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18. Dezember 2012

DFB-Pokal Offenbach - Düsseldorf: Wiederauferstehung in Offenbach

 Von Sebastian Rieth
Offenbacher Jubel nach dem 1:0 durch Mathias Fetsch. Foto: dpa

Die Kickers aus Offenbach bescheren dem DFB-Pokal gegen Düsseldorf eine riesige Überraschung und ihrem Trainer vorerst Ruhe: Mit einem 2:0 (0:0) steht der OFC erstmals seit der Saison 2006/2007 in der Runde der letzten Acht.

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Die Kickers aus Offenbach bescheren dem DFB-Pokal gegen Düsseldorf eine riesige Überraschung und ihrem Trainer vorerst Ruhe: Mit einem 2:0 (0:0) steht der OFC erstmals seit der Saison 2006/2007 in der Runde der letzten Acht.

Die Botschaft war eindeutig. Als sich der erste, ganz große Jubel gelegt und fast jeder, der ein Trikot der Offenbacher Kickers trug, dem Torschützen Stefan Vogler das Haupt getätschelt hatte, rannten sie reihenweise zu ihrem Trainer. Nicolas Feldhahn sprang ihm glücklich in die Arme – größer konnte der Vertrauensbeweis für Arie van Lent nicht sein. Da stand eine Mannschaft auf dem Platz, die sich im Achtelfinale des DFB-Pokals gegen Fortuna Düsseldorf für ihren Coach zerriss, die um dessen letzte Chance kämpfte, einen magischen Abend in Offenbach feierte und die große Sensation schaffte. Der kriselnde Drittligist warf den haushohen Favoriten aus der Bundesliga nach Toren von Mathias Fetsch (76.) und Stefan Vogler (87.) mit 2:0 (0:0) aus dem Wettbewerb. Dem Pokalschreck Offenbach ist bereits die dritte faustdicke Überraschung gelungen. Der Bieberer Berg brodelte.

Nach der 1:5-Niederlage gegen den VfL Osnabrück am Samstag hatte die Vereinsführung ihren Trainer scheibchenweise demontiert. „Wir legen uns nur bis Düsseldorf fest“, sagte Sportdirektor Oliver Roth. Danach werde man „die Lage analysieren und Konsequenzen ziehen“. Ein Bekenntnis zu van Lent gab es nicht, von der Sitzung mit dem Präsidium, die morgen stattfinden soll, erfuhr er aus der Presse. „Wer nicht gewinnt, wird rausgeekelt“, vermutete der 42-Jährige. Hinter vorgehaltener Hand galt seine Entlassung bereits als sicher – egal, wie das Pokalspiel ausgehen würde.

Präsident Frank Ruhl widersprach allen Spekulationen, man habe mit potenziellen Nachfolgern gesprochen. „Das ist Unfug“, blaffte er. Nach FR-Informationen hatte Ruhl bei seiner Ansprache an die Mannschaft vor dem Spiel betont, dass der Trainer nicht zur Diskussion stünde. Am Wahrheitsgehalt darf gezweifelt werden, dennoch werden sie ihn nach diesem Erfolg nicht vor die Tür setzen können. Die Mannschaft kämpfte für ihren Trainer – und die Zuschauer unterstützten sie dabei. Es war das erste Mal, dass die Offenbacher ihren im Sommer fertiggestellten Prachtbau mit Leben füllten, dass sie den Bieberer Berg getreu dem Motto zum Beben brachten. Mit 18400 Zuschauern fanden viermal so viele Besucher den Weg ins ausverkaufte Stadion als zuletzt in der Liga.

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Die Fortuna nahm zwar den Pokalkampf an, aber wirklich zwingende Aktionen sprangen dabei nur zu selten raus. Ein Distanzschuss von Ken Ilsö (27.) war in der ersten Halbzeit die einzige Prüfung für OFC-Torhüter Robert Wulnikowski. Seine Vorderleute hielten die Düsseldorfer Offensive ansonsten weitgehend aus der Gefahrenzone. Van Lent hatte seine Mannschaft im Vergleich zur Pleite gegen Osnabrück nur auf zwei Positionen verändert, nahm Außenverteidiger Max Ahlschwede aus dem Kader, stellte dafür Marcel Stadel auf die rechte Seite und tauschte im Angriff Stefan Vogler für Thomas Rathgeber. Beides sollte fruchten. Vogler war ein ständiger Unruheherd und hätte mit seinen Chancen die Partie entscheiden können. In der 24. Minute feuerte er einen Volleyschuss aus 16 Metern ab, nach einer guten Stunde traf er das Außennetz.

Lukrativer Sieg

Zwar war der Bundesligist energisch aus der Kabine gekommen, die Kickers verstanden es aber zunehmend besser, ihre Konter zu Ende zu spielen. Die größte Möglichkeit vergab André Hahn freistehend vor Gästekeeper Fabian Griefer (56.). Völlig verdient gelang Fetsch, der auf einen Abpraller von Hahn lauerte, nach 76 Minuten die Führung. Vogler machte drei Minuten vor dem Ende mit dem 2:0 alles klar.

Die Kickers stehen erstmals seit 2007 unter den acht besten Teams im Wettbewerb und generieren durch den Einzug ins Viertelfinale, das heute Abend von Weltmeister Olaf Thon im Anschluss an die noch ausstehenden Begegnungen ausgelost wird, überlebenswichtige Finanzmittel. Die nächste Pokalpartie am 26./27. Februar spült eine Garantiesumme von mehr als einer Millionen Euro in die Kasse. Eine von vielen Seiten befürchtete Insolvenz ist damit wohl kein Thema mehr. Dieser magische Abend war ein doppelter Befreiungsschlag – für die Kickers und auch für van Lent.

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