Darmstadt. Nur zwei Sitzplätze trennen sie am Donnerstag im Darmstädter Landgericht voneinander, den Frankfurter Rechtsanwalt Michael Wolski und den Frankfurter Arzt Janusz Pomer. Der eine, Wolski, ist wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe angeklagt. Der andere, Pomer, wendet sich seit langem mit schweren Vorwürfen gegen Wolski und seine Ehefrau, die Richterin am Staatsgerichtshof, Karin Wolski, an Öffentlichkeit und Justiz. Er hat das, was jetzt als "Wolski-Affäre" auch politisch Wellen schlägt, entscheidend mit ausgelöst. Karin Wolski ist nicht angeklagt, gegen sie wird nicht ermittelt.
Äußerlich geht es gesittet zu im Gerichtssaal zwischen dem Herrn im dunkelblauen (Pomer) und im grauen Anzug (Wolski), aber die Wortwahl des Zeugen ist drastisch. "Raubzüge" wirft er Wolski vor. "Er hat eine Familie zerstört, er hat eine Frau zerstört, er hat alles zerstört", behauptet Pomer. "Dass ich Ihnen das heute erzählen kann, darauf warte ich seit zehn Jahren", sagt er zum Richter.
Der 56-jährige Arzt ist Schwiegersohn des Ehepaars C., das mit Immobilien reich geworden ist. Der heute 61-jährige Michael Wolski arbeitete für die Immobiliengruppe C. Von der Firma C. und von der Unternehmersgattin Margit C. soll er große Zuwendungen erhalten haben, etwa das Geld für Autos, Immobilien, das Begleichen von Steuerschulden oder Handwerksarbeiten am gemeinsamen Haus des Ehepaars Wolski.
Angeklagt ist Michael Wolski, weil er die Zuwendungen jahrelang nicht versteuert haben soll. Pomers Vorwürfe reichen aber noch weiter. Er behauptet, Wolski habe die Familie C. "ausgeplündert", indem er ein Verhältnis mit Margit C. begonnen habe. Diese habe große Summen aus dem Familienvermögen für Wolski abgezweigt. Mehrfach habe Wolski ihr damit gedroht, das Verhältnis zu beenden. "Nach Versöhnungen wurde immer ein Notar bestellt, und dann wurde was gekauft", sagte Pomer.
Der inzwischen verstorbene Ignaz C. hätte den Besitz nicht an Wolski geben, sondern in der Familie halten wollen, berichtete Pomer aus seinen Gesprächen mit dem Schwiegervater. Wolskis Verteidiger verwies am Rande des Prozesses hingegen auf Dokumente, in denen Ignaz C. den Schwiegersohn Pomer als "Erbschleicher" bezeichnet habe. Wolski selbst machte vor Gericht darauf aufmerksam, dass er - entgegen Pomers Darstellung - schon viele Jahre vor der Erkrankung von Ignaz C. von dessen Unternehmen mit wichtigen Aufgaben betraut worden sei.
Mit bebender Stimme verliest Wolski ein Schreiben von 2005 an Ignaz C., das von Pomer unterzeichnet sei. Darin wird Wolski als "Krimineller" bezeichnet, der "eine widerliche Fresse" und "so viel Charme wie Käse mit Musik" habe. Pomer schließt nicht aus, dass er den Brief geschrieben hat. Zu Beginn des Tages war herausgekommen, dass sich nun doch ein Beleg für die Befreiung Michael Wolskis von der monatlichen Pflicht zur Abgabe einer Umsatzsteuer-Voranmeldung gefunden hat. Der Vorsitzende Richter Rainer Buss hatte zuvor darauf hingewiesen, dass eine fehlende Voranmeldung als Fall der Steuerhinterziehung gelte, wenn es keinen entsprechenden Bescheid des Finanzamts gebe.
Nun teilte eine Vertreterin der Strafsachen-Stelle der Steuerbehörde mit, ein Vermerk über die "Umstellung des Umsatzsteuer-Signals", der von April 2002 stamme, sei im Finanzamt Frankfurt I entdeckt worden. Monatliche Umsatzsteuer-Voranmeldungen lägen allerdings nur bis August 2000 vor. Von September 2000 an gebe es Belege über monatliche Schätzungen des Finanzamts.
Am Montag treffen sich Michael Wolski und Janusz Pomer wieder vor Gericht. Dann wird Pomer weiter befragt.

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