Sport
Sport-Nachrichten, Ergebnisse und Live-Ticker

21. Januar 2013

DFB-Trainertagung: Schiedsrichter und Trainer haben sich lieb

 Von Jan Christian Müller
In Eintracht: Herbert Fandel, Jürgen Klopp und Joachim Löw (v. l.) Foto: dpa

Während der Bundesligatagung diskutieren Schiedsrichter und Cheftrainer über ihr angespanntes Verhältnis an der Seitenlinie. Alleine in der Hinrunde 2012 werden fünf Cheftrainer auf die Tribüne geschickt.

Drucken per Mail

Während der Bundesligatagung diskutieren Schiedsrichter und Cheftrainer über ihr angespanntes Verhältnis an der Seitenlinie. Alleine in der Hinrunde 2012 werden fünf Cheftrainer auf die Tribüne geschickt.

Düsseldorf –  

Es kommt nicht alle Tage vor, dass der deutsche Schiedsrichterboss Herbert Fandel und der deutsche Meistertrainer Jürgen Klopp einträglich nebeneinandersitzen und sogar so aussehen, als würden sie sich irgendwie mögen. Nach der Jahrestagung der Bundesligatrainer in einem Düsseldorfer Nobelhotel wurden die beiden vom Deutschen Fußball-Bund zur Pressekonferenz nebeneinander aufs Podium platziert und drückten so etwas wie gegenseitige Wertschätzung aus. Zuvor hatte Fandel mit den bis auf Norbert Meier (Fortuna Düsseldorf), Sascha Lewandowski (Bayer Leverkusen), Thomas Schaaf (Werder Bremen) und Marco Kurz (1899 Hoffenheim) vollständig versammelten Elite-Fußballlehrern vor allem über das angespannte Verhältnis der Cheftrainer zu den Vierten Offiziellen diskutiert.

Fandels Botschaft: Die Referees hätten ganz sicher nichts dagegen, wenn Trainer ihre Mannschaften emotional coachen, sie haben aber sehr wohl etwas dagegen, wenn „jemand wild gestikulierend und schreiend auf den Vierten Offiziellen losläuft“. Dann, so der DFB-Hauptschiedsrichter unmissverständlich, „muss dieser Trainer den Innenraum verlassen“.

„Total unter Anspannung“

Die Tendenz ist negativ: Seit der Vierte Offizielle vor genau zehn Jahren in der Bundesliga eingeführt wurde, waren die Verweise aus der Coachingzone auf die Tribüne laut einer Erhebung des Fachblatts Kicker zwischenzeitlich von zuvor neun auf durchschnittlich unter zwei pro Saison zurückgegangen. Allein in dieser Hinrunde gab es allerdings deren fünf Hinausstellungen für Trainer in der obersten deutschen Spielklasse. Offenbar läuft da etwas in die falsche Richtung.

Jürgen Klopp erklärte die Situation grundsätzlich so: „Tatsache ist, dass wir Trainer bei einem Spiel total unter Anspannung stehen“, während die „Schiris sich gleichzeitig komplett runterbeamen“ müssten. Das führe dann zu „Konflikten, die von erfahrenen Schiedsrichtern deutlich besser gelöst werden können als von jungen Burschen“. Fandel hat bereits reagiert und zum Rückrundenauftakt statt unerfahrenen Zweitligareferees nicht weniger als sieben Erstligaschiedsrichter als Vierte Offizielle eingesetzt.

In anderen Ländern sei die Kommunikation zwischen Trainern und Schiedsrichtern praktisch abgebrochen worden, berichtete das Mitglied des Uefa-Schiedsrichterausschusses. Seine Botschaft: „Ich will nicht, dass, es bei uns so weit kommt, dass die Trainer nur noch auf die Schiedsrichter losholzen und die sich dann hinter ihren Paragrafen verschanzen.“

Lob vom Bundestrainer

Der Mainzer Chefcoach Thomas Tuchel, einer jener Trainer, die bei den DFB-Schiedsrichtern als schwieriger Gesprächspartner am Spielfeldrand gilt, lobte: „Es war ein guter Dialog.“ Klopp ergänzte: „Man mag überrascht sein, wie einig wir uns mit den Schiedsrichtervertreten waren. Wir liegen nur minimal auseinander.“ Wie sich das im Tagesgeschäft auswirkt, müssen beide Seiten noch beweisen.

Bei der Düsseldorfer Tagung herrschte jedenfalls eine ausgewiesene Friede-Freude-Eierkuchen-Atmosphäre, auch, was das schon deutlich gespanntere Verhältnis zwischen Ligatrainern und dem ebenfalls anwesenden Bundestrainer angeht. Joachim Löw bedankte sich artig für die „exzellente Arbeit“ seiner Kollegen, es freue ihn besonders, „dass so viele junge Spieler das Vertrauen der Bundesligatrainer genießen“, das sei ein „enormer Fortschritt gegenüber vor fünf, sechs Jahren“.

Im Gegenzug drückte Jürgen Klopp im Namen der Kollegenschaft seine Anerkennung dafür aus, dass Löw zwei Länderspiele (gegen Ecuador in Miami und gegen die USA in Washington) bereits auf Ende Mai/Anfang Juni gelegt hat und nicht auf die offiziellen Fifa-Termine am 7. Und 11. Juni. So erhalten die Nationalspieler zehn Tage mehr Urlaub, was der Bundestrainer allerdings nicht nur aus altruistischen Gründen mit Rücksicht auf die lieben Kollegen der Bundesligavereine entschieden hat, sondern auch aus purem Eigennutz „So haben die Spieler vier Wochen Urlaub und sechs Wochen Vorbereitung und eine Basis für die ganze Saison.“ Die mit der Weltmeisterschaft in Brasilien ihren Höhepunkt erleben soll.

Zur Homepage

Jetzt kommentieren

Ressort

Sport-Nachrichten, Ergebnisse und Live-Ticker.