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10. März 2016

DFB-Sportgericht Werder Bremen: Kniffliger Präzedenzfall

 Von 
Werdender Vater im Blickpunkt: Zlatko Junuzovic.  Foto: dpa

Das DFB-Sportgericht entscheidet über moralische und rechtliche Grundsätze in der Fußball-Bundesliga: Clemens Fritz und Zlatko Junuzovic vom SV Werder Bremen werden verdächtigt, sich absichtlich eine Sperre für das Spiel gegen den FC Bayern abgeholt zu haben.

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Hans E. Lorenz ist im hessischen Wöllstein beheimatet und im Hauptberuf Richter am Mainzer Landgericht. Sein Nebenjob als Vorsitzender des DFB-Sportgerichts hat dem dreifachen Familienvater allerdings häufig größere öffentliche Aufmerksamkeit eingebracht. Was am heutigen Freitag wohl wieder passiert, wenn es in der Frankfurter Verbandszentrale ab 11.30 Uhr in mündlicher Verhandlung um moralische und rechtliche Grundsätze in der Fußball-Bundesliga geht. Wegen des Verdachts des „unsportlichen Verhaltens“ hat der Kontrollausschuss Ermittlungen gegen zwei Gelbsünder des SV Werder, Clemens Fritz und Zlatko Junuzovic, aufgenommen, die verdächtigt werden, sich eine Sperre extra für das Topspiel beim FC Bayern (Samstag 18.30 Uhr) abgeholt zu haben.

Sowohl der 35 Jahre alte Kapitän Fritz als auch der 28 Jahre alte Mittelfeldspieler erscheinen persönlich, weil das Sportgericht „wegen der grundsätzlichen Bedeutung des Falles den Sachverhalt ordnungsgemäß aufklären will“. Die Bremer haben den renommierten Sportanwalt Christoph Schickhardt zur Interessensvertretung eingeschaltet. Während Fritz – Gelb wegen Haltens – sich branchentypisch herausgeredet hatte, gab Kollege Junuzovic – Gelb wegen Spielverzögerung – die Absicht im Sky-Interview zu: „Besser, ich mache es so, als wenn ich jemandem absichtlich weh tue.“

Sturm der Entrüstung an der Weser


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Die Kardinalfrage, um die also alles rankt: Soll einer für seine Ehrlichkeit in einem emotionalen Augenblick bestraft werden? Vieles deutet daraufhin, dass das Sportgericht eine Sperre aussprechen wird. Indirekt würde damit den Profis nahegelegt, besser zu lügen – oder zu schweigen. „Wenn das jetzt juristisch auf die Goldwaage gelegt wird, werde ich künftig keine Interviews direkt nach dem Spiel geben und die Emotionen erstmal verziehen lassen“, hat Junuzovic bereits über die Vereinshomepage verlauten lassen.

An der Weser ist ein Sturm der Entrüstung losgebrochen. „Würde er jetzt zusätzlich gesperrt, so wäre das eine absolute Sauerei“, schreibt ein User im Forum des „Weser Kurier“. „Meines Erachtens ist der einzige sinnvolle Weg, mit der Lebenswirklichkeit im Profifußball offen und ehrlich umzugehen und strategisches Verhalten bei der Gelbe-Karten-Regelung zu akzeptieren“, heißt es bei einem anderen. Und ein User erinnert an Ex-Eintracht-Trainer Armin Veh, der vor zwei Jahren vor der Auswärtsreise zu den Bayern seine von einer Sperre bedrohten Leistungsträger ungestraft daheim in Frankfurt ließ.

Die Debatte tobt in Bremen auch deshalb heftig, weil eine grassierende Gelbsucht des SV Darmstadt 98 zuvor unter genau demselben Verdacht straffrei geblieben war. Alle fünf vorbelasteten Akteure – vier davon in den letzten sieben Minuten – holten sich am 13. Februar gegen Bayer Leverkusen (1:2) eine Gelbe Karte ab, um beim FC Bayern (1:3) zu pausieren und dann ausgeruht mitzuhelfen, beim SV Werder einen Punkt (2:2) zu erkämpfen. Bei allen Befragungen hatten Trainer und Spieler der Lilien den Vorwurf des Vorsatzes geschlossen bestritten. Werder-Geschäftsführer Thomas Eichin hatte am Donnerstag auf der Pressekonferenz sichtbar Mühe, sich zurückzuhalten. „Wir werden einem laufenden Verfahren nicht vorgreifen und unnötige Sprüche machen, aber uns noch ausgiebig dazu äußern.“ Nicht nur nach Urteilsverkündung, sondern „auch am Samstag und Sonntag“, deutete Eichin an. Hörte sich so an, als kalkuliere der Verein bereits einen Urteilsspruch ein, der massiven Protest provoziert. Ein Präzedenzfall ist es allemal.

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