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21. Januar 2013

Australian Open: Gemeinsam sind sie stärker

 Von Doris Henkel
Behandlungspause: Angelique Kerbers Rückenprobleme beginnen im Oberschenkel. Foto: dpa

Die zweite Woche der Australian Open beginnt ohne deutsche Beteiligung – und mit Verletzungssorgen.

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Die zweite Woche der Australian Open beginnt ohne deutsche Beteiligung – und mit Verletzungssorgen.

Melbourne –  

Der Himmel war wieder mal von einem betörenden Blau, aber am Horizont zogen Wolken herauf. Nicht in der meteorologischen Wirklichkeit, die in den nächsten Tagen stabil schöne Sommertage für Melbourne verspricht, sondern im übertragenen Sinne im Bereich des deutschen Frauentennis. Und dabei geht es weniger um die Niederlagen von Angelique Kerber und Julia Görges im Achtelfinale der Australian Open, sondern um gewisse Sorgen im Hinblick auf das in knapp drei Wochen stattfindende Spiel im Fed Cup gegen Frankreich in Limoges.

Vor ein paar Tagen hatte Kerber zum ersten Mal einen Schmerz im Rücken gespürt, hatte sich behandeln lassen, allerdings ohne Erfolg. Nach der Niederlage am Sonntag gegen die extrem sicher und druckvoll spielende Russin Jekaterina Makarowa (5:7, 4:6) meinte sie, sie wolle die gesundheitliche Beeinträchtigung nicht als Ausrede benutzen („ich hab einfach zu spät ins Match gefunden“), aber es war nicht zu übersehen, dass sie nicht so aufschlagen konnte wie gewohnt.

Hoffen auf Frankreich

Der Schmerz meldete sich in der Bogenspannung der Ausholbewegung, er nahm mit der Dauer des Spiels zu, und selbst eine medizinische Auszeit änderte daran nichts. Eine Untersuchung soll nun klären, worin das Problem besteht und wie es sich beheben lässt. „Ich hoffe, dass ich in Frankreich dabei sein kann“, sagte sie zum Abschied.

Das hofft Teamchefin Barbara Rittner auch, die Angelique Kerber, Julia Görges, Sabine Lisicki und Doppelspielerin Anna-Lena Grönefeld für die Begegnung nominiert hatte. Aber vor ein paar Tagen hatte sich Grönefeld in Melbourne bereits beim Fitnesstraining einen einfachen Bänderriss im Sprunggelenk zugezogen, nun die Sorgen um Kerbers Verfassung – sieht so aus, als stünden der Chefin ein paar unruhige Wochen bevor.

Dank mit Riss

Textilvergehen: Es war nur ein Achtelfinale, aber ein imposantes – und ein kräftezehrendes, das der Weltranglistenerste Novak Djokovic Sonntagnacht (Ortszeit) gegen den Schweizer Stanislas Wawrinka zu spielen hatte. Er gewann es erst im fünften Satz nach 5:02 Stunden 1:6, 7:5, 6:4, 6:7 (5:7) und 12:10. Sich das Hemd vom Leib reißen, ist Djokovics Markenzeichen. Doch er zerpflückt es nicht nach jedem Spiel, sondern nur nach den großen. Wawrinka darf sich also geehrt fühlen. Nach einer Umarmung am Netz widmete sich der Serbe seinem Textil. Danach dankte er seinem Kontrahenten für das großartige Spiel: „Dieses Match bedeutet mir sehr viel“, sagte Djokovic: „Das war eines der aufregendsten Spiele meiner Karriere.“

„Wir müssen dann halt mit den Sachen, die wir haben, umgehen“, sagte Julia Görges. Ihr selbst fehlte nichts beim Abschied aus Melbourne – zumindest körperlich nicht. Aber es ließ sich nicht vermeiden, dass sie in Gedanken noch mal zum Satzball im Tiebreak des ersten Satzes zurückkehrte, bei dem sie zunächst eine vergleichsweise leichte Möglichkeit zum Punktgewinn vergab, als sie den Ball nicht ins freie Feld, sondern direkt in Li Nas Laufweg spielte und dann einen hohen Rückhandball aus nächster Nähe ins Netz drosch. Ein Geschenk für die Chinesin. Die griff mit beiden Händen zu, und von dem Moment an entfernten sich die beiden voneinander. Am Ende verlor Görges zu klar 6:7, 1:6, denn selbst im zweiten Satz besaß sie mehr Chancen, als es das Ergebnis glauben macht.

Stabilisierung mit Steigerungen

Aber so sehr sie sich auch über den Fehler ärgerte, er änderte nichts an ihrer Meinung, ihren Vorstellungen einen Schritt nähergekommen zu sein. „Ich weiß, dass ich heute eine sehr, sehr große Chance liegengelassen habe“, sagte sie, „aber es wird schon noch irgendwann passieren, dass ich ein Grand-Slam-Viertelfinale kriege.“ Der Blick auf ihre Resultate der vergangenen zwei Jahre zeigt in der Tat eine Stabilisierung mit Steigerungen. Und was die bevorstehende Aufgabe in Limoges betrifft, so gönnt sie sich selbst für den Fall, dass Kerbers Probleme bis dahin nicht behoben sein sollten, eine Portion Zuversicht und sagt: „Wir haben ja zwei gute Einzelspielerinnen.“ Eine davon ist sie selbst.

Die zweite Woche der Australian Open wird nun ohne deutsche Beteiligung stattfinden. Philipp Kohlschreiber hatte am Samstag kein Mittel gegen die massiven Aufschläge des langen Kanadiers Milos Raonic gefunden (6:7, 3:6, 4:6). Kohlschreiber braucht Rhythmus im Spiel, um auf Touren zu kommen, aber das ließ Raonic nie zu, und so zeichnete sich relativ schnell ab, zu welchem Ergebnis dieses Spiel führen würde.

Welche Schlüsse aus dem Spiel für die Reise des deutschen Davis-Cup-Teams Ende dieser Woche nach Argentinien zu ziehen sind? Gar keine. Auf Sand wird alles ganz anders sein. „Das wird hoffentlich eine enge Partie“, sagte Kohlschreiber, „wir werden in jedem Match Chancen haben, und die müssen wir nutzen.“ So hatte es auch Florian Mayer beschrieben, Deutschlands zweiter Einzelspieler im Team des neuen Chef Carsten Arriens. Mal sehen, was daraus werden wird.

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