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22. November 2012

Borussia Dortmund Champions League: Götze-Gala in Amsterdam

 Von Daniel Theweleit
Freude pur: Mario Götze. Foto: imago sportfotodienst

Dank eines Auftritts mit dem Prädikat "Extraklasse" von Ausnahmespieler Mario Götze trumpft der BVB in der Champions League groß auf. Der 20-Jährige bereitet drei Tore vor und erzielt eins selbst.

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Dank eines Auftritts mit dem Prädikat "Extraklasse" von Ausnahmespieler Mario Götze trumpft der BVB in der Champions League groß auf. Der 20-Jährige bereitet drei Tore vor und erzielt eins selbst.

Plötzlich war die Stimme von Kevin Großkreutz ganz leise. Nur noch ein Flüstern brachte der Mittelfeldspieler hervor, als er eine erste Bilanz dieser Dortmunder Champions-League-Vorrunde zog. „Das ist der Wahnsinn, diese Gruppe als Tabellenführer zu beenden“, hauchte Großkreutz, „aber es ist verdient, weil wir jeden Gegner von Anfang an beherrscht haben“.

Der stolze Fußballer wirkte, als werde ihm geradezu unheimlich beim Gedanken an den erstaunlichen Verlauf dieser ersten Europapokalphase, schließlich ist „beherrscht“ ein starkes Wort, und es handelt sich um Kontrahenten der edelsten Kategorie: Real Madrid, Manchester City und Ajax Amsterdam, wo der BVB am Mittwochabend nach einer atemberaubenden Aufführung mit 4:1 (3:0) gewonnen hat, den Einzug ins Achtelfinale sicherte und einen uneinholbaren Vorsprung auf den Tabellenzweiten Real Madrid herausspielte.

Ajax chancenlos

Großkreutz’ Wortwahl mag auf den ersten Blick erstaunen, aber sie trifft den Kern. Selbst die Auswärtsspiele in Madrid und Manchester hätte der BVB um ein Haar gewonnen, und Ajax Amsterdam war völlig chancenlos gegen den Deutschen Meister. „Die drei Spieler da vorne“, sagte der ganz und gar desillusionierte Amsterdamer Defensivstratege Christian Poulsen, „Götze, Lewandowski und Reus, die haben ja aus jeder Chance sofort ein Tor gemacht.“ 

Damit benannte der ehemalige Schalker den auffälligsten Aspekt dieser Partie. Marco Reus, der das wichtige 1:0 erzielte (8.) und Mario Götze, der zum 2:0 traf (36.) und die anderen drei Treffer vorbereitete, hatte einen Weltklasseabend erwischt. Und Robert Lewandowski erzielte die beiden anderen Treffer(41.; 67.), natürlich auf der Basis einer beeindruckend reifen Mannschaftsleistung. Aber wie es so ist, wenn Fußballspiele rückblickend interpretiert werden: besonders einprägsam sind die außergewöhnlichen Momente, die spektakulären Augenblicke, und niemand konnte sich dem Spektakel entziehen, das Götze da veranstaltet hatte.

Einer wie Messi 

An allen Toren war der 20-Jährige beteiligt, er hatte die gegnerischen Abwehrspieler mit dieser faszinierenden Mixtur aus ungebremstem Tempo und federnder Leichtigkeit umkurvt, getäuscht und getunnelt, wie Lionel Messi an seinen besten Tagen. Götze hatte präzise geflankt, klug gepasst und kühl vollstreckt, und als er nach den Gründen für seine großartige Verfassung gefragt wurde, erwiderte er: „Ich bin einfach froh, dass ich wieder fit bin.“ Das Geheimnis der Weltklasseform ist also erschreckend simpel: Gesundheit. Diese Analyse sollte bescheiden klingen, bei genauer Betrachtung war sie aber eine Warnung an die Bundesliga und die verbleibenden 15 Konkurrenten in der Königsklasse. Denn der Subtext von Götzes Aussage bedeutet: „Wenn ich fit bin, spiele ich immer so gut.“ Er habe nach seinen vielen Verletzungen im Frühjahr und Sommer erst „den Rhythmus finden“, müssen, sagte er.

Der Auftritt des Nationalspielers war derart überragend, dass die Dortmunder es für klug hielten, den Zusammenhang der Leistung des Professoren-Sohnes mit der Leistung des Teams, statt den Beitrag ihres Stars zu betonen. „Ich bin kein Freund davon, einzelne Spieler über die anderen zu heben“, sagte Mats Hummels, „Lewandowski macht zwei Tore und arbeitet unglaublich viel für uns, alle anderen ebenso, die komplette Mannschaftsleistung ist ausschlaggebend.“ Und auch Jürgen Klopp schlug einen eher relativierenden Ton an: Götzes Leistung sei „außergewöhnlich, aber seinen Fähigkeiten entsprechend“ gewesen, meinte der Trainer. Das Kollektiv arbeitet daran, seinen womöglich begabtesten Spieler am Boden zu halten.

Euphorie weicht der Reife

Denn natürlich sind die Ruhe und die Reife, die von Roman Weidenfeller im Tor, von der Viererkette und der Doppelsechs mit dem umsichtigen Ilkay Gündogan, vom gesamten Team ausgestrahlt wird, das Fundament der fabelhaften Offensivmomente. Sportdirektor Michael Zorc bezeichnete den Auftritt als „sehr clever, routiniert und professionell“, während Ajax Trainer Frank de Boer meinte: „In jeder Szene konnte man sehen, dass Dortmund schon viele solcher Spiele bestritten hat. Bei ihnen kann jeder glänzen.“

 Die Euphorie, und die Neigung zum Übermut des Vorjahres sind der Reife eines Champions gewichen, und dieses neue Element ist wohl auch der Grund dafür, dass Trainer, gegnerische Spieler und Fußballweise von José Mourinho über Sami Khedira bis Franz Beckenbauer den BVB mittlerweile zum Kreis der Anwärter auf den Titelgewinn zählen. „Wenn sie weiter so spielen, kann es ihnen egal sein, gegen wen sie im Achtelfinale spielen. Wer zwei Mal Real Madrid so an die Wand spielt, dem kann man den Champions-League-Sieg auf jeden Fall zutrauen.“, sagte Franz Beckenbauer in Fernsehen.

Die Eindrücke, die der BVB in dieser Europapokalsaison hinterlassen hat, liefern in der Tat reichlich Argumente für diese These, kein Wunder also, dass so manchem BVB-Spieler ein bisschen unheimlich wurde in dieser windigen Herbstnacht von Amsterdam.

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