Alexander Unrath ist stolz, als habe er selbst eine Wahl gewonnen. Der 23-jährige Soziologiestudent ist Sprecher der Grünen Jugend Bad Homburg und bereits am Mittag nach der Wahl wieder ansprechbar.
Dass es nun "mehr Bürgernähe und mehr Transparenz" in der Stadtpolitik geben werde, hat Alexander Unrath noch in der Wahlnacht gegen zwei Uhr in die Redaktionsstuben gemailt.
Mit ganz ungewöhnlichen Wahlkampfaktionen haben mehr als 20 junge Leute aktiven Wahlkampf für und mit Michael Korwisi gemacht. "Ich denke, dass vor allem junge Leute und Mitglieder der beiden Bürgerinitiativen den Ausschlag für den hohen Wahlsieg Korwisis gegeben haben", sagt der Grüne.
Den hohen Grad an Wähler-Mobilisierung zeigt die Tatsache, dass zur Stichwahl mehr Menschen die Wahllokale aufgesucht haben als noch beim ersten Wahlgang. Gewöhnlich ist das immer umgekehrt.
Junge Leute würden sich ja gemeinhin nicht besonders für Kommunalpolitik interessieren, glaubt Unrath und meint damit natürlich die anderen jungen Leute. Er will, dass das anders wird. Michael Korwisi wollte das auch. Der habe "sehr gut zugehört, was wir hier in der Stadt eigentlich wollen und fand das auch gut", sagt der Grünnen-Sprecher.
Als Wahlkampfunterstützer wollten er und seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter aber nicht einfach nur "blöd an einem Stand herumstehen und Flyer verteilen". Zwei Mal waren er und seine Freunde rund um die Uhr für Michael Korwisi im Einsatz. Die Nacht zum 2. Mai haben sie dann sogar in der Fußgängerzone mit Schlafsäcken und Campingstühlen verbracht unter dem Motto "24 Stunden für den Politikwechsel".
"Die Leute haben diese Aktion mit Humor genommen und auch verstanden, warum wir das tun und wie ernst uns das ist", sagt Student Unrath. Um gezielt Erst- und Jungwähler ansprechen zu können, haben sie ihrem Wunsch-Kandidaten allerdings einiges auch erst einmal erklären müssen, erzählt der Wahlkampfhelfer weiter.
Etwa wie interaktive Internet-Plattformen, wie Twitter oder Facebook überhaupt funktionieren. Und das Ganze dann auch noch ständig aktualisiert wird. Korwisi (57) gehört nun einmal nicht zur Generation Schüler- oder Studi-VZ.
Einen Computer benutzte der Ex-Stadtrat und ausgebildete Lehrer zuvor nur als eine Art verbesserte Schreibmaschine und um E-Mails zu verschicken. Die jungen Leute haben mit ihm Videos produziert und diese ins Netz gestellt. Standen morgens vor den Schulen und verteilten Postkarten mit einer Art stadtpolitischem ABC für Kommunalpolitik-Einsteiger. "Ohne meine Helfer wäre dieser Sieg so nicht möglich gewesen", freute sich Korwisi denn auch am Wahlabend.

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