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13. September 2012

Darmstadt 98: Seeberger: "Ich habe mich neu sortiert"

Lilien-Trainer Jürgen Seeberger. Foto: picture-alliance/ dpa

Seit kurzem leitet Jürgen Seeberger die Fußballer des Drittligisten SV Darmstadt 98 an. Am Samstag wird es ernst, dann gastieren die Lilien in Halle. Zurückblicken will er nicht mehr.

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Jürgen Seeberger, 47, leitet seit kurzem die Fußballer des Drittligisten SV Darmstadt 98 an, am Samstag wird es ernst, dann gastieren die Lilien in Halle. Zurückblicken will er nicht mehr. „Ich habe mir die vorherigen Spiele nicht angesehen, ich will unbelastet und frei sein.“ Seeberger, in Konstanz aufgewachsen, verbrachte viele Jahre in der Schweiz, eine Zeit, die ihn geprägt hat. Zuletzt trainierte er die zweite Mannschaft des VfB Stuttgart. 16 Monate war er ohne Job. Nun greift er neu an. Und gibt eine klare Losung aus: „Jeder ist wichtig, aber keiner sollte sich zu wichtig nehmen.“

Herr Seeberger, können Sie sich noch erinnern, wann Sie Ihre Fußballlehrer-Lizenz gemacht haben?
Puh, die Lizenz liegt oben auf dem Schreibtisch, aber an das Datum kann ich mich gar nicht erinnern. Ich habe die Ausbildung in der Schweiz gemacht, da war ich Trainer in Schaffhausen. Das muss so zehn Jahre her sein. Weshalb fragen Sie?

Wir haben den Eindruck, dass sich der Fußball geraden im letzten Jahrzehnt enorm verändert hat. Sehen Sie das genauso?
Für mich war es so, dass ich diese Veränderungen ja schon früher kennengelernt habe. Die Ausbildung in der Schweiz war extrem gut. Die haben dort schon 1994 angefangen, alles zu professionalisieren und zu überdenken. Weil Sie ja 30 Jahre nicht dabei waren bei großen Turnieren. Das hat man in Deutschland gar nicht so mitbekommen, weil die Schweiz als kleines Land ja immer belächelt wurde.

Waren Sie ihrer Zeit voraus?
Ach, das will ich nicht sagen. Sie müssen einfach sehen, was sich in Deutschland in den letzten zehn, zwölf Jahren entwickelt hat. Das ist sensationell. Die Nationalmannschaft spielt tollen Fußball, hat einen anderen Stil entwickelt. Und es kommen so viele junge Spieler nach, sehr gute Spieler, weil sie super ausgebildet werden. Es ist doch auch kein Zufall, dass wir zum Beispiel hier in Darmstadt viele Spieler haben, die aus Leistungszentren der Bundesligisten stammen: Danny Latza etwa, Hanno Behrens, Julian Ratei oder Sebastian Zielinsky, um nur einige zu nennen.

Wie wichtig ist es für einen Trainer heutzutage, sich und sein Produkt zu verkaufen?
Fußball ist immer noch elf gegen elf mit zwei Toren, es gibt nur einen Mann mit Pfeife. Aber es gibt eine neue Begrifflichkeit, klar. Natürlich will sich jeder Trainer auf eine gewisse Art und Weise präsentieren, auch, um den Medien gerecht zu werden. Das machen manche ganz geschickt, verkaufen sich und ihre Ware gut. Auch in der dritten Liga ist eine gewisse Medienwirksamkeit nicht von Nachteil, aber mir ist zweitrangig, wie ich rüberkomme. Mir ist die Arbeit mit der Mannschaft wichtig. Natürlich hat sich der Fußball und das Drumherum verändert, aber vielleicht kommt man ja irgendwann wieder aufs Alte zurück, wie in der Mode, dann sind die Hosen mit Schlag wieder modern.

Wie ist es, wenn man plötzlich für mehr als ein Jahr raus ist aus dem großen Fußballgeschäft?
Für mich war die Zeit gut. Ich habe das erste Mal richtig Abstand gewonnen. Auch geistig. Ich habe mich neu sortiert. Und dadurch hatte ich den Kopf frei.

Aber hatten Sie nicht Angst, weg vom Fenster zu sein?
Ich dachte schon, dass ich in Deutschland noch einiges vor mir habe, weil ich mit Aachen und Stuttgart Spuren hinterlassen habe. Und ich habe ja jetzt recht behalten. Aber dass man manchmal das Gefühl hat, nicht mehr gefragt zu sein, ist klar und nicht angenehm. Da braucht man eine Stabilität als Mensch und muss die Wertigkeit gegenüber gewissen Themen richtig einordnen.

Haben Sie den Eindruck, dass in Deutschland die Spieler immer jünger werden?
Die Beobachtung ist die, dass viele Trainer auf die Jüngeren setzen, wenn sie die Wahl haben. Das mag daran liegen, dass das Spieltempo sehr viel schneller geworden ist. Ältere Spieler müssen heutzutage noch mehr auf ihren Körper achten. Denn wenn du heute die Athletik und die geistige Frische nicht mehr hast, hast du keine Chance.

Herr Seeberger, aus der Entfernung würden wir mal sagen, Ihre intensivste Zeit hatten Sie in Aachen, oder?
Wie viel Zeit haben wir? Drei Stunden? In Kurzform: In Aachen war in 20 Monaten alles drin, was es im Fußball geben kann. Der Verein war damals durch die Decke geschossen: DFB-Pokal-Finale, Uefa-Cup, Aufstieg in die Bundesliga nach 40 Jahren, neues Stadion vor der Tür. Und dann gab es interne Unstimmigkeiten. Das war schade. Wir haben viele Punkte geholt, sind Vierter geworden. Nürnberg, Mainz, Freiburg sind hoch − mehr war nicht drin, wir haben definitiv das Optimale rausgeholt.

Das Gespräch führte Ingo Durstewitz.

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