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21. Februar 2011

Aus für Maradona, Platini, Zidane: Die Vertreibung des Spielmachers

 Von Ronald Reng
Einer der besten Spielmacher aller Zeiten: Frankreichs Zinedine Zidane.  Foto: REUTERS

Erst der Libero, jetzt der Denker und Lenker: Im modernen Fußball hat der einstige Strippenzieher mit der Nummer 10 ausgedient.

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Erst der Libero, jetzt der Denker und Lenker: Im modernen Fußball hat der einstige Strippenzieher mit der Nummer 10 ausgedient.

Irgendwann merkte Uwe Bein, dass es ihn nicht mehr gibt. Wie fast alle ehemaligen Profifußballer schaut er in den Fernseher auch wie in einen Spiegel: Erkenne ich mich noch wieder in diesem Spiel, das dort heute läuft? Uwe Bein, Weltmeister 1990 und Deutschlands elegantester Fußballer der Neunziger, sucht sich nun schon länger vergebens im modernen Fußball: „Das Spiel hat sich in eine andere Richtung entwickelt“, sagt er. „Den klassischen Spielmacher gibt es eigentlich nicht mehr.“

Während das Ende des Liberos viel besungen wurde, stirbt die andere große Kulturfigur des Fußballs geradezu unbemerkt aus. Die Idee, dass ein Mann im Zentrum des Spiels mit seinen Eingebungen alle Wege lenkt, prägte über Jahrzehnte die Taktik großer Mannschaften und die Fantasie des Publikums: Der Spielmacher war Ausdruck einer Epoche, die bedingungslos an Genies glaubte. Diego Maradona, Michel Platini und Zinedine Zidane in der Welt, Wolfgang Overath, Bernd Schuster und Uwe Bein in Deutschland. Ihre Pässe waren Fäden, an denen sie die Mitspieler bewegten.

 Bastian Schweinsteiger, der klassische Sechser im Mittelfeld und Albtraum aller Spielmacher.
Bastian Schweinsteiger, der klassische Sechser im Mittelfeld und Albtraum aller Spielmacher.

Die Achtelfinalspiele der Champions League in dieser Woche dagegen offenbaren, was aus der Überfigur geworden ist: Spielmachertypen gibt es noch immer, doch sie wurden nach vorne abgeschoben wie Mesut Özil als halber Stürmer bei Real Madrid, nach hinten ins defensive Mittelfeld versetzt wie Bastian Schweinsteiger bei Bayern München oder auf die Flügel gedrängt. Die mythische Rolle der Nummer 10 im zentralen offensiven Mittelfeld, im Mittelpunkt des Spiels, ist ein Relikt geworden. Wesley Sneijder bei Inter Mailand ist einer der letzten, der sie noch spielen darf.

Die Vertreibung des Spielmachers begann vor zehn Jahre in einer anderen Galaxis. Bei Real Madrid lief ein Feldversuch namens Los galácticos, man wollte die feinsten Ballspieler allesamt in eine Elf stecken. Doch just in diesem Team, das auf außerirdische Art das elegante Spiel verwirklichen wollte, spielte Zidane plötzlich auf dem linken Flügel. Das Genie wurde an den Rand gedrängt.

Keine Chance gegen die Doppel-Sechs

Zidanes Versetzung war eine Notreaktion. Immer mehr Teams verbarrikadierten damals das Zentrum mit zwei defensiven Mittelfeldakteuren. Der Spielmacher war permanent in Unterzahl, allein gegen zwei. Madrids Trainer Vicente del Bosque überlegte: Wenn Zidane vom linken Flügel aus startete, um diagonal ins Zentrum zu sprinten, hatte er Schwung und den Blick schon nach vorne gerichtet; er war im Vorteil, ehe ihn des Gegners defensive Mittelfeldblockierer stellten. Vor allem jedoch sollte er nur noch selten bis ins Herz des Spiels vordringen. Er würde halblinks bleiben, die Verbarrikadierer rauslocken und so Lücken für seine Stürmer schaffen.

Das Manöver wurde ein voller Erfolg. Schon bald gab es überall Nachahmer. Nur ein echter Spielmacher war Zidane nun nicht mehr. Sein Einfluss war auf die halblinke Parzelle des Felds beschränkt. Seine Pässe waren noch immer Geistesblitze, aber er war nur noch ein Teil eines Angriffsmanövers, nicht mehr der alles manövrierende Stratege.

Spielmachers Peiniger, die zwei defensiven Mittelfeldspieler, blieben. Sie wurden das Fundament der modernen Taktik. So suchten die Trainer für ihre Kreativen überall um das Zentrum herum Notunterkünfte − und fanden sie ironischerweise zunehmend im defensiven Mittelfeld. „Schweinsteiger ist das Paradebeispiel“, sagt Uwe Bein. „Er hat alles, um ein überragender Spielmacher zu sein, aber im offensiven Mittelfeld kann er es nicht umsetzen.“ Seit Schweinsteiger zehn Meter weiter hinten agiert, mit dem Gesicht, nicht mit dem Rücken zum gegnerischen Tor, mit Sicherheitsabstand zur gegnerischen Mittelfeldbarrikade, „spielt er großartig, viele Ballkontakte, kaum Fehlpässe“.

Aufgaben sind kleinteiliger und spezieller

Selbst der letzte Originalspielmacher der Bundesliga, der Brasilianer Diego, muss diese Saison in Wolfsburg meistens weiter vorne, schon halb im Angriff, agieren. Dabei sind die Qualitäten eines Uwe Bein − den Takt setzen, die gegnerische Abwehr mit Pässen öffnen − unverändert gefragt. Es gibt nur nicht mehr den einen Spieler, der alles dominiert. Die Aufgaben der heutigen Fußballer sind kleinteiliger, spezieller geworden, und es müsste eine neue Sprache her, sie zu beschreiben. Mesut Özil ist der Passmacher, Bastian Schweinsteiger der Rhythmusmacher. Das wird vom Spielmacher bleiben: ein paar entfernte Verwandte.

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