Beschlossen ist längst noch nichts. Eine Entscheidung über die Zukunft des Niederräder Mainfeldes rückt allerdings näher. Ein städtebaulicher Ideenwettbewerb hat eine erste Vorauswahl getroffen. Von 54 eingereichten Entwürfen für die künftige Gestaltung des nördlichen Niederrads, darunter die Hochhaussiedlung, wurden mehr als zwei Drittel aussortiert. 16 Pläne sind noch im Rennen.
Begonnen hatte die Diskussion um die Zukunft der Hochhaussiedlung im April 2009. Damals hatte Frank Junker, Chef des Wohnungskonzerns ABG Holding, angesichts von Gebäudemängeln einen Rückbau der teilweise 23-stöckigen Bauten vorgeschlagen. Nach massiven Protesten eines Teils der rund 2500 Anwohner ruderte Junker zurück und versprach einen "ergebnisoffenen Prozess".
Die noch im Wettbewerb befindlichen 16 Pläne entsprechen diesen Ansprüchen. Sie reichen von Sanierung bis hin zur Extremvariante Totalabriss. "Ich bin zufrieden - weil weiterhin alles möglich ist", sagt Ralf Heider (SPD). Der Niederräder Ortsbeirat setzt sich gleichwohl seit Monaten für den Erhalt der Hochhäuser samt Sanierung ein.
Details der eingereichten Pläne will Heider - genauso wie Stadtplanungsamtleiter Dieter von Lüpke - nicht verraten. Die Jury unterliegt der Schweigepflicht, die erst nach Ende des Wettbewerbs aufgehoben ist. Dem elfköpfigen Gremium gehören drei Stadtverordnete, Vertreter der ABG und des Stadtplanungsamtes sowie Quartiersmanager Friedrich Berndt an.
Der nächste Schnitt soll im Mai folgen. Bis dahin müssen die noch im Rennen befindlichen Architekturbüros ihre Pläne konkretisieren. Protest mehrt sich schon jetzt: Gerhard und Ute Kampschulte von der Mieterinitiative Mainfeld beklagen, dass kein Anliegervertreter in der Jury vertreten ist. "Auf uns als Anwohner ist niemand zugekommen", ärgert sich Ute Kampschulte. Als die Pläne am Dienstag im Niederräder Bürgerhaus - unter Ausschluss der Öffentlichkeit - diskutiert wurden, verteilten sie vor den geschlossen Türen aus Protest Flugblätter an die Anwohner.
Von Lüpke erklärt den Ausschluss der Anwohner mit deren fehlender Organisation. "Als die Jury bestimmt wurde, konnten wir keinen repräsentativen Mietervertreter entdecken." Ute Kampschulte ärgert sich über diese Aussage. Sie vermutet dahinter Kalkül. Mitarbeiter des Stadtplanungsamtes hätten sie nicht darauf hingewiesen, dass Repräsentativität ein Kriterium sei. Zudem sei dieser Anspruch für "ein einfaches Rentnerpaar wie wir" viel zu hoch. "Da wurden die Hürden nachträglich so hoch gestellt, dass wir außen vor sein mussten."
Von Lüpke versucht zu beschwichtigen: Er verweist er auf den vorausgegangenen offenen Planungs- und Diskussionsprozess. Und betont, dass durch die Jury letztlich gar keine Entscheidung getroffen werde. "Es gibt nur eine Empfehlung. Und wenn die gefunden ist, wird sie den Anwohner vorgestellt", sagt von Lüpke. Erst danach sollen Stadtverordnete und Eigentümer der jeweiligen Grundstücke die weiteren Schritte beschließen.
Ute Kampschulte lacht da bitter auf. "Bei Stadtverordnetenversammlungen bekommen wir doch auch kein Rederecht", sagt sie. Thomas Murawski aus dem Vorstand der Stadtteilgruppe Süd der Partei Die Linke kann den Ärger nachvollziehen. "Mit einer Bürgerbeteiligung hat das nichts mehr zu tun", sagt er.

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