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02. Januar 2013

DFB: Shaw hat recht

 Von Markus Lotter
Joachim Löw muss liefern. Foto: dpa

Wolfgang Niersbach, Präsident des Deutschen Fußballbundes, fordert von Joachim Löw noch vor der WM 2014 eine Entscheidung über dessen Zukunft. Ein Kommentar.

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Was George Bernard Shaw, der irische Dramatiker, mit Wolfgang Niersbach, dem deutschen Fußballfunktionär, gemein hat? Nun, beide haben sich zu ihrer Zeit mit der menschlichen Grundübung im „Erfahrungen machen“ auseinandergesetzt. Der eine, Shaw, kam dabei vor fast einhundert Jahren zu jenem Schluss: „Wir lernen aus Erfahrung, dass die Menschen nichts aus Erfahrung lernen.“ Der andere, Niersbach, erst gestern zu diesem: „Wir können auch wie 2010 in Südafrika mit offenen Verhältnissen ins Turnier gehen, wobei ich das in hohem Maße als nervig empfunden habe.“ Deshalb wolle er sich mit Joachim Löw noch vor der WM 2014 zusammensetzen und dessen Zukunft als Bundestrainer klären.

Das ist einerseits nachvollziehbar, weil die offene Vertragssituation von Löw vor dem Turnier in Südafrika ja tatsächlich ein großes, betriebsklimafeindliches Thema war. Andererseits blendet DFB-Präsident Niersbach bei seiner Retrospektive wichtige Aspekte aus. Aspekte, die bei der aktuellen Bewertung der Personalie Löw keinesfalls außer Acht gelassen werden dürfen. So untermauert Niersbach, der Löw zu einer vorzeitigen Vertragsverlängerung bewegen möchte, auf gewisse Weise die These von Shaw.

Löws Mannschaft ist nicht mehr wie vor zweieinhalb Jahren eine Mannschaft, der man aufgrund ihrer Jugend die Aufnahme in ein Welpenschutzprogramm genehmigt. Und Löw selbst ist nicht mehr der unantastbare Souverän, der uns vielleicht nicht das gewünschte Ergebnis, aber immerhin das Erlebnis garantiert. Er ist eben auch derjenige, der im Halbfinale der EM in Polen und der Ukraine in der Auseinandersetzung mit den Italienern einen geradezu historischen Coachingfehler begangen hat.

Für Löw gilt deshalb: Er muss liefern. Weil ein titelloser, zum vierten Mal in einer Endrunde gescheiterter Löw als Bundestrainer für die Zeit nach der WM in Brasilien nicht denkbar und deshalb auch nicht mehr vermittelbar ist.

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