Aktuell: Olympia 2016 in Rio | Sport A-Z | Fußball-News | Eintracht Frankfurt | Blog-G
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Sport
Sport-Nachrichten, Ergebnisse und Live-Ticker

08. August 2010

Denksport: Missverständliches bei „Schach“ und „Iran“

 Von Hartmut Metz

Nach dem Verbot unter Ayatollah Khomeini boomt der Denksport jetzt wieder im Iran. Jetzt ist eine Delegation in Mainz.

Drucken per Mail

Die Begriffsverbindung „Schach“ mit „Iran“ verheißt bei Google nichts Gutes. In der Mehrzahl der Suchergebnisse im Web gedenken die USA, die potenziellen Atombomben-Bauer in Schach zu halten. Andere Weltmacht-Gelüste treiben aber Ehsan Ghaem Maghami um, der sich sicher ist, dass Googles Treffer bei „Schach“ und „Iran“ bald vorrangig den Denksport listen. „Wir haben eine strahlende Zukunft vor uns“, sagt der Großmeister und sieht das königliche Spiel an seiner Wurzel wieder erblühen.

Das Urschach Chaturanga entstand in Nordindien als Spiel für vier Personen. In Persien bekam es vom achten Jahrhundert an außer seinen wesentlichen Grundzügen auch den Namen ihres Herrschers, weil der König im Mittelpunkt stand: Schah. Die arabischen Eroberer trugen das Kriegsspiel mit dem Islam bis nach Europa, wo es ab dem 13. Jahrhundert zu den sieben Tugenden der Ritter zählte, und im 15. Jahrhundert in Spanien seine heute noch gültigen Regeln erhielt.

Trotz der großen Tradition war Schach verpönt unter Ayatollah Khomeini. Der Revolutionsführer verbot 1981 das königliche Spiel nicht wegen der Erinnerung an den vertriebenen Erzfeind Schah. Das älteste Brettspiel fiel unter den Bannstrahl, weil in den Parks um Geld gezockt wurde und der Islam das untersagt. „Das Verbot war bescheuert und ein Unfall“, urteilt Ghaem heute. Durch eine weitere Fatwa ließ Khomeini das königliche Spiel 1988 wieder aus dem Untergrund zurückkehren.

Die iranische Nummer eins zeigt sich überzeugt, dass „solch ein Ukas“ kein zweites Mal Unheil verrichten kann. „Wir haben eine offenere Gesellschaft. Vor allem ist Schach aber inzwischen zu populär. Nur Fuß-, Basket- und Volleyball stehen vor uns, vielleicht noch Gewichtheben. Jede vierte Familie in unserem 71-Millionen-Volk spielt mindestens einmal in der Woche Schach“, führt der Hamburger Bundesligaspieler aus. Wie in der Türkei üben die Schüler fleißig, denn „ihre Eltern sind überzeugt, dass der Denksport auch eine gute Schule fürs Leben ist“. Präzise Statistiken führt der iranische Schachverband nicht. Ghaem schätzt die Zahl der Aktiven aktuell allerdings auf mehrere Hunderttausend, „wenn nicht gar auf mehr als eine Million“.

„So populär wie Anand“

Der 27-Jährige betreibt in Teheran allein vier der mehr als 20 Schachschulen. Sein Großmeister-Kollege Morteza Mahjoob Zardast hat jetzt seine dritte eröffnet. Die staatliche Förderung fällt so üppig aus, dass Ghaem kein Salär benötigt. „Beim Hamburger SK spiele ich wegen des guten Teamgeists, die müssen mir nur die Flugspesen bezahlen“, erläutert der Star. „Ich bin bei uns sicher so populär wie Weltmeister Viswanathan Anand in Indien“, bestätigt er wie selbstverständlich. Anno 2000 fand in Teheran nicht nur das WM-Finale statt, das Anand vorzeitig mit 3,5:0,5 gegen Alexej Schirow gewann – Ghaem wurde auch mit 18 Großmeister und löste den Boom aus. „Ich habe mehr als 45 internationale Turniere gewonnen und bei Asien-Meisterschaften 17 oder 18 Medaillen im Einzel und mit der Mannschaft geholt“, sagt der Weltranglisten-259. Die asiatischen Titelkämpfe zählen im Iran besonders viel, weshalb eine siebenköpfige Delegation zu den Chess Classic nach Mainz pilgerte, um dafür in Form zu kommen. Bei der Schnellschach-WM in der Rheingoldhalle lagen Ghaem, Mahjoob und Elshan Moradiabadi zur Halbzeit mit 4:1 Punkten im Verfolgerfeld. Letzterer hält einen besonderen Weltrekord: Der Großmeister marschierte 18 Stunden lang 500 Bretter ab. 397 Gegner mussten bei dem Simultan aufgeben, 90 Partien endeten mit einem Remis und nur 13 verlor Moradiabadi.

Bei Mädchen beliebt

Bei ihrem Vorbereitungsturnier in Mainz trumpfen auch die iranischen Frauen auf. Atousa Pourkashiyan sammelte in dem mit Weltklassespielern gespickten Mammutfeld (701 Teilnehmer) ebenso 4:1 Zähler. Im Frauen-Klassement liegen außerdem Ghaems Ehefrau Shayesteh Ghader Pour Taleghani und Shadi Paridar mit 3,5 Punkten in Lauerstellung. Weil andere Sportarten im Iran wegen der ab dem neunten Lebensjahr einsetzenden Verhüllung nur mit Handicap auszuüben sind, erfreut sich Schach bei den Mädchen großer Beliebtheit. „Wir waren die ersten Sportlerinnen, die außer Landes antreten durften“, betont Paridar. Die 24-Jährige hält ihren Titel als erste iranische Großmeisterin nur für eine Zwischenstation. „Bei den Nachwuchs-Weltmeisterschaften der U8 bis U18 räumten wir ab. Nur Russland und China waren besser!“ Und Ghaem schiebt nach: „Die Schach-Welt hört bald noch mehr von uns!“ Google wird die Treffer zeigen.

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus
Anzeige

Anzeige

Ressort

Sport-Nachrichten, Ergebnisse und Live-Ticker.

Wechselgerüchte

Charme

Von  |
Wohin es den deutschen Nationalstürmer in diesem Sommer zieht, ist noch völlig unklar.

Einen neuen Verein hat Mario Gomez noch nicht gefunden. Über einen Wechsel nach Dortmund wird weiterhin spekuliert und die heiße Transferphase hat noch nicht begonnen. Ein Kommentar. Mehr...

Ticker und Statistik

Erste Fußball-Bundesliga

Alle Spiele im Ticker - mit ausführlicher Livestatistik, Tabellen, Spielplan und den Teams.
Ticker | Berichte | Tabellen | Teams | Spielplan

Ticker und Statistik zur 2. Liga und 3. Liga.

Eintracht: Berichte | Spielplan | Team | FR-Videos

Anzeige