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11. März 2016

DFB-Sportgericht: Sympathie für die Ehrlichen

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Reumütiger Gelbsünder: Zlatko Junuzovic wird von Schiedsrichter Felix Zwayer verwarnt.  Foto: imago

Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes spricht in den Fällen der bewusst herbeigeführten und zugegebenen Gelbsperren der Bremer Profis Junuzovic und Fritz salomonische Urteile.

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Christoph Schickhardt, der gewiefte Verteidiger der beiden Bremer Fußballprofis Clemens Fritz und Zlatko Junuzovic, war schon vor der mit Hochspannung erwarteten Verhandlung in der DFB-Zentrale guter Dinge: Er sei nicht optimistisch, dass er den Prozess gewinne, aber gewinnen würde er trotzdem. Das war listig formuliert. Denn Schickhardt wusste ja, dass die Statuten des Deutschen Fußball-Bundes dem Sportgericht keinen Spielraum einräumen würden, von Sanktionen abzusehen. Deshalb nahm der Ludwigsburger Anwalt die sowohl vom klagenden Kontrollausschuss als auch von den Angeklagten und ihrem Verein Werder Bremen schnell akzeptierten Geldstrafen über zusammen 40 000 Euro für seine Mandanten ganz bewusst in Kauf. So dürfen Junuzovic und Fritz am nächsten Samstag im Heimspiel gegen Mainz 05 wieder mitmachen.

Beide hatten sich vor einer Woche gegen Hannover 96 jeweils ihre fünfte Gelbe Karte abgeholt, um somit an diesem Samstag (18.30 Uhr) bei Bayern München ihre Gelbsperre absitzen zu können. Die Hürde Bayern gilt in Profikreisen ohnehin als schier unüberwindbar. Weil Junuzovic hinterher in TV-Interviews unverhohlen zugegeben hatte, dass er mit seiner Spielverzögerung bei einem Freistoß bewusst eine Verwarnung herbeigeführt habe, und Fritz zumindest angedeutet hatte, dass es sich bei seiner Gelben Karte wegen Haltens ähnlich zugetragen hätte, war das hohe Gericht überhaupt zur mündlichen Verhandlung zusammengekommen. Dort gaben sich beide Spieler auf Weisung ihres Anwalts geständig. Sie hätten Gelb „in Kauf genommen“.

Richter Hans E. Lorenz erläuterte, dass ohne die Aussagen der beiden Bremer unmittelbar nach dem Spiel die Ermittlungen – wie neulich im Fall von fünf Gelben Karten gegen Spieler von Darmstadt 98 – eingestellt worden wären. „Andererseits hätten sich die Geständnisse während des Prozesses strafmildernd“ ausgewirkt. „Ich will nicht verhehlen, dass wir für Ehrliche Sympathie haben“, führte Lorenz aus. Sonst wäre für Junuzovic und Fritz eine Sperre von je einem weiteren Spiel angeordnet worden.


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Belastung durch medialen Widerhall

Derartige Vergehen werden in den DFB-Statuten als unsportliches Verhalten und Verstoß gegen das Fairplay gewertet. Einen konkreten Paragrafen, wie in derartigen Fällen eine Sperre auszusehen hat, gibt es im deutschen Lizenzfußball indes nicht. Anders als bei der Uefa, wo seit fünf Jahren vorsätzlich provozierte und unzweifelhaft nachgewiesene Gelbstrafen grundsätzlich mit Sperren von zwei Spielen sanktioniert werden. Richter Lorenz regte an, der DFB möge seine Satzungen und Ordnungen entsprechend deutlich überarbeiten: „Bei der Uefa wären beide Spieler knallhart für zwei Spiele gesperrt worden.“

Werders Klubchef Klaus Filbry ließ nach dem schnellen Prozessende ein wenig schmallippig durchblicken, dass die Werder Bremen GmbH & Co. KG die Strafen an den DFB überweisen und den Spielern nicht in Rechnung stellen wird. Ansonsten wollte der Geschäftsführer nicht näher auf das Strafmaß und Verhandlungstaktik eingehen, denn: „Wir würden gern den Blick im Abstiegskampf nach vorne richten.“

Die Belastung durch den medialen Widerhall der Angelegenheit war den Bremern wenig genehm gewesen. Der Österreicher Junuzovic sagte rückblickend: „Es tut mir leid, wenn ich unsportlich agiert habe. Ich habe einen Fehler gemacht und wollte bestimmt nicht, dass daraus eine so große Sache wird.“ Aber es sei ihm nun einmal ein dringendes Anliegen, „meiner Mannschaft bei Spielen gegen direkte Konkurrenten zu helfen“. Dazu gehören die Bayern zweifelsohne nicht. „Gegen die Bayern auszufallen“, so Fritz, „tut mir und Werder Bremen nicht so weh.“

Richter Lorenz hofft, dass von dem salomonischen Urteil dennoch „Signalwirkung“ ausgeht: „Sie sind mit ihren Geständnissen gerade noch mal von der Klinge gesprungen“, sagte er in Richtung der Angeklagten. Profis sollten sich bewusst sein: „Ein solches Verhalten verfälscht den Wettbewerb“, und zwar zugunsten von Bayern München. „Wenn das alle machen, dann führt das automatisch dazu, dass die Bayern regelmäßig gegen schwächere Mannschaften spielen können.“ Lorenz ist im Brotberuf übrigens Vorsitzender Richter der Großen Strafkammer am Landgericht Mainz. Mainz 05 hat vor zwei Wochen 2:1 in München gewonnen.

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