Herr Reymann, die Stadt Wiesbaden und das Land Hessen schenken der privaten Hochschule European Business School (EBS) 25 Millionen Euro für die Gründung einer juristischen Fakultät in Wiesbaden. Warum sind Sie so vehement gegen diese Hilfe? Weil diese Förderung nicht sozial neutral ist. Die EBS wird pro Jahr 12.000 Euro Studiengebühren von den Jura-Studenten verlangen. Dass mit Steuergeld Studienplätze für Kinder reicher Familien geschaffen werden, ist sozialpolitisch nicht nachvollziehbar. Obendrein wird kein innovatives Angebot geschaffen: Mainz und Frankfurt haben mehr als ausreichend Jura-Plätze.
Welchen Nachteil hat die Fachhochschule Wiesbaden von dieser Förderung? Der Hochschul-Topf des Landes schrumpft, so dass alle hessischen Hochschulen wohl weniger Geld bekommen werden.
Detlev Reymann ist seit Januar Präsident der FH Wiesbaden. Die Hochschule benennt sich ab 1. September in Hochschule RheinMain um.
Der 51-Jährige ist gelernter Gärtner und Professor für Gartenbau. Seit 1994 lehrte er an der Fachhochschule Wiesbaden. 2005 übernahm der Parteilose die Leitung des Studiengangs Gartenbauwissenschaften.
Der Wiesbadener Oberbürgermeister Helmut Müller (CDU) hat mit der FH - abgesehen von Grußworten an die Erstsemester - eher wenig zu tun. Mit der EBS ist das Stadtoberhaupt dagegen enger verbandelt: Er ist Vorstandsvorsitzender einer Gesellschaft zur Förderung der privaten Hochschule.
Hand aufs Herz: Sind Sie neidisch, dass hier so schnell so viel Geld locker gemacht wird? Neid ist das falsche Wort. Ich bin eher verwundert. In den nächsten Jahren erwartet die Politik, dass wir allein an unserer Hochschule 800 neue Studienplätze schaffen, aber bereits jetzt sind unsere Studienplätze nur zu 86 Prozent ausfinanziert, und bei den zusätzlichen Plätzen sinkt die Quote weiter. Da ist es schon erstaunlich, dass jetzt aus dem Staatssäckel plötzlich 15 Millionen Euro auftauchen.
Aber die FH wird komplett aus Steuergeldern finanziert und kriegt vom Land 43 Millionen Euro aus dem Konjunkturprogramm für ihre Gebäude. Erstens haben wir einen öffentlichen Bildungsauftrag. Private Hochschulen bieten hingegen nur Gewinn bringende Fachbereiche wie Wirtschaft und Jura an. Und zweitens: Mit den Millionen können wir jetzt nur endlich das flicken, was in den letzten Jahren nicht gemacht worden ist.
Haben Sie Angst, dass die EBS ein Konkurrent wird und die FH ihren Fachbereich Wirtschaft schließen muss? Nein. Wir leben seit Jahren gut mit dieser Konkurrenz.
Die EBS lässt sich nicht die gesamte Jura-Fakultät bezahlen, sondern treibt 100 Millionen Euro an Sponsorengeldern ein. Das sind bislang nur Versprechungen aus der Wirtschaft - ein ungedeckter Blanko-Scheck. Angesichts der Finanzkrise ist zu bezweifeln, ob die EBS diese Summe wirklich zusammenkriegt. Und dann müssen Stadt und Land nochmal in die Tasche greifen. Die FH Wiesbaden benennt sich in Hochschule Rhein-Main um. Haben Sie sich damit das Wohlwollen der Politiker verspielt? Die Umbenennung hat nichts mit einer Abkehr von der Stadt zu tun. Vielmehr ist sie Ausdruck einer Neuausrichtung mit mehr Forschung. Zudem ging es darum, angesichts der weiteren Standorte in Geisenheim und Rüsselsheim eine Gesamtidentität zu schaffen.
Dank dieser jetzt öffentlich gesponserten EBS-Erweiterung kann sich Wiesbaden bald Universitätsstadt nennen ... Oberbürgermeister Helmut Müller ist naiv, wenn er glaubt, mit 800 Studenten könne er das Image der Stadt ändern. Hochschulstadt wäre auch schon ein hübscher Titel, aber bislang gibt es nicht mal einen Wegweiser vom Hauptbahnhof zur FH.
Interview: Gaby Buschlinger

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