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07. Januar 2015

DFL: Rettig räumt den Schreibtisch

 Von  und 
Andreas Rettig verlässt die DFL.  Foto: dpa

Nach zwei Jahren verkündet der DFL-Geschäftsführer seinen Abschied vom Ligaverband - um zu Eintracht Frankfurt zu gehen?

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Jeden ersten Dienstag im Monat steht bei der in der Guiollettstraße im Frankfurter Westend unweit des Bankenviertels residierenden Deutschen Fußball-Liga (DFL) die Mitarbeiterversammlung an. Als gestern Morgen im vollbesetzten Konferenzraum des fünften Stocks der verglasten Zentrale der drittmächtigste Mann das Wort ergriff, standen hernach einige Münder offen: Selbst viele Mitstreiter waren überrascht, wie entschlossen einer von zwei Geschäftsführern seine Demission verkündete. Andreas Rettig, fast exakt auf den Tag genau vor zwei Jahren mit einigem Brimborium vorgestellt, hat um Vertragsauflösung gebeten.

Den gesamten Geschäftsbereich verantwortet vorerst kommissarisch Christian Seifert, der Vorsitzender der Geschäftsführung, mit dem Rettig immer mal wieder aneinandergeraten war. Offiziell fiel natürlich kein schlechtes Wort über die mitunter aus unterschiedlichen Blickfeldern betrachtete Gemengelage. „Die vergangenen beiden Jahre bei der DFL waren lehrreich und interessant und haben mir noch mal einen erweiterten Blick auf den Fußball ermöglichst“, ließ sich der gebürtige Leverkusener zitieren.

Intern soll der 51-Jährige tatsächlich fast exakt dasselbe verlautbart haben, wie extern in einer Pressemitteilung verschickt wurde: „Mit Blick auf meine persönliche Lebensplanung bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass ich meine persönliche Zukunft im Klub-Fußball sehe“, so Rettig. Sein eigentlich bis Ende 2015 datierter Kontrakt wird zum 30. Juni aufgelöst, doch weil der Geschäftsführer nicht nur für den Spielbetrieb, sondern auch die Lizenzierung zuständig ist, wird er bereits im März seinen Schreibtisch räumen – zu groß wäre die Gefahr, in Interessenskonflikte zu geraten. Die „Integrität des Wettbewerbs“, hieß es seitens der Liga-Vertretung, dürfe auf keinen Fall gefährdet sein. Es kann ja nicht jemand Einblick in alle Lizenzierungsunterlagen erhalten, der im Sommer anderswo an den Schalthebeln der Macht sitzt.

Womöglich bei Eintracht Frankfurt? Diese Spekulation ist, kaum war die Demission öffentlich, sofort ins Kraut geschossen. In Frankfurt, das ist bekannt, wird spätestens im Sommer 2016 ein Platz im Vorstand frei. Der Vorsitzende Heribert Bruchhagen, seit 2003 bei den Hessen in Amt und Würden, scheidet dann aus. Und natürlich strecken die Frankfurt ihre Fühler aus, sondieren in aller Ruhe den Markt. Sogar der frühere Trainer Armin Veh wurde gehandelt. Und wäre das „Frontschwein Rettig“, wie Augsburgs ehemaliger Vereinschef Walther Seinsch den hemdsärmeligen Funktionär einmal nannte, nicht der ideale Mann, um bei der Eintracht den Klubchef zu beerben? Kein Geheimnis ist, dass Heribert Bruchhagen die Arbeit von Andreas Rettig schätzt. Und Bruchhagen könnte sich Rettig als Nachfolger durchaus vorstellen, er selbst würde den 51-Jährigen liebend gerne mit speziellen Frankfurter Usancen vertraut machen – vielleicht schon ab diesem Sommer? Bei Empfehlungen von Bruchhagen wolle der Aufsichtsrat „genau hinhören“, hatte Aufsichtsratschef Wilhelm Bender vor einiger Zeit in einem Interview gesagt.

Mann der Praxis

Der 66-Jährige Bruchhagen hat genau wie Rettig eine Vergangenheit in der DFL-Zentrale hinter sich. Der hatte 2003 das Angebot angenommen, Eintracht Frankfurt wieder zu einer seriösen Adresse im deutschen Profifußball zu machen. Mit Rettig, so viel scheint festzustehen, könnte es passen.

Offiziell allerdings sagt Aufsichtsratschef Bender, von der FR im Urlaub aufgeschreckt: „Ich führe keine Gespräche mit möglichen Nachfolgern von Heribert Bruchhagen. Dazu besteht derzeit kein Anlass.“ Bender könnte sich nämlich auch vorstellen, Bruchhagen zu einem Weitermachen zu überreden – unter bestimmten Bedingungen. „Lassen Sie uns in einer Krise sein, dann sagen wir vom Aufsichtsrat vielleicht: ,Komm, mach‘ noch ein Jahr.‘“, sagte Bender unlängst in „Bild“. Vieles hängt auch von der Präsidentschaftswahl am 25. Januar ab. Der langjährige Präsident Peter Fischer hat in Reiner Schäfer erstmals einen Gegenkandidaten. Sollte Fischer abgewählt werden, hätte das Auswirkungen auf die Besetzung der Gremien mit Folgen möglicherweise auch für die Eintracht Fußball-AG.

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Verbürgt ist, dass Rettig, der bei Bayer Leverkusen unter Reiner Calmund sein Handwerk erlernte, das er später beim SC Freiburg und 1. FC Köln ausbaute, sich seit jeher als Mann der Praxis begreift. Fast nie hat er Schlips und Sakko getragen, sondern lieber Hemd und Strickjacke. Bei seiner Präsentation am 3. Januar 2013 wurde ein Video eingespielt, das Rettig vor fast drei Jahrzehnten bei der Vorlage zu einem „Tor des Monats“ zeigte – im dreckverschmierten Trikot des Wuppertaler SV. Damals sagte er: „Ich möchte, dass die DFL ein bisschen mehr über den Sport wahrgenommen wird, nicht nur als Vermarktungsverband.“

Rettigs Sozialisation ist eine ganz andere als die des gewieften Verkäufers Seifert – wenn er irgendwo auf der Tribüne saß, machte er sich nachher Notizen zu Taktik und Systemen oder schloss vorher bekannte Trainer oder Spieler in die Arme. Diesen Stallgeruch schnupperte er nach seinem Dafürhalten zuletzt zu selten. Am besten war das zu besichtigen, als er gekonnt den eskalierenden Konflikt mit der Fanszene (Stichwort: Pyrotechnik, zwölf Minuten Schweigen) schlichtete. Auch die im zweiten Anlauf genehmigte Torlinientechnologie kann er sich auf die Fahnen schreiben. Beide Beispiele erwähnte Seifert explizit als „entscheidende Impulse“. Dass Rettig oft aneckte, sich nicht scheute, hochrangige DFB- oder DFL-Vertreter anzugehen, ist verbürgt. Es soll aber nicht der Grund für die Trennung gewesen sein. Über seinen Nachfolger verlautete bislang nichts – dafür war wohl selbst das eigene Haus teilweise zu überrascht.

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