Aktuell: Olympische Spiele | Sport A-Z | Fußball-News | Eintracht Frankfurt | Blog-G
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Sport
Sport-Nachrichten, Ergebnisse und Live-Ticker

22. März 2016

2. Bundesliga: Dreikampf an der Zweitliga-Spitze

 Von Christoph Ruf
Das Feld von hinten aufgerollt: Der 1. Nürnberg hat in der zweiten Liga 17 Spiele in Folge nicht verloren.  Foto: dpa

Wer steigt in die erste Liga auf, wer muss in die Relegation? Mit acht Punkten Vorsprung auf Platz vier könnten sich Freiburg, Leipzig und Nürnberg bis zum Saisonende noch ein munteres Wechselspiel um die ersten drei Plätze liefern.

Drucken per Mail

Christian Streich und Markus Kauczinski kennen sich seit Anfang des Jahrtausends. Schon zu Zeiten, als beide die A-Jugendmannschaften ihrer heutigen Arbeitgeber trainiert haben, kreuzten sie zweimal im Jahr die Klinge. Mal gewann der KSC, mal Freiburg – und allermeistens hatten sich die beiden zuvor ordentlich am Spielfeldrand in der Wolle. Nach dem Schlusspfiff haben sich die beiden allerdings jedesmal genauso herzlich umarmt wie sie das am Montag auch als Cheftrainer taten. Streich und Kauczinski mögen sich, und sie haben eine ähnliche Fußballphilosophie. Kein Wunder also, dass Streich den dringlichen Wunsch äußerte, der Kollege, der zum Saisonende beim KSC ausscheidet, möge doch bald mal wieder vorbeischauen. „Damit wir noch ein paar Schlachten schlagen können. Aber nicht so wie heute, da wart ihr einfach zu stark.“ Den zehnten Freiburger Heimsieg konnte aber auch der KSC nicht verhindern.

Mit „Spitzenreiter, Spitzenreiter“-Rufen feierten dann auch die Freiburger Fans den Sieg gegen die im ersten Durchgang klar besseren Karlsruher. Wohlwissend, dass dank einer Leistungssteigerung im zweiten Durchgang eingetreten war, womit noch 30 Stunden zuvor kaum einer gerechnet hatte. Der SC Freiburg, der bis dato heilfroh gewesen wäre, den zweiten Tabellenplatz gegen die aufstrebenden Nürnberger verteidigen zu können, profitierte sogar von deren Sieg gegen RB Leipzig. Freiburg ist nun dank der besseren Tordifferenz Erster, doch Nürnberg (53 Punkte) liegt nur noch drei Zähler hinter den beiden Mannschaften, die sich seit Saisonbeginn um Rang eins balgen – aus dem Zweikampf ist am Wochenende also ein Dreikampf geworden. Der Vierte, St. Pauli, rechnet sich dem Vernehmen nach angesichts von acht Zählern Rückstand auf den Relegationsrang selbst keine Chancen auf den Aufstieg mehr aus. Im Vergleich zu den drei Führenden fallen die defensivstarken Hamburger spielerisch auch stark ab, die Mannschaft spielt tatsächlich den Fußball, den Erstliga-Puristen für den klassischen Zweitliga-Fußball halten.

Zuletzt dreimal auswärts verloren: Der Leipziger Rani Khedira wirkt ein wenig ratlos.  Foto: dpa

Doch diese Einschätzung hat derzeit wenig mit der Realität zu tun – zumindest was die besseren Teams anbetrifft. Bochum auf Platz fünf spielt konsequenten Kombinationsfußball, das Montags-Spiel zwischen Freiburg und Karlsruhe war tatsächlich ein „sehr gutes Zweitligaspiel von zwei Mannschaften, die hervorragend Fußball gespielt haben“ (Kauczinski). Und der Nürnberger Sieg gegen Leipzig verdiente sich auch deswegen das Attribut „geil“ (FCN-Mittelfeldmann Sebastian Kerk), weil es in punkto Tempo und Spielkultur eine Liga über dem Erstliga-Abstiegsduell Frankfurt gegen Hannover am Samstag rangierte.

