Roman Abramowitsch hat mit Sicherheit nichts dagegen, in die Historie einzugehen. Schließlich ist, wer steinreich ist, gerne mal geltungsbedürftig. Deswegen dürften dem russischen Oligarchen folgende historische Fakten recht sein: Seit seinem Einstieg als Mäzen beim FC Chelsea gewann der Klub drei Mal den englischen Titel und im vergangenen Mai die Champions League: ein historischer Moment, weil es zum ersten Mal passierte. Den jüngsten Eintrag in die Geschichtsbücher hätte sich Abramowitsch wohl gerne erspart. Chelsea ist nach der Gruppenphase der Champions League raus. Die historische Dimension? Erstmals seit Einführung der Königsklasse 1992 schaffte es der Gewinner in der darauffolgenden Saison nicht in die K.-o-Runde.
Ist das Aus des Titelverteidigers nun Zufall? Wohl eher nicht. Es ist eine Frage der Klasse − der fehlenden Klasse. Chelsea − oder besser: Abramowitsch − hat den Zeitpunkt verpasst, dem Team rechtzeitig frisches Blut zuzuführen. Die Säulen der vergangenen Jahre, Frank Lampard, Didier Drogba, Petr Cech, John Terry, Ashley Cole, Ricardo Carvalho, Michael Essien oder Deco haben aufgehört, den Klub verlassen oder sind in die Jahre gekommen. Chelseas Spiel hat längst nicht mehr die Organisation und die Wucht, die das Team lange Jahre ausgezeichnet hatten, der Champions-League-Sieg war eher den Versäumnissen des FC Bayern geschuldet.
Abramowitsch wiederum hat in der jüngsten Vergangenheit bei seinen Einkaufstouren mehr daneben gegriffen, als dass ihm Treffer gelungen wären − vom spanischen Nationalspieler Juan Mata vielleicht mal abgesehen. Torjäger Fernando Torres etwa wurde geholt, als er seinen Zenit bereits überschritten hatte. Und Gary Cahill, Cesar Azpilicueta, Eden Hazard, Oscar, Marko Marin, Oriol Romeu oder Victor Moses sind nicht das, was man internationale Klassespieler nennt. Insofern ist Chelseas Aus zwar historisch, aber keine Sensation.
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