Der Druck auf den Geistlichen der Hazrat-Fatima-Gemeinde wächst. Imam Sebahattin Türkyilmaz, der an den umstrittenen Al-Quds-Demonstrationen in Berlin teilgenommen hat, wird des Antisemitismus beschuldigt. Türkyilmaz und die schiitische Gemeinde, in der er seit einem Jahr beschäftigt ist, werden aufgefordert, "keine Fragen mehr offen zu lassen". Es seien "schwerwiegende Vorwürfe", die gegen den Imam erhoben werden, erklärte der Rat der Religionen am Tag nach einer außerordentlichen Sitzung. Die in einem Magazinbeitrag des HR-Fernsehens formulierten Anschuldigungen müssten "lückenlos und zweifelsfrei" ausgeräumt werden.
Mehr als vier Stunden tagte das Gremium am Donnerstagabend. Der Vorstand machte sich ein Meinungsbild zu dem im Fernsehbeitrag formulierten Aussagen über Türkyilmaz und gab am Freitag eine Erklärung ab: "Im Blick auf die jährlich stattfindenden Al-Quds-Demonstrationen in Berlin teilt der Rat die Einschätzung, dass diese in Inhalt und Intention antisemitisch sind und das Existenz recht Israels in Frage stellen." Daher lehne das Gremium die Teilnahme an diesen Demonstrationen ab.
Im Vorstand des Rat der Religionen ist auch Ünal Kaymakçi. Der Generalsekretär der schiitischen Gemeinde, die in Hausen eine Moschee baut, sagt im FR-Interview, dass er "seinem Imam vertraue". Der Vorstand der Moscheegemeinde habe sich in einer langen Unterredung mit Türkyilmaz davon überzeugen können, dass die Vorwürfe unberechtigt sind.
"Ich bin in großer Sorge um den guten Ruf der Hazrat-Fatima-Gemeinde", sagte Ilona Klemens, Beauftragte für den interreligiösen Dialog beim evangelischen Stadtdekanat. "Ich habe ein großes Problem damit, dass Herr Türkyilmaz an den antisemitisch einzuordnenden Quds-Demonstationen teilgenommen hat", erklärt die Pfarrerin. Sie werde das persönliche Gespräch mit dem Imam suchen und ihre Positionen sehr deutlich machen. Die Frage, ob mit Türkyilmaz der interreligiöse Dialog fortgeführt werden könne, sei jetzt noch nicht beantwortbar.
Klare Trennlinie ziehen
Noch unklar ist auch, wie das Amt für multikulturelle Angelegenheiten (AmkA) mit dem "Fall Türkyilmaz" umgeht. Der schiitische Geistliche ist Teilnehmer der Imamfortbildung, die das AmkA im Januar gestartet hat. Das nächste Treffen der Imame findet am 22. Februar statt.
Die weitere Vorgehensweise hänge von der Beantwortung offener Fragen ab, wie etwa die, ob Türkyilmaz in Berlin tatsächlich einer "ziemlich abgeschotteten Gemeinde" vorstand, erklärte Amtsleiterin Helga Nagel.
Integrationsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg betonte, dass es unredlich sei, Frankfurter muslimischen Glaubens mit radikalen Kräften gleichzusetzen. Doch sei es auch an den Gemeinden, von sich aus konsequent und öffentlich "klare und eindeutige Trennlinien zu ziehen" und schon dem Anschein von Fundamentalismus aktiv entgegenzutreten.

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