den Anfängen der Berlinale, als der italienische Regisseur Curzio Malaparte bei seiner Ankunft gleich ein graviertes Messingschild auf den Tisch legte mit der Aufschrift: Großer Preis der Berliner Filmfestspiele für Curzio Malapartes "Verbotener Christus". Dass er den Preis dennoch nicht gewonnen hat, ist fast ein Wunder. Am Ende wurden ja gleich fünf goldene Statuetten vergeben, zwei davon an den nicht anwesenden Walt Disney, für "Cinderella" und den Vorfilm "Im Tal der Biber". Als Publikumsfestival verstand sich die Berlinale schon damals. Wirklich international aber wurde sie erst in der Folge von Willy Brandts Ostpolitik. Erst 1974 gab es einen sowjetischen Wettbewerbsbeitrag, ein Jahr später sogar einen aus der DDR ("Jakob der Lüger" von Frank Beyer).

Dabei waren die Berliner immer aufgeschlossen gegenüber neuen Strömungen: Die Macher der französischen Nouvelle Vague - allen voran Regisseur Godard und Darsteller Belmondo - reüssierten hier erstmals international, ebenso wie der sogenannte "Schwedenfilm": Der für seine Zeit freizügige Liebesfilm "Sie tanzte nur einen Sommer" gewann 1952, sechs Jahre darauf Bergmans Meisterwerk "Wilde Erdbeeren". Nahezu alle Gewinner des ersten Jahrzehnts sind heute bekannte Klassiker. Und wie sah es in den letzten Jahren aus?

Stars und Skandälchen - 60 Jahre Berlinale

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