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01. März 2010

DFB im Visier: Der Kampf um die Medienmacht

 Von Jan Christian Müller
Steckt nun mit im komplizierte Geflecht: Margit Amerell. Foto: dpa

Exakt 24 Stunden nach dem Deutschen Fußball-Bund tritt die Amerell-Seite vor die Presse: in Gestalt der Ehefrau Margit. Im Sitten-Skandal erhebt sie schwere Vorwürfe gegen den Bund und Präsident Theo Zwanziger. Von Jan Christian Müller

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DFB-Präsident Theo Zwanziger hat sich am letzten Februartag unter doppelt widrigen Bedingungen - verheerende Folgen eines schweren Sturmtiefs über Deutschland und über seinem Verband - aufgemacht nach Kiel zur Rettung der altehrwürdigen Sportschule Malente. Ganz am anderen Ende der Republik, in der bayerischen Landeshauptstadt München, ließ sich zur Mittagszeit die Gattin des Ex-Schiedsrichterbetreuers Manfred Amerell im zweiten Stock des besten Hotels am Platz vor sechs Mikrofonen nieder. Sie tat das exakt 24 Stunden, nachdem vier weitere Unparteiische anonym dem Kollegen Michael Kempter gefolgt und ihren Ehemann öffentlich der sexuellen Belästigung in Verbindung mit der Ausnutzung seiner Machtposition bezichtigt hatten.

Die Präsentation der rechts und links von ihren Rechtsanwälten flankierten Margit Amerell im grauen Strickkleid geriet zu einem weiteren traurigen Tiefpunkt eines zunehmend verwirrenderen Falls, in dem vor der Anhörung am Donnerstag vor dem Münchner Landgericht verstärkt auch um die Instrumentalisierung der Medien gekämpft wird.

Der Deutsche Fußball-Bund präsentierte am Sonntag vier Unparteiische und lud dazu vier ausgesuchte Reporter der Bild-Zeitung, der Frankfurter Rundschau und der beiden Nachrichtenagenturen sid und dpa ein (die FR berichtete). Die Schiedsrichter zeigten zwar offen ihre Gesichter, berichteten von Übergriffen des Manfred Amerell gegen ihre Person, nannten aber aus Furcht vor Beeinträchtigungen des Privatlebens sowie der beruflichen und sportlichen Karriere ihre Namen nicht. Sie wurden begleitet von einem ehemaligen Bundesliga-Schiedsrichter, dem 44-jährigen Franz-Xaver Wack, einem Münchner Zahnarzt, der mit Manfred Amerell in den vergangenen fünf Jahren ein herzliches Nicht-Verhältnis gepflegt haben soll. Wack gab an, er sei der Vertrauensmann der Referees, die dies bestätigen.

Einen Tag später präsentieren Amerells Rechtsanwälte dessen Ehefrau, um den ihrer Meinung nach dringenden Verdacht einer "Verleumdungskampagne und eines Komplotts" gegen ihren Mandanten zu festigen. Margit Amerell berichtet von einem Besuch Franz-Xaver Wacks in der Nacht zum vergangenen Samstag im Augsburger Hotel Prinz Leopold. Das Haus wird von Frau Amerell und ihrem Mann persönlich geführt, Manfred Amerell habe sich aber in der fraglichen Nacht nicht dort aufgehalten. Wack habe ihr eröffnet, er hätte beim DFB Akteneinsicht erhalten, insgesamt zehn Männer hätten beim DFB gegen ihren Mann ausgesagt. Wack kenne Frau Amerell seit vielen Jahren, er nenne sie "Spatzerl" und bestätigte seinen Besuch, den er gegen 21.30 Uhr vor dem Abflug von Frankfurt nach München angekündigt habe.

In Frankfurt habe Wack zuvor mit DFB-Präsident Theo Zwanziger gesprochen. Nach Darstellung von Wack seien die beiden Männer überein gekommen, ein Besuch Wacks bei Frau Amerell könne dazu führen, dass Manfred Amerell sich "stellt" - dass der 62-Jährige also zugibt, was der DFB und der vor knapp drei Jahren von allen Schiedsrichter-Funktionen im Süddeutschen Verband zurückgetretene Wack nach deren eigener Darstellung glauben: Amerell habe seine Position als mächtigster Schiedsrichterfunktionär Süddeutschlands jahrelang in einem ausgeklügelten System aus Macht, Angst, Repressalien, Übervorteilung und Sexualität ausgenutzt

Die Erzählung endet damit, es sei schon weit nach Mitternacht gewesen, als der von Margit Amerell aus München bestellte Rechtsanwalt Jürgen Langer zum Gespräch mit Wack ins Hotel Prinz Leopold gekommen und bis drei Uhr morgens geblieben sei.

"Amerell diskreditieren"

Es ist derselbe Münchner Rechtsanwalt, der am Montag in der Pressekonferenz von einem System DFB/Dr. Zwanziger spricht. Er stellt die Frage: "Warum bekommt ein solcher Mann vom DFB Vernehmungsprotokolle zugestellt, in denen ehrverletzende Tatbestände aufgeführt werden, und der Gegenseite die Einsicht verwehrt wird?" Zudem verdächtigt Langer Wack und den DFB, die jungen Schiedsrichter für ihre Zwecke instrumentalisiert zu haben, indem "durch Absprache eine Riege aufgebaut" worden sei, "um Amerell zu diskreditieren". Man fragt sich nur: Warum sollten diese Männer das getan und Mitte Februar vor dem DFB und nun auch vor der Presse gelogen haben? Langer antwortet, es könnte für ihre weitere Karriere hilfreich sein. Zu den konkreten Vorwürfen der Schiedsrichter gegen Amerell sagt er nichts.

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