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27. Januar 2016

DFL: Dem Himmel entgegen

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Hier regnet es ausnahmsweise mal nur Konfetti statt Geld auf Bundesligastars.  Foto: imago/MIS

Die Deutsche Fußball-Liga postuliert Umsatzziele von bis zu sechs Milliarden Euro bis spätestens 2030. Die größten Chancen sieht man dabei im internationalen Wachstum.

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Alle Jahre wieder stellt Christian Seifert im Januar die frisch aufbereiteten Zahlen der Ersten und Zweiten Fußball-Bundesliga vor. Eigentlich eine angenehme Aufgabe für den an diesem Mittwoch bei seiner Präsentation allerdings stark erkälteten und fiebrigen Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga (DFL), die den Spielbetrieb in den beiden deutschen Lizenzligen organisiert, überwacht und vermarktet. Für Letzteres hat die DFL schon vor einigen Jahren Tochtergesellschaften gegründet, die in einem Industriegebiet von Köln nicht weit vom Rhein hinter den Mehlmühlen der Aurora-Werke beheimatet sind und die TV-Bilder und Online-Botschaften auf sämtlichen Kanälen in die ganze Welt hinausschicken – und gleich noch in Echtzeit überprüfen, wie erfolgreich eine Nachricht in China oder Amerika, Thailand oder Mexiko die interessierte Netzgemeinde durchdringt. „Ich glaube“, krächzte Seifert tapfer, „dass die Bundesliga von allen Ligen am besten vorbereitet ist auf die mediale Zukunft.“

Was die nackten Zahlen angeht, kann Deutschland dennoch nicht mit der Premier League mithalten. Zwar wusste Seifert den elften Umsatzrekord in Serie für die Erste Bundesliga zu vermelden – mit einer Steigerung von knapp sieben Prozent wurde erstmals die 2,5-Milliarden-Euro-Marke überhüpft –, aber perspektivisch sorgt sich der führende Fachmann im deutschen Fußball allemal spürbar, dass die notwendige Dynamik auch von den Klubs so aggressiv aufgenommen wird, auf dass die Bundesliga auch in zehn Jahren noch vorn dabei ist. Für den Zeitkorridor 2025 bis 2030 sieht Seifert die Notwendigkeit, die Einnahmen auf 5,5 bis sechs Milliarden Euro pro Saison mehr als zu verdoppeln, „wenn wir weiter zu den Top-3-Ligen in Europa gehören wollen“.

Die entscheidende Dynamik war in den vergangenen zehn Jahren vor allem durch die Steigerung der nationalen Medienerlöse, vor allem durchs Pay-TV, zustande gekommen. Eine Zukunftsidee ist das aber nicht, glaubt Seifert. „Die Umsatzperspektive auf bis zu sechs Milliarden Euro erreicht man nicht, wenn man alle vier Jahre nur darauf setzt, dass das Pay-TV noch mal was oben draufpackt.“ Der 46-Jährige sieht die größten Chancen im internationalen Wachstum, die DFL hat dafür einige pseudo-dramatische Trailer gedreht, die via Satellit an die TV-Sender auf der ganzen Welt verschickt werden und dort das Publikum richtig gierig auf Bundesligafußball machen sollen. Aufgrund des technischen Vorsprungs ist man optimistisch, zumindest die Italiener in absehbarer Zeit abzuhängen.

Doch auch im nationalen Markt bewegt sich was, gut möglich, dass von der Saison 2017/18 an ein Sky-Abo nicht mehr ausreicht, um die Bundesliga vollständig verfolgen zu können. „Wir haben mit einem Durchschnittspreis von 32 Euro für ein Pay-TV-Abo eine sehr komfortable Situation für den deutschen Fernsehzuschauer“, sagt Seifert, „in Zukunft werden möglicherweise zwei Verträge notwendig sein.“ Das klingt nicht gut für den Endverbraucher. Die von Seifert postulierte Einnahmeperspektive von 1,1 bis 1,5 Milliarden pro Saison aus den neuen TV-Verträgen ab 2017 (im Vergleich zu knapp 800 Millionen derzeit) hört sich umso besser für die Fußballprofis an. Deren Top-Vertreter kassieren dann statt einer Million Euro pro Monat mal eben 1,2 oder 1,5 Millionen. Sei es ihnen gegönnt. Sie müssen ja auch Steuern zahlen.

Ganz andere, viel kleiner Größenordnungen, werden in der Zweiten Bundesliga erreicht. Dort haben die 18 Klubs in der vergangenen Saison 504 Millionen Euro eingenommen, also weniger als ein Fünftel der Ersten Bundesliga. Und doch: Mehr als eine halbe Milliarde Euro kassiert ansonsten nur die zweithöchste englische Spielklasse (587 Millionen Euro), die zweiten Ligen in Italien (290), Spanien (214) und Frankreich (209) hat die Zweite Bundesliga längst deutlich abgehängt. Wenn Seifert sagt, die zweithöchste deutsche Spielklasse verfüge über eine „sehr, sehr gute Ausstattung“ sollte das dort realistisch beurteilt werden: Der Liga-Manager ist nicht sonderlich erpicht darauf, künftige Zusatzeinnahmen aus TV-Geldern an die zweite Liga weiterzureichen. Die sollen in erster Linie den Topklubs in der Eliteliga zugutekommen, die sich auf dem internationalen Markt bewähren müssen.

Ein paar Gedanken hat sich Seifert auch zu den jüngst publik gewordenen Plänen einer europäischen Superliga gemacht. „Wenn ich Uefa wäre, würde ich diese Überlegungen sehr ernst nehmen. Das ist ein Projekt, das mehr gegen die Champions League gerichtet ist als gegen nationale Ligen“, glaubt Seifert – und fügt in der ihm eigenen Ironie an: „Ich weiß nur nicht, ob da gerade einer bei der Uefa ist, der das überhaupt ernst nehmen kann.“ Ehe er dann geschwind mit Wärmflasche wieder im Bett verschwand, empfing er eine US-Journalistengruppe. Die Bundesliga befindet sich dort schließlich noch in Hüttenschuhen.

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