Zwei schriftliche Bekanntmachungen sind am Dienstag beim Deutschen Turner-Bund (DTB) in Umlauf gekommen. Betreff: Sofortiger Rücktritt des Vizepräsidenten Heinz-Joachim Güllüg. Inhalt: sehr verschieden.
Laut einer kurzen Mitteilung des DTB soll Güllüg schriftlich „persönliche Gründe“ für seinen Rückzug angegeben haben. In dem langen Brief, der der Frankfurter Rundschau vorliegt, steht davon nichts. Stattdessen erhebt Güllüg schwere Vorwürfe gegen das Präsidium des Verbands.
Güllüg soll nach FR-Recherchen während der Vergabe der Generalplanung für den Neubau bei dem Unternehmen, das später den Zuschlag bekam, als Steuerberater tätig gewesen sein. Der DTB hatte in der vergangenen Woche erklärt, davon „keine Kenntnis“ gehabt zu haben. Wie der DTB am Dienstag verbreitete, erklärte Güllüg nun, dass es „zum Zeitpunkt der Auftragsvergabe keine vertragliche Vereinbarungen“ gegeben habe.
Dokumente, die der FR vorliegen, erwecken einen anderen Eindruck. Sie legen den Verdacht nahe, Güllüg könnte versucht haben, das Unternehmen mit dem Auftrag für die Generalplanung aus einer finanziellen Schieflage zu befreien. Güllüg, als Vize beim DTB seit 2002 für Finanzen und Verwaltung zuständig, soll von 2003 bis 2009 als Steuerberater für das Unternehmen tätig gewesen sein, also auch zum Zeitpunkt der Vergabe im Jahr 2007.
Das Unternehmen hatte 2009 Insolvenz anmelden müssen, mitten während des Baus im Stadtwald – nach Angaben von DTB-Generalsekretär Hans-Peter Wullenweber der Grund dafür, dass der Bau erheblich teurer geworden war. So soll das Gebäude statt der geplanten 24 letztlich 38,9 Millionen Euro gekostet haben. Gegen den Geschäftsführer des Generalplaners ermittelt die Staatsanwaltschaft Düsseldorf wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung. Den Verband stürzten die Mehrkosten in erhebliche Finanznöte. Eine drohende Insolvenz konnte nach FR-Informationen bislang nur verhindert werden, weil Landesverbände ihre Beiträge vorschossen.
In seinem Schreiben bezieht sich Güllüg nun vor allem auf diese „prekäre finanzielle Situation“. Auf die Auftragsvergabe bei der Generalplanung habe er „keinen Einfluss“ genommen, maßgebend für seine Entscheidung zum Rücktritt sei vielmehr die „fehlende Unterstützung der wesentlichen Gremien“ im Verband gewesen. So sei die Einbeziehung der Landesverbände zur Lösung der Finanznöte „zu keinem Zeitpunkt“ mit ihm besprochen worden. Die derzeitige Vorgehensweise halte er „langfristig für kaum realisierbar“, seine Bedenken seien aber abgewiesen worden. „Ich bin derzeit nicht davon überzeugt, dass der Deutsche Turner-Bund den eingeschlagenen Weg zur Konsolidierung seiner Finanzen erfolgreich gehen kann“, so Güllüg.
Von „persönlichen Gründen“, wie vom Verband behauptet, steht in dem Schreiben nichts. Von Güllügs Kritik steht wiederum in der Mitteilung des DTB nichts. Stattdessen übermittelt der Verband ein Zitat von Präsident Rainer Brechtken. Er dankt Heinz-Joachim Güllüg für „großes Engagement“ und „viel Einsatz“.
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