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23. Januar 2013

Australian Open: Li Na, den richtigen Schalter gefunden

 Von Doris Henkel
Und nach dem Sieg eine Wurst: Li Na.  Foto: dpa

Seit die Chinesin Li Na vom Argentinier Carlos Rodriguez trainiert wird, ist sie auf dem Platz nicht mehr ganz so impulsiv − und damit erfolgreicher. Im Halbfinale der Australian Open trifft sie jetzt auf Maria Scharapowa.

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Seit die Chinesin Li Na vom Argentinier Carlos Rodriguez trainiert wird, ist sie auf dem Platz nicht mehr ganz so impulsiv − und damit erfolgreicher. Im Halbfinale der Australian Open trifft sie jetzt auf Maria Scharapowa.

Melbourne –  

Es war ein Tag, an dem es Spaß machte, Li Na beim Tennisspielen zuzusehen. Zu Beginn überwand sie kleine Schwächen, und je länger die Partie gegen Agnieszka Radwanska dauerte, desto größer wurde ihre Souveränität. Na ja, mit Ausnahme vielleicht des einen Aufschlags, bei dem der Ball vom Rahmen ihres Schlägers über das gegnerische Feld hinwegflog und zur Erheiterung des Publikums oben auf der Tribüne landete.

Meist ist es nicht weniger interessant, der Chinesin beim Denken zuzusehen. Es gibt Spielerinnen, die feuern Antworten wie aus der Pistole geschossen ab, und andere, die Plattitüden aneinanderreihen, aber zu denen gehört sie nicht. Bevor sie antwortet, kann man ihrem Mienenspiel entnehmen, ob sie die Frage blöd, unverschämt, spannend oder lustig findet. Als es diesmal um die Frage ging, ob sie dieser Tage glücklicher sei als in den anstrengenden Monaten nach dem Gewinn ihres Titels bei den French Open 2011, wanderte die Frage vom Kopf bis runter zum Herzen und zurück. Dann lächelte sie und sagte ja.

Zum dritten Mal im Halbfinale

Nach dem überzeugenden Sieg gegen Radwanska (7:5, 6:3) wird Chinas Beste am Donnerstag zum dritten Mal in vier Jahren im Halbfinale der Australian Open spielen. Was einerseits damit zu tun hat, dass sie sich in Melbourne extrem wohl fühlt, andererseits aber mit knochenharter Arbeit in der Vorbereitungszeit.

Zum Glück war daran diesmal nicht der Gatte schuld, Jiang Shan, den sie seit 18 Jahren kennt und mit dem sie seit sieben Jahren verheiratet ist. Der musste in der Vergangenheit des Öfteren die Doppelrolle als Coach und Ehemann spielen, was zu mittelschweren Erschütterungen des häuslichen Friedens führte. Aber seit sie vor sechs Monaten den früheren Coach von Justine Henin verpflichtete, den Argentinier Carlos Rodriguez, geht es der Ehe wieder gut.

Es dauerte eine Weile, bis sie sich an Rodriguez’ rigorosen Trainingsplan gewöhnte. Nach drei Tagen rief sie den Gatten an, beschrieb das Programm und sagte, Carlos ist verrückt. Shan traf am nächsten Tag ein, um sich persönlich zu überzeugen, kam aber selbst beim bloßen Zusehen schon ins Schwitzen. Hätte er sich ein solches Programm ausgedacht, hätte sie ihm vermutlich die Augen ausgekratzt.

"Ich bin jetzt stärker im Kopf"

Fitness ist eine Sache, aber Rodriguez scheint auch eine Menge vom Innenleben ehrgeiziger Frauen zu verstehen. Henin hatte immer betont, ohne seine Hilfe wäre sie nie so erfolgreich gewesen, und bei Li Nas brodelndem Temperament scheint er den Schalter zur Regulierung der Flamme gefunden zu haben. „Früher“, sagt sie, „habe ich auf dem Platz oft gegen mich selbst gekämpft. Aber von Carlos höre ich den ganzen Tag: Beruhige dich. Von ihm kann man nicht nur eine Menge über Tennis lernen; ich glaube, ich bin jetzt stärker im Kopf.“

Diese Stärke wird sie auch brauchen beim Versuch, am Donnerstag gegen Maria Scharapowa das Finale zu erreichen. Die rauschte bisher mit dem Tempo eines australischen Überlandzuges durchs Turnier. Scharapowa gewann die letzten drei Begegnungen gegen Li Na, aber sie erinnert daran, das seien immer enge Spiele gewesen. Es gibt diverse indirekte Verbindungen zwischen der amerikanischen Russin und der nicht nur in China populären Li Na. Deren ehemaliger schwedischer Coach Thomas Hogstedt ist seit zwei Jahren bei Scharapowa angestellt, und beim Marketing-Giganten IMG werden beide vom selben Mann betreut, dem Vizepräsidenten Max Eisenbud.

Durch dessen Hände fließt Geld in rauen Mengen; Scharapowa und Li Na gelten als die bestverdienenden Sportlerinnen der Welt. Wem Mr. Max da wohl die Daumen drücken wird? Falls Li Na die von Rodriguez verordnete Gelassenheit mit schlauem Spiel kombiniert und Scharapowa weiter Tempo macht, könnte das eine spannende Geschichte werden.

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