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12. Januar 2013

American Football: In einem anderen Körper

 Von Matti Lieske
Alles im Blick: Peyton Manning.Foto: REUTERS

Nach schwerer Verletzung hat Quarterback Peyton Manning seiner Karriere bei den Denver Broncos neuen Glanz verliehen

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Kälte mag Peyton Manning gar nicht. Alle drei seiner Playoff-Spiele, bei denen unter fünf Grad Celsius herrschten, hat er klar verloren. So gesehen waren die Denver Broncos eine gewagte Wahl für einen der besten Quarterbacks, den der American Football je gesehen hat. Arizona, Tennessee oder San Francisco, im letzten Frühjahr ebenfalls an der Verpflichtung des 36-Jährigen interessiert, hätten wettermäßig allesamt besser gepasst. Doch Manning unterschrieb bei den Broncos, die ihm die Entscheidung mit einem großzügigen Fünfjahresvertrag über 100 Millionen Dollar erleichterten.

Die Quittung dafür bekommt er heute. Bei Schnee und Frost wird Denver im Viertelfinale der National Football League (NFL) die Baltimore Ravens empfangen, höchstens sieben Grad minus sind vorhergesagt. Doch Peyton Manning ist erstaunlich gelassen angesichts dieser Aussichten. „Man muss spielen, so oder so, also beschäftigt es mich nicht.“

Die Gemütsruhe des Veteranen hat ihren guten Grund, denn Manning blickt auf eine fast traumhafte Saison zurück. Eine Menge Zweifel hatten ihn begleitet, als er in Denver ankam. Ein ganzes Jahr lang hatte er wegen mehrerer Operationen der Halswirbelsäule nicht spielen können, ob er je wieder seine alte Klasse erreichen würde, stand in den Sternen. Die Indianapolis Colts, denen er 13 Jahre lang treue Dienste geleistet und 2007 den Super-Bowl-Sieg beschert hatte, glaubten nicht mehr daran und setzten ihn vor die Tür.

Dass der vom Rauswurf tief getroffene Rekonvaleszent ausgerechnet in Denver landete, lag in der Natur der Sache. Das Team aus Colorado hat schließlich ausgezeichnete Erfahrungen mit betagten Quarterbacks gemacht. Der große John Elway war 37 und 38 Jahre alt, als er die Broncos 1998 und 1999 zu zwei Super-Bowl-Erfolgen führte. Heute ist er Vizepräsident des Teams und war maßgeblich an der Verpflichtung Mannings beteiligt.

Die Denver Broncos waren schon in der vorigen Saison ein gutes Team gewesen, das erst in der zweiten Playoff-Runde an New England gescheitert war. Was fehlte, war ein exzellenter Quarterback. Damals musste Coach John Fox darauf achten, dass seine Offensive nicht zu sehr in den Händen des ebenso beliebten wie gottesfürchtigen wie limitierten Tim Tebow lag. Jetzt kann er im Angriff voll und ganz auf Manning setzen, der eine der besten Spielzeiten seiner Karriere absolvierte. 400 angekommene Pässe, 4659 erworfene Yards, 37 Touchdown-Pässe, die zweitbesten Werte seiner Laufbahn und die besten eines Broncos-Quarterbacks überhaupt, was den entthronten Elway nicht sonderlich störte. 13 Matches hat Denver gewonnen, nur drei verloren, alle in den ersten Wochen der Saison.

Signifikante Verbesserungen

Inzwischen läuft es wie geschmiert. Die Verbesserungen gegenüber dem Vorjahr sind signifikant. Mit Tebow hatte die Offensive der Broncos Rang 23 in der NFL belegt, nun ist sie die viertbeste. „Der Manning-Effekt“, sagt Wide Receiver Brandon Stokley.

Erstaunlicherweise profitierte aber nicht nur die Offense, sondern auch die Defense von Peyton Manning. Sie rückte vom 20. auf den zweiten Platz vor. Mannings Passsicherheit bringt längere Spielzüge und damit mehr Erholungszeit für die Abwehrformation. Außerdem zahlt es sich aus, dass diese Woche für Woche gegen einen der besten Quarterbacks in der Geschichte des Spiels übt. Seinen Hang zur Perfektion lebt Manning auch im Training aus. Jedes leichte Abweichen eines Mitspielers vom vorgeschriebenen Laufweg hat ein freundliches, aber nachdrückliches Zusammenstauchen zur Folge. „Ich habe noch nie einen Quarterback gesehen, der sich jeden Tag so reinhängt und alle besser macht“, sagt Linebacker Wesley Woodyard. Die Broncos gelten nun als Favorit auf den Gewinn der Super Bowl am 3. Februar in New Orleans. Manning wäre der erste Quarterback, der zwei verschiedene Teams zum Titel geführt hat.

Ein kleines Problem hat Peyton Manning allerdings seine ganze Karriere mit sich herumgeschleppt. So brillant er war, wenn es um nicht allzu viel ging, so medioker spielt er oft in großen Matches. Selbst beim Super-Bowl-Sieg gegen die Chicago Bears konnte er in einer schwachen Partie längst nicht glänzen wie gewohnt. So kommt es, dass sein weniger talentierter jüngerer Bruder Eli von den New York Giants immer noch eine Meisterschaft mehr gewonnen hat als er.

Und ein paar Problemchen sind schließlich doch geblieben von der Nackenoperation. Lange Pässe wirft Peyton Manning kaum noch, allerdings gehörten diese ohnehin nie zu seinem bevorzugten Repertoire. Und der Griff der Wurfhand ist nicht mehr so fest wie einst. „Eine Folge meiner Verletzung, ich bin jetzt in einem anderen Körper, ein paar Sachen musste ich anpassen“, räumt Manning ein. Deshalb trägt er neuerdings einen Handschuh. Was, ganz nebenbei, kein schlechtes Mittel gegen die Kälte ist.

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