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Vorwürfe gegen Frankfurter Imam: Rat der Religionen ist besorgt

Die Affäre um den Imam der Hazrat-Fatima-Gemeinde weitet sich aus: Der Frankfurter Professor Micha Brumlik kritisiert die Teilnahme Türkyilmaz' an Al-Quds-Demonstrationen. Mit dem Imam beschäftigt sich jetzt der städtische Rat der Religionen. Von S. Schmidt-Lüer und C.Topçu

Sebahattin Türkyilmaz ist Imam der Hazrat-Fatima-Gemeinde, die derzeit in Hausen eine Moschee baut.
Sebahattin Türkyilmaz ist Imam der Hazrat-Fatima-Gemeinde, die derzeit in Hausen eine Moschee baut.
Foto: FR/Andreas Arnold

Die Auseinandersetzung um den Imam der Hazrat-Fatima-Gemeinde ist ein Thema für den Frankfurter Rat der Religionen, sagt Micha Brumlik. Der Frankfurter Professor für Erziehungswissenschaften zählt zu den Erstunterzeichnern eines Aufrufs gegen den Al-Quds-Tag am 21. Oktober 2006 in Berlin: "Aufruf gegen Islamismus, Judenhass und Vernichtungsdrohungen gegen Israel. Für Demokratie und Menschenrechte im Iran" ist dieser überschrieben.

An umstrittenen Al-Quds-Demonstrationen hat Sebahattin Türkyilmaz teilgenommen. Wer genau die Veranstalter seien, habe er nicht gewusst, erklärte der Imam im Gespräch mit der FR. Ausschlaggebend für seine Teilnahme sei der Anlass des Protestmarsches gewesen, nämlich gegen die Besetzung palästinensischer Gebiete durch Israel zu demonstrieren.

Sondersitzung des Rats der Religionen

Ob man auf Al-Quds-Demonstrationen auftreten sollte, bezeichnet Brumlik als Thema für den Rat der Religionen. Er selbst ist der Meinung, dass man dort nicht auftreten sollte. Brumlik will dabei "nicht in Abrede stellen", dass es kritikwürdig ist, "wie der israelische Staat Ostjerusalem annektierte und auch jetzt noch dort siedelt". Es sei die Frage, ob die Teilnahme an der Al-Quds-Demonstration als "antisemitisch zu bewerten" ist: "Es gibt immer einen Aufruf zu der Demonstration, man weiß, welche Gruppen dahinter stehen."

Die Haltung des integrationspolitischen Sprechers der CDU, Thomas Kirchner, ein Antisemit solle nicht bei der Grundsteinlegung für eine Moschee dabei sein, hält Brumlik für richtig. Er rät, "die Gelegenheit beim Schopfe zu nehmen, um über das Thema der politischen Hisbollah und der Hamas in Deutschland und auch in Frankfurt zu sprechen".

Der Vorstand des Rats der Religionen, einem Gremium aus Vertretern von neun Religionsgemeinschaften, kam Donnerstagabend zu einer Sondersitzung zusammen, um sich mit den Anschuldigungen gegen Imam Türkyilmaz und Ünal Kaymakçi als Generalsekretär der Hazrat-Fatima-Gemeinde zu befassen. Im Vorfeld gab Ratsvorsitzender Athenagoras Ziliskopolous eine persönliche Erklärung ab: "Ich bin besorgt ob der Vorwürfe und bedauere, dass die Gemeinde in Verruf gerät. Bisher war die Hazrat-Fatima-Gemeinde sehr transparent."

"Tod, Tod Israel"

Zu der Kritik von Kaymakçi, dass in dem am Sonntag gesendeten HR-Beitrag Bilder von zwei unterschiedlichen Demonstrationen gezeigt und damit gezielt falsche Aussagen transportiert würden, sagt HR-Pressesprecher Tobias Häuser: "In den Beitrag hat sich ein Fehler eingeschlichen. Dies ist ärgerlich, ändert aber nichts an dem Inhalt des Beitrags." Dieser zeichne sich nicht durch Polemik, sondern durch gute Recherche aus. Von Hetze und Schmutzkampagne könne nicht die Rede sein.

Die defacto-Redaktion erklärt auf FR-Anfrage: "Bei der einen gezeigten Demonstration vom 12. August 2006 handelt es sich nicht um die jährliche Al-Quds-Demonstration zur ,Solidarität mit der leidenden Bevölkerung in Palästina´, sondern um eine Demonstration gegen den Einmarsch Israels im Südlibanon. Diese Demonstration ist von uns versehentlich als eine Al-Quds-Demonstration bezeichnet worden." Auf diesen Bildern sei Türkyilmaz mit weiteren Demonstrationsteilnehmern zu sehen. "Und die Menge skandiert immer wieder: "Tod, Tod Israel", schreibt die defacto-Redaktion. "Unter welchem Motto die Demonstration stattfinde sei nicht von wesentlicher Bedeutung, es ist viel wesentlicher, was im Bild tatsächlich passiert."

Autor:  Susanne Schmidt-Lüer und Canan Topçu
Datum:  12 | 2 | 2010
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