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02. Dezember 2012

Bayer Leverkusen: Bis zum Schmerz und weiter

 Von Daniel Theweleit
Faust und Finger: Stefan Kießling (l.) und Lars Bender setzen Zeichen.Foto: dpa

Jahrelang haben die Leverkusener ihn herbeigesehnt, in dieser Saison beherrschen sie ihn endlich: den dreckigen Sieg. Dabei verkörpert Gonzalo Castro Leverkusens charakterliche Metamorphose wie kein anderer im Team.

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Jahrelang haben die Leverkusener ihn herbeigesehnt, in dieser Saison beherrschen sie ihn endlich: den dreckigen Sieg. Dabei verkörpert Gonzalo Castro Leverkusens charakterliche Metamorphose wie kein anderer im Team.

Leverkusen –  

Lars Bender war erschöpft, sein ausgezehrtes Gesicht war ein untrügliches Zeichen dafür. Wieder einmal war der Mittelfeldspieler über zwölf Kilometer gelaufen, seine Beine waren schwer, als er nach dem hart erkämpften 1:0 von Bayer Leverkusen gegen den 1. FC Nürnberg in die Gänge der Arena schlurfte. Auch seinen Schritten war die Müdigkeit anzusehen, und deshalb passte Benders schöner Satz, der die Hinrunde des Werksklubs auf den Punkt bringen sollte, ganz wunderbar: „Wir waren bisher die Schleicher der Liga und sind peu à peu nach vorne gekrochen.“

"Ich geh grad kotzen"

Dann schlich Bender unter die warme Dusche, um später die Partie zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund anzuschauen, die Leverkusen endgültig in den Status des großen Spieltagsgewinners erhob. Denn von den Klubs, die vor diesem Wochenende im oberen Drittel der Tabelle standen, hat nur Leverkusen gewonnen, und sie haben dieses Kunststück in einer Art und Weise vollbracht, die die Menschen im Verein ganz besonders glücklich macht. Trainer Sascha Lewandowski freute sich wieder einmal über die „Mentalität der Mannschaft, die sich an so einem Tag, wo es nicht so gut läuft, einfach durchbeißt“. Auch das sei „eine Form von Qualität“.

Genaugenommen ist diese erstaunliche Robustheit der Körper und der Köpfe nicht nur irgendeine Form von Qualität, vielmehr handelt es sich um genau jene Eigenschaft, die die Leverkusener seit Jahren herbeisehnen: die Fähigkeit zum dreckigen Sieg. „Entscheidend ist dieser Wille, diese Leidenschaft, diese Laufbereitschaft, die wir in diesem Jahr an den Tag legen“, sagte Bender, dessen Mittelfeldkollege Stefan Reinartz sich in der Schlussphase derart verausgabt hatte, dass sein Magen zu krampfen begann. „Ich geh grad kotzen, dann komme ich“, rief er den wartenden Journalisten auf dem Weg in die Kabine zu. Diese neuen Leverkusener sind bereit, sich bedenklich nah an die Schmerzgrenze heranzubewegen.

Vieles war auch schiefgegangen

Allerdings war an diesem Nachmittag auch eine Menge schiefgegangen. Es hatte zahllose Fehlpässe gegeben, André Schürrle bereitete zwar das Tor des Tages vor, das der im Abseits stehende Stefan Kießling erzielte (37.), machte ansonsten aber auch viele Dinge falsch. Simon Rolfes ist längst nicht mehr jener brillante Mittelfeldspieler, der er in seinen besten Tagen gewesen ist, es gab Missverständnisse im Spielaufbau und nur wenige wirklich klare Torchancen. Getragen wird die Mannschaft von strategisch klugen Fleißarbeitern wie Stefan Reinartz, Bender, Ramos Carvajal, dem ewig kämpfenden Kießling, und Gonzalo Castro, der Leverkusens charakterliche Metamorphose verkörpert wie kein anderer im Team.
Castro gewinnt plötzlich Zweikämpfe, die er in der vorigen Saison gar nicht erst geführt hätte, eigentlich ist er Außenstürmer, am Samstag hat er in vielen Phasen leidenschaftlich verteidigt, um den knappen Vorsprung über die Zeit zu retten. Die Nürnberger hatten in der Schlussphase, als sie mit hohem Risiko auf den Ausgleich drängten, keine einzige Torchance mehr, auch das ist ein Indiz für die Leverkusener Stabilität.

Sechs von sieben Ligaspielen haben sie zuletzt gewonnen, dazu das Pokalspiel in Bielefeld, auch die Qualifikation für das Achtelfinale der Europa League haben sie geschafft. Doch die neue Zähigkeit ist noch ein fragiles Gebilde, ein etwas selbstbewussteres Team als Nürnberg hätte am Samstag mehr erreichen können beim Überraschungszweiten der Liga.

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