Mitte des dritten Viertels hatten die Fans der Gießen 46ers genug. Ihr Team lag im Hessenderby hoffnungslos gegen die Frankfurt Skyliners zurück und zeigte überhaupt keine Gegenwehr. „Schelberg raus, Schelberg raus“, skandierten einige Zuschauer in Richtung Vip-Tribüne, auf der Geschäftsführer Heiko Schelberg hockte.
Die Fans des Gründungsmitglieds der Basketball-Bundesliga sind hörbar verärgert über jenen Mann, der seit Januar vergangenen Jahres die Geschicke des Klubs leitet. Schelberg hatte nach dem Überraschungserfolg gegen Vizemeister Ulm am 30. Dezember verkündet, dass er am Freitag zuvor einen Insolvenzantrag gestellt habe.
Der Alleingang hatte nicht nur beim Geschäftsführer der Basketball-Bundesliga, Jan Pommer, „Irritationen“ ausgelöst. Der Hauptsponsor etwa, die LTi Unternehmensgruppe, wurde erst zwei Tage nach dem Insolvenzantrag informiert; Cheftrainer Mathias Fischer erhielt die schlechte Nachricht von einem Journalisten. Viel verheerender ist jedoch, dass Schelberg nach FR-Informationen nicht gewusst haben soll, dass seinem Klub nach Antrag auf Insolvenz vier Punkte abgezogen werden.
Trainer laufen die Spieler weg
Jan Pommer kann den Schritt auch heute noch nicht nachvollziehen. Zumal die Liga einen Geldtopf eingerichtet hat, um drohende Insolvenzen zu verhindern. „Jetzt gibt es aber keine Möglichkeit mehr, dieses Geld in Anspruch zu nehmen“, sagte Pommer. In Gießen wurde mittlerweile die Aktion „Wir geben unser letztes Hemd“ gestartet, um das rund 300000 Euro klaffende Finanzloch zu stopfen. Pommer: „Wenn wir früher informiert worden wären, hätte das eine feste Jacke werden können.“
Ob die Gießen 46ers überhaupt noch am Spielbetrieb teilnehmen können ist ebenfalls ungewiss. Am heutigen Montag wollen Heiko Schelberg und der vorläufige Insolvenzverwalter Tim Schneider der BBL ihre Wirtschaftsplanung darlegen.
Entsprechend verunsichert traten die Gießen 46ers gegen die Skyliners auf und unterlagen sang- und klanglos mit 59:79. „Jeder hat nur für sich gespielt“, resümierte ein niedergeschlagener Mathias Fischer. „Ich habe versucht, alles von der Mannschaft wegzuhalten. Aber die Realität hat uns eingeholt.“ Er habe bereits zahlreiche Anrufe von Trainern und Sportdirektoren bekommen, denen seine Spieler über deren Agenten angeboten worden sein sollen.
Die 4002 Zuschauer in der ausverkauften Osthalle werden am Samstag wohl das letzte Hessenderby in der Bundesliga gesehen haben. Selbst wenn sich der Klub finanziell noch retten sollte, sportlich haben die 46ers als Tabellenletzter mit nur vier Punkten eigentlich keine Chance mehr, sich in der Liga zu halten.
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