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22. Oktober 2015

DFB-Chef: Die Wahrheiten des Wolfgang Niersbach

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Auftritt ohne Sponsorenwand: Wolfgang Niersbach.  Foto: rtr

Der DFB-Boss Wolfgang Niersbach wirft bei seiner Erklärung viele neue Fragen auf. Wenig später widerspricht ihm auch noch die FIFA in einem zentralen Punkt.

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Sogar der ehemalige DFB-Justiziar Goetz Eilers war persönlich erschienen, um den Worten des Präsidenten aus der Tiefe des Raumes zu lauschen. Die Verbands-Direktoren aus den verschiedenen Abteilungen saßen fast geschlossen auf einem Tisch am Rand des großen Sitzungszimmers. Auf die Werbewand, die sonst stets platziert wird, um die Sponsoren positiv ins Bild zu setzen, war verzichtet worden, und die Fotografen, die sich und ihre Kameras allzu nah am Präsidenten platziert hatten, wurden vom Pressechef auf Abstand geschickt: „Eure Objektive sind doch groß genug“.

Es war keine normale Pressekonferenz am Donnerstagmittag um 13 Uhr, wozu der Deutsche Fußball-Bund erst mit der denkbar knappsten Vorlaufzeit um viertel vor zwölf geladen hatte. Wolfgang Niersbach sagte, er wolle ein komplexes Thema „in aller Offenheit und Ehrlichkeit“ darstellen. Er war nervös, der rechte Fuß wippte ständig, denn er wusste ja, dass er längst nicht alle Fragen befriedigend beantworten konnte. Und manchmal wollte er es auch nicht.

Seltsame Begründung

Niersbach beharrte darauf, dass es entgegen der Quintessenz eines „Spiegel“-Artikels „keine schwarzen Kassen“ und „keinen Stimmenkauf“ bei der WM-Vergabe gegeben habe. „Die Behauptung, dass wir auf unlauterem, unkorrektem Wege diese wunderbare WM 2006 bekommen hätten, stimmt definitiv nicht.“

Dann erklärte der 64-Jährige, dass zwei Zahlungen von je 6,7 Millionen Euro an die Fifa-Finanzkommission aus den Jahren 2002 und 2005 Ergebnis einer Hinterzimmer-Diplomatie unter vier Augen waren. Nach Darstellung Niersbachs hätten Fifa-Boss Sepp Blatter und der deutsche WM-Organisationschef Franz Beckenbauer seinerzeit in einem Vier-Augen-Gespräch gar Sonderbares ausgeheckt: Die Fifa gewährt den deutschen WM-Organisatoren nur dann einen Zuschuss von umgerechnet 250 Millionen Schweizer Franken, wenn zuvor zehn Millionen Franken an den Weltverband überwiesen werden.

Wo die FIFA widerspricht

Offenbar durfte das aber kein offizielles Geld sein, jedenfalls informierte Beckenbauer zumindest den Kollegen Niersbach nicht über Blatters Ansinnen. Die Fifa meldete sich am späten Nachmittag und äußerte Zweifel an der Erklärung des DFB-Präsidenten. Es entspreche „in keinster Weise den Fifa-Standardprozessen, dass die finanzielle Unterstützung von WM-OKs an irgendwelche finanziellen Vorleistungen seitens des jeweiligen OKs oder seines Verbandes gekoppelt ist“. Indes: Der Mann, der das Vier-Augen-Gespräch mit Beckenbauer geführt haben soll, ist derzeit aufgrund einer 90-Tage-Sperre durch die Fifa-Ethikkommission von allen Aufgaben entbunden. Blatters Einlassungen zum Thema wären interessant. Sie dürften nicht lange auf sich warten lassen.

Wie dem auch sei: Beckenbauer sei jedenfalls bereit gewesen, erklärte Niersbach gestern, für die angeblich von Blatter geforderten zehn Millionen Franken „mit seinem Privatvermögen geradezustehen“. Dies wiederum habe Beckenbauers damaliger Manager Robert Schwan verhindert: „Schwan hat dann die Verbindung zu Robert Louis-Dreyfus geknüpft“. Adidas-Boss Dreyfus, wie Schwan inzwischen verstorben, habe die Zusage gegeben, diese zehn Millionen an die Finanzkommission der Fifa zu überweisen. Er, Niersbach, habe von diesem Vorgang vollumfänglich erst am Dienstag erfahren und seinerzeit nur „mitbekommen, dass es da was gab, was mit Dreyfus zu tun“ gehabt hätte.

Mehr dazu

Ein Jahr vor der WM sei das Geld dann über ein Fifa-Konto an den Franzosen zurückgezahlt worden – deklariert als Beitrag des deutschen Organisationskomitees für eine große Eröffnungsfeier in Berlin, die später nie stattfand. Ihm sei nicht bewusst gewesen, „dass dahinter die Rückzahlung dieses Geldes steckt“, sagte Niersbach. Er könne aber „nur für mich persönlich sprechen“. Ob Beckenbauer von der Verwendung des Geldes gewusst habe? „Kann sein.“ Es ergäben sich „Fragezeichen, die sehe ich auch“. Die WM-Bewerbung sei gleichwohl eine „total saubere, transparente Angelegenheit“ gewesen.

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