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20. Februar 2011

Bob-WM in Königssee: Die Machtfrage

 Von Christian Schwager
Deutscher Jubel: Pilot Manuel Machata (l.) und Anschieber Andreas Bredau (2.v.l.) sowie Pilot Thomas Florschütz (r.) und Kevin Kuske feiern ihre zweiten Plätze. Foto: dapd

Für die deutschen Piloten war die Zweierbob-Weltmeisterschaft ein voller Erfolg: Zeitglich belegten Thomas Florschütz und sein Anschieber Kevin Kuske zusammen mit Manuel Machata und Andreas Bredau den zweiten Platz.

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Goldener Hintern

Cathleen Martini und Romy Logsch haben bei der Bob-WM am Königssee Gold gewonnen. Sandra Kiriasis und Berit Wiacker wurden nur Vierte. Die neue Weltmeisterin hatte sich noch im Januar bei einem Treppensturz im Rahmen des Weltcups in Winterberg am Sprunggelenk verletzt. Eine freiwillige Auszeit nahm sie sich dann unmittelbar vor der WM. Eine Woche lang hat Martini keinen Schlitten angesehen. „Danach bin ich ganz anders in den Bob gestiegen“, erzählte die Sächsin. „Ich habe wieder auf meinen Arsch gehört.“ Vor einem Jahr bei Olympia in Whistler war Martini gestürzt, wobei Romy Logsch aus dem Bob geschleudert wurde. Erst im Januar konnte sie wieder starten. fr

Der Prinz kommt. Ein Schriftzug auf dem Rücken seiner Daunenjacke weist ihn als Mitglied des monegassischen Bobteams aus. Prinz Albert ist diesmal nicht als Vertreter des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) hier, schließlich gehört die Bahn von Königssee zu Münchens Bewerbung um die Winterspiele 2018. Neutralität ist somit geboten. Der frühere Bobpilot Albert aber applaudiert parteiisch, und zwar dem Russen Alexander Zubkow, der mit Anschieber Alexej Woewoda soeben die Weltmeisterschaft im Zweier gewonnen hat.

Zuvor hat der Prinz Thomas Florschütz und Kevin Kuske gratuliert, Team Deutschland 3, dann Manuel Machata und Andreas Bredau, Team Deutschland 1. Florschütz und Machata haben ihre Schlitten nach vier Läufen zweitgleich auf Platz zwei pilotiert, 0,18 Sekunden hinter Zubkow. Jetzt schaukeln die Nationalflaggen sacht den Wolken entgegen, hinter denen der verschneite Gipfel des Jenner liegen muss. Rechts neben der russischen Flagge hängen zwei deutsche übereinander. Der Wettkampf nach dem Wettkampf beginnt. Es geht darum, wer die Nummer eins unter den Piloten des Landes ist.

Thomas Florschütz sagt laut vernehmlich: „Ich.“ Er sitzt im Pressezentrum der Bobbahn, einen Teller auf den Knien. Es gibt paniertes Schnitzel mit Kartoffelsalat. Der Riesaer ist 33 Jahre alt geworden an diesem Sonntag, er ist gut gelaunt und findet: „Ich habe vier ordentliche Läufe heruntergebracht.“ Es sei „ein schönes Gefühl, bester Deutscher zu sein“, sagt er, da er allein ist und die Deutungshoheit hat. Florschütz sagt: „Ich war ja lange genug die Nummer zwei hinter Andre Lange.“ Olympiasieger Lange ist inzwischen pensionierter Pilot. Es geht in dieser Saison um seine Nachfolge und wie so oft im Profisport um Geld. „Die Nummer eins bekommt mehr als der Zweite oder Dritte“, sagt Florschütz, der sein Saisonbudget auf einen unteren sechsstelligen Betrag beziffert, Sponsorenbezüge inklusive.

Vielleicht fühlt sich Florschütz als legitimer Anführer, weil ihm dieser Winter sehr viel abverlangt hat. Zu Beginn warf ihn eine Operation zurück, „so ein blödes Ding mit dem Rücken“. Er gab nicht auf, arbeitete am Comeback. Währenddessen sorgte Machata für Aufsehen, ausgerechnet der 26-Jährige, bis 2004 Skilangläufer, ein Quereinsteiger, aber sehr erfolgreich. Zwei Weltcupsiege im Zweier und drei im Vierer errang er in dieser Saison, sogar auf der tückischen Bahn in Whistler lag er vorn. Und er hat den Gesamtweltcup für sich entschieden.

„Er macht den Arrivierten Druck“, sagt Bundestrainer Christoph Langen und beschreibt den für Potsdam startenden Piloten als akribischen, ehrgeizigen Arbeiter. Vor allem aber hat Machata starke Nerven. Er hat das in Königssee bewiesen. Im letzten Lauf riskierte der gebürtige Berchtesgadener noch mal alles, er wurde dafür belohnt. Die Machtfrage im deutschen Bobsport scheint auch für Machata geklärt zu sein, in anderer Weise als für Florschütz. „Platz zwei bei meiner ersten WM“, sagt er, „das ist ein Super-Resultat, das passt super zu dieser Saison.“ Vor einem Jahr noch hatte er nicht zum Saisonhöhepunkt mitreisen dürfen, bei Olympia in Vancouver erhielten Andre Lange, Thomas Florschütz und Karl Angerer den Vorzug vom damaligen Bundestrainer Raimund Bethge. Dabei hatte Machata in der internen Qualifikation auf Platz zwei hinter Lange gelegen.

Keine vorgefasste Hierarchie

Unter Christoph Langen gibt es keine vorgefasste Hierarchie. Er will den Konkurrenzkampf im Team. „Alle bekommen das gleiche Material“, erzählt Florschütz. „Alles geht über seinen Tisch.“ Die Athleten Florschütz und Machata waren bei der WM nun am Ende gleichauf. Vermutlich hätte Machata vorn gelegen, wenn er beim Start schneller wäre. Doch er ist kein Leichtathlet wie viele Piloten und Anschieber. Es fehlt ihm die Explosivität, doch er sagt: „Am Start werden wir jetzt weiter arbeiten.“ Es bleibt noch etwas Zeit. Die WM-Rennen im Vierer beginnen erst am Samstag.

Sicher hätte Machata am Wochenende einen kräftigeren Antritt gehabt, wären da nicht die Beschwerden in der linken Leiste gewesen, an denen er seit zwei Wochen laboriert. „Egal“, sagt er, und hinter seiner Brille funkeln zwei angriffslustige Augen: „Am Ende der Saison beißt man die Zähne zusammen.“ Denn ein Erfolg im Vierer verheißt zusätzliches Prestige – und die Deutungshoheit in der Frage nach der deutschen Nummer eins.

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