Dabei war Nürnberg miserabel in die Saison gestartet, nach zwölf Spielen rangierte man auf Platz zehn. Statt eines systematischen Spielaufbaus wurden die Bälle lang und weit nach vorne geschlagen – in der meist vergeblichen Hoffnung, dass die individuell starken Offensiven um Guido Burgstaller und Niclas Füllkrug schon etwas einfallen möge. Umso erstaunlicher, dass Coach René Weiler die Tugenden des Teams – Kampfkraft, Lauffreude – noch ausgebaut hat, parallel aber an den fußballerischen Fähigkeiten feilen konnte. Der Club hat am Sonntag einen neuen Vereinsrekord aufgestellt: Der 3:1-Sieg gegen Leipzig war das 17. ungeschlagene Zweitligaspiel in Folge.

Siegtrorschütze am Montagabend: Mike Frantz (li.), beglückwünscht von Vincenzo Grifo.  Foto: dpa

Stattliche sieben Siege in Serie hat derweil der SC Freiburg vorzuweisen, der im Vergleich zu Nürnberg genau die umgekehrte Entwicklung genommen hat. Während die Franken sich in den vergangenen Wochen ein paar Schippen Spielkultur draufgeschafft haben, hat der Sportclub, der neben Leipzig fraglos das spielerisch reifste Team der Liga ist, das erarbeitet, was Trainer Streich „Moral“ nennt. Das Jahr 2016 begann mit zwei Niederlagen gegen Bochum und Düsseldorf, die offenbar so erfolgreich aufgearbeitet wurden, dass der SC seither auch dann zurückkommt, wenn es einmal nicht spontan läuft. Vergangene Woche konnte auch der zwischenzeitliche Ausgleich beim FSV Frankfurt nicht verhindern, dass Freiburg am Ende locker und leicht 3:1 gewann. Und am Montag blieb es bei einer schwachen ersten Hälfte, der eine offenbar recht kernige Halbzeitansprache folgte: „Es ist bemerkenswert, wie selbstkritisch die Mannschaft mit Kritik, auch mit harter Kritik umgeht“, lobte Streich nach der Partie.

Bei aller Zufriedenheit über die Entwicklung ihrer beiden Mannschaften – grundsätzlich halten sowohl Weiler als auch Streich RB Leipzig für das beste Team der Liga. Was die individuelle Klasse von Spielern wie Yussuf Poulsen oder Emil Forsberg angeht, ist das auch nicht zu bestreiten. Allerdings war die Niederlage in Nürnberg die dritte Auswärtspleite in Folge – schon auf St. Pauli und in Freiburg hatte Leipzig die Segel streichen müssen. „Wir haben es immer noch selbst in der Hand und in den Füßen“, tröstete sich Ralf Rangnick, der Selbstzweifel erst gar nicht aufkommen lassen will. Doch wahrscheinlich ahnt auch der RB-Coach, dass die Reihenfolge auf den Plätzen eins bis drei bis zum letzten Spieltag immer wieder neu verhandelt wird. Der Nürnberger René Weiler scharrte am Sonntag jedenfalls schon mal laut mit den Hufen: „Die beiden Mannschaften ganz oben können sich nicht mehr ganz sicher sein.“

[ Hat Ihnen der Artikel gefallen? Dann bestellen Sie gleich hier 4 Wochen lang die neue digitale FR für nur 5,90€. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Ressort

Sport-Nachrichten, Ergebnisse und Live-Ticker.

Kommentar

Aus den Fugen

Von  |
Der Ball in der Bundesliga rollt wieder.

Ein Spieltag vorbei und schon grüßt der übermächtige FC Bayern von der Spitze. Der einfache Sieg über Werder Bremen verdeutlicht die immer weiter auseinanderdriftenden Verhältnisse in der Bundesliga. Ein Kommentar. Mehr...

Fußball-Nachrichten

Eintracht: Berichte | Spielplan | Team | FR-Videos

Anzeige

Aus den Sportarten
Für Sportler in Not

Die Hilfsaktion der FR-Sportredaktion unterstützt arme, kranke und behinderte Sportler, die unverschuldet in Not geraten sind.