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09. September 2015

Basketball-EM: Kämpfen statt glänzen

 Von 
Harte Arbeit unter dem Korb: Johannes Voigtmann.  Foto: dpa

Johannes Voigtmann muss in der Nationalmannschaft eine andere Rolle einnehmen als bei den Skyliners.

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Nach jeder Vormittags-Einheit wirft Johannes Voigtmann noch ein paar Bälle auf den Korb. Der Center der deutschen Nationalmannschaft stellt sich dafür aber nicht in die Nähe der Reuse, sondern 6,75 Meter weiter weg, also an der Dreipunktlinie auf. Routine für den 22-Jährigen, der ein weiches Handgelenk und einen guten Wurf hat. Dass der Center der Frankfurt Skyliners überhaupt bei der Europameisterschafts-Vorrunde in Berlin dabei ist, damit hatte er vor zweieinhalb Wochen selbst nicht gerechnet. Bis sich Maik Zirbes am Sprunggelenk verletzte.

Bundestrainer Chris Fleming hatte Voigtmann schnell bedeutet, dass er hinter Tibor Pleiß den back-up geben wird. „Ich muss über die Verteidigung ins Spiel kommen“, erklärt der gebürtige Eisenacher seine Rolle. Er soll rebounden, und wenn nötig auch mal zulangen und ein Foul kassieren. So geschehen gegen die Serben, als er deren Superstar Milos Teodosic hart auf den Oberarm und auch ins Gesicht schlug. „Das gehört zum Basketball dazu“, erklärte Voigtmann schulterzuckend, der seine Kämpferqualitäten in den Vordergrund rückt.

In Frankfurt, wo er noch Vertrag bis 2017 hat, ist Johannes Voigtmann seit zwei Jahren längst Starter auf der Fünf. Er führte die Skyliners ins Top-Four-Turnier der Eurochallenge und auf den sechsten Tabellenplatz in der Bundesliga. Voigtmann kam neben 12,2 Punkten und 5,9 Rebounds auf 2,5 Assists. Seine gute Übersicht ist für einen Center besonders bemerkenswert und rührt von seiner Zeit als Handballer her, bis er im Alter von 15 Jahren beschloss, Basketballer zu werden. Für seine Leistungen wurde er von der Liga zum besten Spieler unter 23 Jahren und zum „most improved player“ – der Spieler, der sich am meisten gesteigert hat – ausgezeichnet. Die Auszeichnungen haben Voigtmann zwar stolz gemacht, er hätte sie aber liebend gerne gegen seine Gesundheit eingetauscht. Am Tag der Auszeichnung spielten die Frankfurt Skyliners ihr zweites Playoff-Spiel gegen den FC Bayern München – ohne ihren Center. Er war im ersten Spiel auf dem Fuß von Heiko Schaffartzik gelandet und umgeknickt. Die Diagnose: Bänderriss im Sprunggelenk und sechs Wochen Pause. Die Skyliners schieden aus.


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Seinen Frust bewältigte der 2,09 Meter große Athlet in den ersten Wochen mit Essen und wog zeitweise 116 Kilogramm. Skyliners-Athletiktrainer Dennis Wellm setzte Voigtmann auf Diät. Zum Vorbereitungs-Trainingslager der Nationalmannschaft fuhr er mit austrainierten 109 Kilogramm und überzeugte Bundestrainer Fleming.

„Wir wollen hier was erreichen“, hat der Mann mit der Trikotnummer 77 vor dem EM-Start gesagt. Am Freitag steht für ihn und die Nationalmannschaft das Endspiel gegen die bislang enttäuschenden Spanier an. Johannes Voigtmann will unbedingt ins Achtelfinale, ansonsten muss er seine Bälle wieder in der Frankfurter Trainingshalle auf den Korb werfen.

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